Verschwinden die Schanigärten mit dem gelben Radlweg?

Die Cafébar "Joon" in der Theresienstraße wird wohl drei Tische verlieren - wegen der 50er Zone.
| Irene Kleber
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Der gelbe Radlstreifen hat die Theresienstraße im Juli verkehrsberuhigt - Wirt Fardad Fateminejad bekam für sein Café "Joon" deshalb einen Schanigarten genehmigt.
Der gelbe Radlstreifen hat die Theresienstraße im Juli verkehrsberuhigt - Wirt Fardad Fateminejad bekam für sein Café "Joon" deshalb einen Schanigarten genehmigt. © Sigi Müller

München - Man kommt nicht sofort drauf, aber ja: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Pop-up-Radlwegen und Schanigärten. Das wird ganz offensichtlich, wenn man, zum Beispiel, Gast ist in der gemütlichen Cafébar "Joon" an der Theresienstraße 114.

Die ist auf dem Straßenabschnitt eine 50er-Zone, und als im Juli der gelbe Radlstreifen vor seinem Café auf die Straße gemalt wurde, hatte Wirt Fardad Fateminejad (43) einen Geistesblitz. "Bevor der neue Radweg da war, sind die Autos hier auf zwei Einbahnspuren durch die Straße gerast, zum Teil mit Vollgas", erzählt er der AZ. "Danach, mit nur noch einer Autospur, war plötzlich kaum noch Autoverkehr, dafür kamen viele Radler, das war unheimlich toll und ruhig hier."

Wie lange bleibt der Schanigarten noch?
Wie lange bleibt der Schanigarten noch? © Sigi Müller

Fateminejad: "Zusätzliche Sitzplätze waren die Rettung"

Er rief also beim KVR an, bat um die Genehmigung für einen Schanigarten (die es sonst nur in 30er-Zonen gibt) - und bekam sehr schnell ein Okay für drei Extra-Tische draußen auf einer Fünf-Meter-Parkplatzfläche. "Diese zusätzlichen Sitzplätze waren wirklich die Rettung für unser Café", sagt er.

Jetzt bahnt sich doppeltes Ungemach an. Wenn nach dem Stadtratsbeschluss Ende der Woche der gelbe Radlstreifen verschwindet und hier wieder zweispurig Autos mit Tempo 50 fahren dürfen, verliert das Café "Joon" seinen Schanigarten wieder.

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Theresienstraße: Zahl der Radfahrer hat sich vervierfacht

"Das allein ist schon schlimm", sagt der Wirt - zumal in der Straße eine Handvoll weiterer Cafés und Bars betroffen sein könnten. Noch schlimmer aber findet er dies: "Ich war bis zum Sommer leidenschaftlicher Autofahrer. Seit dem gelben Radweg komme ich selber mit dem Radl aus der Au angefahren, weil Radfahren hier jetzt wirklich Spaß macht und sich sicher anfühlt."

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Überhaupt habe sich die Zahl der Radler in der Theresienstraße vervielfacht. Bei einer Zählung der Stadt kam heraus, dass sich der Radverkehr in der Theresienstraße mit dem Pop-up-Weg mehr als verdoppelt hat (von täglich 900 Radlern auf 2.000). Lebendiger und ruhiger sei die Theresienstraße geworden. "Will die Stadt", sagt er, "das wirklich wieder kaputt machen?" Schlau sei das ja nicht.

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