Vor dem Wiesn-Anstich: Impfaktion am Sendlinger Tor

Auf dem Oktoberfest schunkelt gewöhnlich das Grippevirus mit. Zum Schutz dagegen läuft in einer Apotheke eine Impfaktion. Ein Experte vor Ort erklärt, warum gerade jetzt die Impfung so wichtig ist.
von  Lukas Plaschke
Christoph Spinner vom TUM-Klinikum lässt sich vor Ort selbst gleich von Apothekenleiter Thomas Benkert gegen die Grippe impfen.
Christoph Spinner vom TUM-Klinikum lässt sich vor Ort selbst gleich von Apothekenleiter Thomas Benkert gegen die Grippe impfen. © Daniel von Loeper

Noch anderthalb Wochen sind es bis zum Anzapfen auf der Wiesn. Doch bevor der neue Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) "Ozapft is" im Schottenhamel-Zelt verkündet, sagt die Marien-Apotheke am Sendlinger-Tor-Platz jetzt schon "Ozapft is", jedoch mit dem Zusatz "aber bitte Grippe-geimpft."

Am Dienstagvormittag entsteht ein Medienrummel auf engstem Raum in der Marien-Apotheke für eine Impfaktion, gerade rechtzeitig vor dem Oktoberfest. Denn die berüchtigte Wiesn-Grippe ist ein stetiger Begleiter während und nach dem Fest. Erst feiern sieben Millionen Menschen völlig ausgelassen auf engstem Raum. Und dann heißt es: krankgeschrieben.

"Die Wiesn-Grippe gibt's"

Doch gibt es wirklich die Wiesn-Grippe? Christoph Spinner (43), Oberarzt und Leiter der Infektiologie am TUM-Klinikum, ist in der Marien-Apotheke und antwortet der AZ: "Die Wiesn-Grippe gibt’s. Aber das ist eigentlich ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen." Auf dem Oktoberfest grassieren demnach natürlich auch andere Viren wie etwa die klassischen Erkältungsviren, RSV oder Corona. Daher sollte man sich laut Spinner genau jetzt impfen lassen. "Wer zur Wiesn geschützt sein will, sollte sich noch diese Woche impfen lassen", sagt der 43-Jährige. Die Grippeimpfung schütze nur gegen das Influenza-Virus. Sie wirke laut Spinner aber schon nach sieben bis zehn Tagen und reduziere das Risiko für schwere Verläufe um 70 bis 80 Prozent. Gerade für Risikogruppen kann eine Infektion mit Influenza gefährlich werden. 

Die Grippeimpfung ist nicht nur für Risikogruppen gedacht

Die Ständige Impfkommission rät allen ab 75 Jahren, Personen mit Vorerkrankungen und Pflegepersonal zur Impfung. Laut Spinner sei jedoch nicht mal jeder Dritte gegen Influenza geimpft, dem das empfohlen wird.  Auch gesunde und jüngere Erwachsene sind aufgerufen, sich impfen zu lassen. "Man schützt nicht nur sich selbst, sondern auch Angehörige vor einer Infektion", sagt Thomas Benkert, Leiter der Marien-Apotheke. Umso wichtiger sei laut Benkert daher ein niedrigschwelliges Angebot, das auch die Apotheken anbieten.

Auch Politprominenz lässt sich am Dienstag gegen Grippe impfen. Der ehemalige bayerische Gesundheitsminister und heutige CSU-Landtagsfraktionschef Klaus Holetschek sieht nur die Vorteile der Impfung, auch wenn viele skeptisch seien. "Es ist sicher, wirksam und empfohlen", sagt er und plädiert: "Es könnten sich noch mehr Menschen impfen lassen."

Als einer der Ersten lässt er sich Impfen: CSU-Landtagsfraktionschef Klaus Holetschek betont: "Impfen hilft."
Als einer der Ersten lässt er sich Impfen: CSU-Landtagsfraktionschef Klaus Holetschek betont: "Impfen hilft." © Daniel von Loeper

Die ersten Kunden lassen sich impfen

Die Laufkundschaft in der Apotheke traut sich am Dienstagvormittag nur vereinzelt, sich immunisieren zu lassen. Das dürfte wohl noch dem Presserummel zu verdanken sein. Susanne und Jörg Krentz, beide 66 Jahre alt, haben sich indes angemeldet und warten nun darauf, geimpft zu werden. "Wir machen die Grippe-Impfung jährlich", sagt Susanne Krentz. Daher sei die Wiesn nicht der Anlass für die Impfung gewesen. Peter Wittenberg hat aus der Abendzeitung von der Impfaktion erfahren. "Ich habe mich gleich aufgemacht, bin in Garching rein in die U-Bahn und hierhergefahren", sagt der 64-jährige Freisinger. Auch Wittenberg lasse sich jährlich impfen, wie er sagt. Für einen Trip zum Gardasee und die anstehende Wiesn sei er damit bestens gerüstet.

AZ-Leser Peter Wittenberg wartet auf seine Impfung.
AZ-Leser Peter Wittenberg wartet auf seine Impfung. © Lukas Plaschke

"Als Berufstätiger will man nicht ausfallen"

Den Grippeimpfstoff liefert unter anderem die Firma CSL Seqirus. Geschäftsführer Alexander Almerood (44) erklärt in der Apotheke, dass man jedes Jahr den Impfstoff anpassen müsse, da sich die Virusstämme immer weiterentwickeln. Daher sei es so wichtig, sich regelmäßig impfen zu lassen. "Als Berufstätiger will man nicht ausfallen", sagt Almerood.

Die Impfaktion in der Marien-Apotheke gab es letztes Jahr schon. Heuer hofft Apothekenleiter Benkert auf 300 bis 400 Impflinge. Reicht da der Impfstoff? Benkert versichert: "Wir haben ausreichend Impfdosen parat."


Die Impfaktion in der Marien-Apotheke läuft noch heute (9. September). Für die Impfung reicht es, die Versichertenkarte mitzubringen, am besten auch den Impfpass dabeihaben. Sendlinger-Tor-Platz 7, von 9 bis 18 Uhr.

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