"Wir haben uns sofort in diesen Ort verliebt“: Wie ein Münchner Ehepaar am Starnberger See neu anfing

Wenn am Abend die Sonne über dem Starnberger See tiefer wandert, füllt sich die Schwaiblbar auf dem Campingplatz Ambach. Camper und Tagesgäste stehen an der Ausgabe, irgendwo brutzeln Pommes in der Heißluftfritteuse, aus dem Steinofen kommen Pizzen im Minutentakt. Mittendrin: Sandra Dürr (49), die zusammen mit ihrem Mann Henning Dürr (57) den Campingplatz samt Kiosk und Restaurant betreibt.

Ein Anruf an einem grauen Novembertag
Mit Gastronomie und Camping hatten die beiden ursprünglich nichts am Hut. Eigentlich kommen sie aus der Filmbranche: Sandra Dürr hat Regie studiert, Henning hat Schreinerei gelernt und lange im Filmbau gearbeitet. Seit 2011 führen sie das Fräulein Grüneis, den kleinen Kiosk im Englischen Garten, nachdem der 57-Jährige bei dem Ausbau des Ladens geholfen hatte. Mit dem ersten Kind stand für die Familie fest, dass sie nicht in der Filmbranche bleiben will. Aus dem kleinen Kiosk wurde schnell mehr, als man sich davor vorstellen konnte.
Dass die beiden Jahre später auch noch einen ganzen Campingplatz übernehmen würden, war nie der Plan. "Das war ein Zufall", sagt Sandra Dürr im Gespräch mit der AZ. Eine WhatsApp-Nachricht an einem regnerischen, grauen Novembertag brachte sie an den Starnberger See – eigentlich nur für einen Ausflug. "Wir haben uns sofort in diesen Ort verliebt", erinnert sie sich. Die Zugspitze war an diesem Tag nicht einmal zu sehen, und trotzdem stand für die beiden fest: Das ist etwas ganz Besonderes.

Seit 2020 gehört ihnen die Verantwortung für den kompletten Platz – Camping, Kiosk und Restaurant. Mit einer gewissen Portion Naivität sei das gut gegangen, findet Sandra Dürr rückblickend: "Wir dachten uns, so ein Campingplatz kann ja nicht so schwer sein." Ein bisserl komplizierter als gedacht war es dann freilich schon, aber man wachse eben mit den Jahren und den Herausforderungen.
"Es ist die Seele vom Platz"
Für Sandra Dürr ist klar, was der Kiosk für den Campingplatz bedeutet: "Du brauchst auf dem Campingplatz ein Herz – einen Ort, wo sich Leute treffen, wo du Brötchen holst und deinen Kaffee trinken kannst. Es ist die Seele vom Platz." Der Kiosk ist dabei kein exklusives Angebot für Camper: Auch Tagesausflügler aus den umliegenden Naherholungsgebieten kommen gezielt hierher, gerade zum Sonnenuntergang.
Ein Wesenszug des Geschäfts, an den sich die beiden erst gewöhnen mussten: Es lebt vom Wetter. Ein Kioskbesitzer müsse nämlich vor allem eins können: das Wetter lesen. In ihrer Jugend sei man schon bei 24 Grad baden gefahren, heute kämen viele Gäste erst ab 30 Grad. Doch genau dann explodiert der Betrieb regelrecht – inzwischen arbeiten 28 Leute am Campingplatz, der Großteil im Kiosk selbst. An heißen Wochenendabenden stehen bis zu neun Leute hinter dem Tresen.
Was dazu beitragen dürfte: der große Sandbereich am Kiosk, den im Sommer auch Familien zu schätzen wissen und der der Schwaiblbar einen Hauch von Strand verleiht. Während die Eltern essen, buddeln die Kinder drauflos. Und abends steckt man einfach die Füße in den feinen Sand, während man an seinem Spritz nippt.

Kiosk und Restaurant ergänzen sich nach Beobachtung der Betreiberin, statt sich Konkurrenz zu machen: Unten am Kiosk ist Selbstbedienung und Trubel, oben im Restaurant Schwaiblbach wird man bedient und blickt in Ruhe auf den See. Die wirtschaftliche Lage spüren aber auch sie: wöchentliche Preiserhöhungen bei Lieferungen, die sie nicht eins zu eins an die Gäste weitergeben wollen, weil auch beim Essengehen inzwischen genauer aufs Geld geschaut wird.
Camping selbst kennen die Dürrs im Übrigen auch aus eigener Erfahrung: Früher waren sie mit dem Dachzelt unterwegs, unter anderem in Afrika, vor Kurzem zum ersten Mal mit einem gemieteten Wohnwagen in Kanada. Der große Plan für die Zukunft: In zehn Jahren will das Ehepaar mit einem Van von Kanada bis nach Patagonien reisen.
Was der Kiosk zu bieten hat
Auf der Karte der Schwaiblbar mischen sich Camping-Klassiker mit ein paar Überraschungen. Es gibt hausgemachten Kuchen (3,90 Euro), Leberkässemmeln (5,20 Euro), Ziegenkäsesalat mit Apfel, Trauben und karamellisierten Nüssen (12,90 Euro) sowie eine asiatische Chicken Bowl mit Glasnudelsalat (14,90 Euro). Aus dem Steinofen kommt Pizza in acht Sorten, von Margherita (9,50 Euro) bis zur Capricciosa (14,50 Euro) – neben den Pommes eines der Gerichte, das laut Sandra Dürr am besten läuft. Auch Gyros, ob in der Pita mit Tzaziki (7,90 Euro) oder als Portion über den Pommes (9,90 Euro), zählt zu den erklärten Favoriten der Gäste.

Ganz neu in diesem Jahr: Currywurst (6,90 Euro). Dagegen hatte sich Sandra Dürr lange gewehrt: "Ich habe immer gesagt, ich mache keinen Kiosk mit Currywurst." Doch die Gäste ließen ihr keine Wahl: "Tatsächlich lieben die Leute die Currywurst. Ich wollte es nicht wahrhaben", gibt sie zu.
Der eigentliche Dauerbrenner bleiben aber die Pommes (ab 5,50 Euro). "Das ist der größte Stress, den wir haben", sagt Sandra Dürr. Pommes wirken schnell gemacht, sind es aber nicht: In die Fritteuse passt immer nur eine begrenzte Menge, weshalb bei vollem Betrieb allein zwei Leute an der Fritteuse und eine weitere Person an der Ausgabe stehen müssen, um die Wartezeit zu erklären. Bei den Dürrs kommen sie aus der Heißluftfritteuse mit rund 55 Prozent weniger Fett als klassisch frittierte Pommes – und werden trotzdem gelobt. Wer es deftiger mag, bestellt die Bavarian Cheese Fries, Pommes mit geschmolzenem Obazda und roten Zwiebeln (7,90 Euro).
Geöffnet hat er von 9 bis 21 Uhr
Zu essen gibt es an der Schwaiblbar also einiges – getrunken wird ebenso vielseitig. Neben Aperol (8,90 Euro), Augustiner (0,5 l - 3,90 Euro) und Wein gehören Cappuccino (3,90 Euro) und, an heißen Tagen, ein Kokosnuss-Slush zu den Dauergästen auf der Karte.
Der Kiosk mit Strandbar-Flair liegt am Schwaiblbach 3 in Münsing. Geöffnet hat er von 9 bis 21 Uhr, Samstag schließt er erst um 22 Uhr. Alle Infos rund um den Campingplatz und die Schwaiblbar unter Camping - Starnberger See.