Von wegen Abbau: Stadt soll mehr Häusl bekommen

Von 130 öffentlichen Toiletten stehen 34 vor der Schließung – so war’s beschlossen. Doch nun gibt es neue Pläne.
| Florian Zick
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Öffentliche Toilette in München: Es gibt zu wenige davon.
dpa Öffentliche Toilette in München: Es gibt zu wenige davon.

Von 130 öffentlichen Toiletten stehen 34 vor der Schließung – so war’s beschlossen. Doch nun gibt es neue Pläne.

Mit dem Ziel der Münchner SPD, wieder näher am Menschen zu sein, hat dieser Vorschlag freilich nichts zu tun. „Wir sind schon immer nah am Menschen gewesen“, sagt Stadtrat Hans Dieter Kaplan. Aber mit diesem Antrag ist die SPD nun besonders nah dran – es geht um das Allermenschlichste überhaupt.

Die Rathausfraktion will das Münchner Klohäusl-System grundlegend reformieren. Vor drei Jahren hatte der Stadtrat unter SPD-Führung eigentlich beschlossen, dass 34 der gut 130 städtischen Toilettenanlagen geschlossen, dafür 36 andere saniert werden. Passiert ist bislang: so gut wie nichts.

Das Aussitzen des Themas hat auch sein Gutes. Denn nun will die SPD die Beschlüsse von damals noch einmal auf den Prüfstand stellen.

Das starke Bevölkerungswachstum, die vielen Touristen in der Stadt – und nicht zu vergessen die immer wiederkehrenden Wortmeldungen bei Bürgerversammlungen: Da müsse man sich Gedanken über ein neues Konzept machen, sagt Hans Dieter Kaplan.

„Die Leute brauchen ein Örtchen für ihre Bedürfnisse“, so der SPD-Politiker. Deswegen soll der Stadtrat nun Kriterien entwickeln, anhand derer sich entscheiden lässt, welcher Park, welche U-Bahnstation und welche andere öffentliche Anlage mit einer Toilette ausgestattet werden soll.

Der Maßmannpark bei ihm um die Ecke, sagt Kaplan, sei zum Beispiel ein Streitfall. Früher hätte ein Dixi-Klo dort locker ausgereicht. Seit dem Umbau halten sich in dem Park aber auch viele Familien auf, teilweise sogar über mehrere Stunden hinweg. „Da müsste man herausfinden, ob das vor allem Anwohner sind, denen man einen kurzen Toilettengang nach Hause zumuten kann“, sagt Kaplan.

Als Ersatzlösung bringt die SPD eine Ausweitung des Modells „Nette Toilette“ ins Spiel. Lokale und Geschäfte stellen ihr WC dabei auch Passanten zur Verfügung – gegen einen kleinen Obolus der Stadt, versteht sich. Die Verwaltung soll nun beim Hotel- und Gaststättenverband vorfühlen, ob die Münchner Wirte für dieses Modell zu gewinnen wären.

Die heikle Angelegenheit ganz der SPD überlassen wollte ihr Kooperationspartner indes auch nicht. Die CSU wies gestern ihrerseits auf ihren Einsatz im Kampf für die „stillen Örtchen“ hin. „Seit Jahren beklagen wir die beschämende Situation und fordern ein Aktionsprogramm der Stadt“, sagte Fraktionschef Hans Podiuk. Doch Rot-Grün habe bislang immer abgeblockt.

Nun haben also beide großen Parteien die WC-Situation zum Kernthema erhoben. Einer „für München würdige Lösung“, wie Podiuk das bezeichnet, dürfte damit nichts mehr im Weg stehen.

 

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