Vater von Ali David S. zu Opfer-Eltern: "Wir trauern und leiden mit Ihnen"

Vor exakt vier Wochen, am 22. Juli 2016, richtete der Deutsch-Iraner Ali David S. am und im Münchner Olympia Einkaufszentrum ein furchtbares Blutbad an. Er tötete neuen Menschen und anschließend sich selbst. Jetzt spricht sein Vater.
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Mamoud S. spricht den Opfern seines Sohnes Ali David sein tiefes Mitgefühl aus.
privat Mamoud S. spricht den Opfern seines Sohnes Ali David sein tiefes Mitgefühl aus.

München – Seit der unfassbaren Tat lebt die Familie von Ali David S. an einem geheimen Ort. Sie hat zahlreiche Morddrohungen erhalten, die von der Polizei als so ernstzunehmen eingestuft wurden, dass die Familie vorübergehend ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen wurde.

In der Bild-Zeitung wendet sich Masoud S., der Vater von Ali David, nun an die Hinterbliebenen der Opfer seines Sohnes. Er schreibt, dass er und seine Frau mit den Angehörigen fühlen: "An die Familien der Opfer, die genau so wie wir nach Deutschland gekommen sind für ein besseres Leben für Ihre Kinder – und die durch diese schreckliche Tat ein Familienmitglied verloren haben: Wir weinen mit Ihnen, wir trauen mit Ihnen und wir leiden mit Ihnen. Unser Leid und Schmerz sind unendlich und kaum auszuhalten."

Lesen Sie auch: Jugendliche und eine zweifache Mutter - Das sind die Opfer von Ali David S.

"Ali wird extrem gemobbt, er ist wie ein privater Sklave"

Zudem liefert er weitere Einblicke in das Seelenleben seines Sohnes. Wie bereits mehrfach berichtet, war Ali David S. ein Einzelgänger, der in der Schule gemobbt wurde. Welche Ausmaße dieses Mobbing annahm, geht aus einem Brief hervor, den Ali Davids Vater bereits 2012 an den damaligen Klassenlehrer seines Sohnes schrieb. Darin heißt es laut Bild unter anderem: "Ich habe vor Kurzem erfahren, dass Ali von einer Gruppe extrem gemobbt wird. Er ist wie ihr privater Sklave, muss Befehle ausführen. Wenn er sich verweigert, wird er geschlagen."

Weiter wirft er gegenüber dem Lehrer die Frage auf "warum das Ganze noch nicht aufgefallen ist, warum keiner dagegen etwas getan hat". Eine Antwort auf das Schreiben erhielt er von der Schule nie.

Mamoud S. will die Tat seines Sohnes nicht rechtfertigen – Mord kann niemals die Antwort auf Mobbing sein. Aber er zeigt auf, dass sich Ali David seit Jahren in einer emotionalen Ausnahmesituation befand, die schließlich in dem schrecklichen Amoklauf am OEZ eskalierte. Ob eventuell auch ein Versagen im Bildungsapparat zu dieser Eskalation beigetragen hat, will Nima Lirawi, Jugendbeauftragter des Bezirks Neuhausen/Nymphenburg, demnächst durch den Münchner Stadtrat untersuchen lassen.

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