"Geschichtsvergessen?": Die Albers-Villa geht an die TU München

"Da hat man eine Riesen-Chance vergeben", sagt Florian Ritter (SPD). „Hier wird ein Vermächtnis verraten“, findet Gabriella Meros, die sich für einen Erinnerungsort einsetzte.
| Ruth Schormann
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Hier in Garatshausen hat Hans Albers einst mit seiner großen Liebe Hansi Burg gelebt.
Hier in Garatshausen hat Hans Albers einst mit seiner großen Liebe Hansi Burg gelebt. © imago images/Fotostand

Garatshausen/München – Seit Jahren kämpft der Münchner Verein "Respect & Remember Europe" dafür, aus dem ehemaligen Wohnhaus des Volksschauspielers Hans Albers ( † 1960) in Garatshausen einen allen Interessierten offenstehenden Lern- und Erinnerungsort zu machen.

Doch hat der Verein starke Konkurrenz bekommen (AZ berichtete): Die TU München hat Staatsbedarf an der Liegenschaft, die sich im Besitz des Freistaats befindet, angemeldet: Die Uni möchte dort Elitestudenten einquartieren.

Dazu teilte sie der AZ kürzlich mit: "Im Falle der Unterstützung durch den Freistaat schaffen wir dort einen generationsübergreifenden Tauschplatz der Kulturen. Wir fördern Toleranz, Verantwortung und Zivilcourage als Grundlage unserer Gesellschaft."

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Ausschuss im Landtag beschließt: TU bekommt die Albers-Villa

Am Donnerstag hat sich nun der Haushalts- und Finanzausschuss des Landtags mit der künftigen Nutzung befasst. Während sich Landtagsabgeordneter Harald Kühn (CSU) eine Nutzung durch die TU dort "sehr gut vorstellen" kann und davon ausgehe, dass auf die Besonderheit des Ortes und die Erinnerung eingegangen werde, gab SPD-Landtagsabgeordneter Florian Ritter zu bedenken, dass die Nutzungsmöglichkeiten in der etwa 190 Quadratmeter großen Immobilie je nach Raumkonzept entweder für die Vereine oder für die TU doch recht begrenzt sein werden. Er beantragte, alle vorhandenen Konzepte im Ausschuss anzuhören, nicht nur das der TU – und scheiterte.

CSU, Freie Wähler und AfD lehnten den Antrag ab. Mit der Mehrheit von CSU und Freien Wählern wurde dann auch beschlossen: Die Albers-Villa wird an die TU vergeben – allerdings mit der Maßgabe, ihr Konzept in puncto Gedenken und entsprechenden Kooperationen nachzubessern.

Kritik: Keine Erinnerung an Nazi-Vergangenheit

"Ich finde das sehr schade und sehr bedauerlich", sagte Florian Ritter am Donnerstag zur AZ: Es sei eine Riesen-Chance vergeben worden, hier auf die Einflussnahme der Nationalsozialisten auf Partnerschaft und Familie einzugehen. Keiner wolle der TU Steine in den Weg legen, doch ihr Konzept hätte sie "auch an jedem beliebigen anderen Ort" verwirklichen können.

Ausschussvorsitzender Josef Zellmeier (CSU) betonte, dass es sich bei einer Nutzung der TU nicht um eine "feindliche Übernahme" handle, sondern auch diese Nutzung unter den "Zweck, der Allgemeinheit zu dienen" fallen würde.

"Das Vermächtnis von Hansi Burg und Hans Albers verraten"

Gabriella Meros teilte für den Verein "Respect & Remember" der AZ am Donnerstag mit: "Es ist bedauerlich, dass die Abgeordneten den Weisungen der beiden Ministerien (Wissenschaft, Kultus) gefolgt sind und die einmalige Chance eines deutsch-jüdischen Erinnerungs- und öffentlichen Begegnungsortes in Bayern nicht ergriffen haben. Auf diesem Weg wird der ideelle Wert und die bauliche Substanz der Hans-Albers-Villa unwiederbringlich der Zerstörung preisgegeben und das Vermächtnis von Hansi Burg und Hans Albers verraten. Dies ist nicht nachvollziehbar. Dies steht im krassen Widerspruch zum Antisemitismusbeschluss des Bayerischen Landtags vor wenigen Wochen."

Weiter schreibt Meros: "In ihrem Konzept führt die TUM aus, sie werde sogenannten Elite-Forschern eine exklusive Unterkunft bieten. Auf die Geschichte des Ortes und das Leben von Hansi Burg und Hans Albers vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte wird im Konzept mit keinem Wort verwiesen. Das zeugt vom fundamentalen Desinteresse, einer Geschichtsvergessenheit und entlarvt den gesellschaftlichen Anspruch und vorgetragene Selbstverständnis der Antragsteller."

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