Von der Familienbrauerei zum Bier-Konzern

Einst war jede vierte Maß eine Löwen-Maß. Heute hinkt die Marke Franziskaner hinterher - die bewegte Geschichte von Löwenbräu.  
| Anne Kathrin Koophamel
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Der Lack ist ab: Nicht nur dieses Löwenbräu-Plakat mit dem Dekolletee ist ramponiert.
imago Der Lack ist ab: Nicht nur dieses Löwenbräu-Plakat mit dem Dekolletee ist ramponiert.

Einst war jede vierte Maß eine Löwen-Maß. Heute hinkt die Marke Franziskaner hinterher - die bewegte Geschichte von Löwenbräu.

München - Durch die Scheibe am Sudhaus ziehen sich meterlange Risse. Nur notdürftig sind sie mit Klebeband geflickt, dahinter schimmern die Bronzekessel, in denen das Löwenbräu-Bier an der Nymphenburger Straße gebraut wird. Der Name Löwenbräu stand einst für die größte Brauerei Münchens. Jetzt blättert selbst das Plakat mit dem feschen Dekolletee langsam ab. Löwenbräu ist nicht mehr Platzhirsch in München. Es ist ein regionales Gebräu – eines von vielen.

Wie hoch der Anteil der Münchner Marke am Gesamtvertrieb von Franziskaner, Spaten und Löwenbräu ist, die seit acht Jahren im belgischen Konzern Inbev gebündelt sind, mag man in der Konzernzentrale in Bremen nicht sagen. Dort heißt es nur, 2,4 Millionen Hektoliter werden jährlich von allen drei Marken ausgestoßen.

Den größten Anteil hat Franziskaner. „Wir verkaufen in Deutschland insgesamt etwa fünfmal so viel Franziskaner als Löwenbräu”, sagt ein Sprecher. In den 70er Jahren sah das anders aus: Damals flossen von Löwenbräu rund 1,2 Millionen Hektoliter durch die Kessel. Heute dürfte es wesentlich weniger sein.

1748 taucht der Name „Löwenbräu” zum ersten Mal im hiesigen Biersudverzeichnis auf. Seine Blütezeit erlebt das Unternehmen unter Brauer Georg Brey, der das Sudhaus 1818 kauft. Es ist die Zeit der Bierbarone: Pschorr, Sedlmayr, Wagner und eben auch Brey.

Mitte des 19. Jahrhunderts ist jedes vierte in München getrunkene Bier ein Löwenbräu. 1883 verkauft die Familie Brey ihr Unternehmen, es wird in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Löwenbräu gilt als modern und zukunftsorientiert, braut bis vor dem Ersten Weltkrieg jedes Jahr eine Million Hektoliter – damals ein Rekord. 1997 fusioniert Löwenbräu mit Spaten. Das soll helfen, die roten Zahlen zu mildern: Die Brauerei schreibt einen Jahresverlust von knapp 20 Millionen Mark.

2004 wird das Areal an der Nymphenburger Straße von dem belgischen Großkonzern Inbev gekauft. Damals hieß es, man wolle sich stärker auf den Export konzentrieren. Dort liege die Zukunft des bayerischen Biers.

Eine Rechnung, die aufgeht. Heute exportiert Löwenbräu nach Auskunft von Inbev in über 50 Länder. Das gesamte Unternehmen setzt in Deutschland knapp neun Millionen Hektoliter ab. In den USA, in Kanada, Russland aber auch in Österreich und der Schweiz wird mehr Löwenbräu verkauft als in Deutschland. Hierzulande ziehen vor allem die Schwester-Marken Becks, Hasseröder und Franziskaner – Löwenbräu ist stark auf München begrenzt. „Schon vor den Toren der Stadt sieht man es seltener”, sagt der Unternehmenssprecher.

Löwenbräu trage im Vergleich zu den drei Hauptmarken wenig zum Wachstum des Deutschlandgeschäfts bei, sagt er weiter. Allerdings sei der Absatz 2011 um knapp drei Prozent gestiegen. Inbev spricht von einer „stabilen Entwicklung”.

Löwenbräu ist geradezu exemplarisch für die Münchner Brauereien: Niederländer und Belgier kaufen Anteile und setzen verstärkt auf den Export. Zugleich sinkt der Bierumsatz in Deutschland seit Jahren. Lag der Ausstoß 1994 deutschlandweit noch bei 115Millionen Hektolitern, sank er 2011 auf 98,2.  Auch der Bayerische Brauerbund teilte mit: „Erfolgsfaktor Nummer eins ist für Bayerns Brauer die erfreuliche Entwicklung des Exports von Bayerischem Bier.” Zwölf Prozent mehr konnten 2011 zum Vorjahr abgesetzt werden.

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