Interview

Starnberger Landrat Stefan Frey: "Man muss den Menschen auch eine Perspektive geben"

Der Landkreis Starnberg hat - Stand Donnerstag - einen Inzidenz-Wert von 26,30. Ein Gespräch mit Landrat Stefan Frey.
| Leonie Meltzer
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Stefan Frey ist der Landrat des Landkreises Starnberg. (Archivbild)
Stefan Frey ist der Landrat des Landkreises Starnberg. (Archivbild) © privat

Starnberg - Stefan Frey im AZ-Interview: Der 45-jährige CSU-Politiker ist seit Mai 2020 Landrat des Landkreises Starnberg.

AZ: Herr Frey, wie bewerten Sie den Beschluss von Bund und Ländern zur Lockdown-Verlängerung und dem neuen Richtwert von 35?
STEFAN FREY: Es ist richtig, dass man den Menschen eine Perspektive gibt, beispielsweise, dass die Schulen, Kitas oder bestimmte Dienstleistungsbereiche schrittweise wieder öffnen. Die Entwicklung des Pandemiegeschehens haben die Menschen letztlich selbst in der Hand. Machen die Menschen mit, dann wendet sich das Blatt zum Guten. Verliert man jedoch die Akzeptanz für die Regelungen, steigen die Werte.

Wie meinen Sie das genau?
Die Einhaltung von Kontaktbeschränkungen und Hygienemaßnahmen schafft man nur dann, wenn die Regelungen im Bewusstsein bei den Menschen akzeptiert werden. Letztlich müssen aber auch die Impfungen endlich flächendeckend ins Laufen kommen.

Sie sehen die Entscheidungen folglich auch kritisch?
Ich sehe sie mit gemischten Gefühlen. Einerseits bin ich froh, wenn wieder nach und nach geöffnet wird. Andererseits haben wir es schon in der Vergangenheit erlebt: Die Menschen wollen zu schnell zu ihrem normalen Leben zurückkehren, und, schwupps, waren die Zahlen wieder oben und wir sind wieder im Lockdown gelandet. Und genau das darf sich nicht wiederholen. Deshalb bin ich für eine schrittweise Öffnung, aber gleichzeitig für eine genaue Beobachtung des Geschehens. Man muss den Menschen aber auch eine Perspektive geben, sonst verliert man sie. Das ist letztlich eine Kopfsache.

Landrat Frey: "Da helfen nur klare, einheitliche Regelungen"

Würden Sie für regionale Entscheidungen plädieren?
Nein. Ein Beispiel, wieso nicht, ist das Maskenthema an Schulen im Herbst vergangenen Jahres. Da haben wir gesehen, was passiert, wenn man regional unterschiedliche Entscheidungen trifft. Da helfen nur klare, einheitliche Regelungen, etwa auf Regierungsbezirksebene, weil man dort jeweils unterschiedliche Entwicklungen feststellen und bewerten kann. Aber keinesfalls auf Landkreisebene. Da würde mit Blick auf die unmittelbaren Nachbarn ein Flickenteppich entstehen, den wir letztendlich politisch nicht in den Griff bekommen.

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Hat der Landkreis Starnberg zusätzlich andere Maßnahmen ergriffen?
Auf was wir seit Beginn der Krise setzen, ist die sorgfältige Kontaktnachverfolgung. Wir haben ein Team von etwa 50 Personen, die rund um die Uhr im Einsatz sind und versuchen, die Kontakte Infizierter nachzuverfolgen, um durch konsequente Quarantänemaßnahmen Infektionsketten zu unterbrechen. Der andere Weg ist, dass wir das Testgeschehen intensivieren. In unseren Senioreneinrichtungen, in den Unternehmen und Betrieben, dort wo Infektionen entstehen und sich verbreiten können. In der Behindertenwerkstatt in Machtlfing bei Andechs zum Beispiel arbeiten viele Menschen vor Ort jeden Tag zusammen. Dort wird jeden Tag getestet; dazu haben wir ganz früh die Bundeswehr um Hilfe bei den Testungen gebeten. Das klappt wirklich gut. Überall dort, wo Menschen zusammenkommen, muss letztlich verstärkt und fachmännisch getestet werden, um weitere Ausbruchsgeschehen zu verhindern.

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