Dorfplätze bleiben leer: Mai-Bonsai dahoam und Maibaum digital

Das traditionsreiche Maibaumaufstellen fällt in diesem Jahr erneut aus - Corona macht die traditionsreichen Feiern in Bayern, aber auch andere Bundesländern unmöglich. Doch manche Brauchtumsvereine haben sich etwas einfallen lassen - etwa den Maibaum-Bonsai.
| Sabine Dobel/dpa
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René Weber vom Verein "Guichinger Brauchtum e.V." zeigt den Selbstbastler-Bausatz für den von seinem Verein angebotenen Mini-Maibaum.
René Weber vom Verein "Guichinger Brauchtum e.V." zeigt den Selbstbastler-Bausatz für den von seinem Verein angebotenen Mini-Maibaum. © Peter Kneffel/dpa

Nicht höher als der Kirchturm soll der Maibaum sein - das gebietet der Respekt. Dieses Jahr allerdings gibt es mancherorts erheblich kleinere Exemplare.

Mini-Maibaum dahoam: Klein und handlich

Denn die Corona-Krise macht bereits im zweiten Jahr in Folge die traditionellen Maifeiern mit dem Aufstellen neuer Bäume unmöglich - und so hat ein oberbayerischer Brauchtumsverein den Mini-Maibaum dahoam kreiert: Klein und Küchentisch-tauglich im Maßstab 1:100. Zwei Frauen in dem niederbayerischen Ort Train wiederum haben eine Vorgartenversion entwickelt. Und Deggendorf feiert den "Digitalen Maibaum".

Vielerorts aber bleiben die Dorfplätze dieses Jahr leer. "Man fährt durch Ortschaften - und sieht nur: Da stand mal ein Maibaum", berichtet der Bezirksheimatpfleger von Oberbayern, Norbert Göttler. Übrig seien derzeit oft nur Halterungen.

Der Maibaum aus Bad Wiessee steht zur Versteigerung.
Der Maibaum aus Bad Wiessee steht zur Versteigerung. © Christian Kausch/dpa

Am 1. Mai werden traditionell in Bayern, aber auch in anderen Ländern wie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen neue Bäume aufgestellt. Alle zwei bis fünf Jahre wird gemeinhin ein Maibaum erneuert. Die Farbe platzt mit der Zeit ab, der Versicherungsschutz wird schwierig. Zudem lockt das Dorffest, mit dem das Aufstellen begangen wird.

Maibaum-Aufstellen: In Zeiten von Corona unmöglich 

Auch wenn immer öfter und laut Göttler vor allem nördlich von München der Kran anrückt: Die Tradition verlangt Muskelkraft. Mit Stangen hieven an die 20 Helfer die Maibäume in die Höhe. Abstand halten unmöglich. "Man braucht zum Maibaum-Aufstellen eine Menge Leute. Das ist unter Corona-Bedingungen nicht möglich", sagt Göttler.

Maibaum-Bonsai aus Gilching wird zum Hit

Ein Verkaufsschlager ist deshalb schon seit Wochen der Maibaum-Bonsai aus Gilching im Landkreis Starnberg. 33 Zentimeter hoch, mit originalen Zunftzeichen und Ortswappen, hat der Verein "Guichinger Brauchtum" die Mini-Version des örtlichen Maibaums als Bastel-Paket für eine Maifeier "dahoam" aufgelegt. Der Maibaum-Bonsai hat fast genau den Maßstab 1:100 - der echte Gilchinger Maibaum misst 30 Meter.

"Bei einer Maifeier kommen locker einmal 1.000 Leute zusammen - da führt kein Weg hin", erläuterte der Vereinsvorsitzende René Weber seine Idee. Die Nachfrage nach dem Mai-Bäumchen war enorm.

Daraus wird dieses Jahr nichts: Mitglieder vom Gebirgstrachten-Erhaltungsverein "D'Leonhardstoana" stellen einen Maibaum mithilfe von "Schwalben" auf. Das sind mit Seil verknotete Stöcke. (Archivbild)
Daraus wird dieses Jahr nichts: Mitglieder vom Gebirgstrachten-Erhaltungsverein "D'Leonhardstoana" stellen einen Maibaum mithilfe von "Schwalben" auf. Das sind mit Seil verknotete Stöcke. (Archivbild) © Rachel Boßmeyer/dpa

Die ersten 100 Stück, hergestellt in Eigenarbeit aus Baumarkt-Material, waren binnen vier Tagen vergriffen. Der Verein fertigte nach. Der Bauanleitung lagen Links zu Online-Videos mit Volkstänzen bei - zum Üben zu Hause. "Mein Ziel ist auch, dass mehr Leute mittanzen, wenn wir wirklich im nächsten Jahr den neuen Maibaum aufstellen", sagte Weber.

Aus Pflöcken, die normalerweise junge Bäume nach dem Umpflanzen stützen, hat Andrea Bugl mit ihrer Schwester Karin in Train im niederbayerischen Landkreis Kelheim einen etwa 2,50 Meter hohen Maibaum zusammengestellt: für den Garten, oder - im Christbaumständer - fürs Wohnzimmer.

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Auch diese Kreation finde Anklang: "Wir sind jetzt bei guten 200. Jeden Tag kommen neue Bestellungen rein", sagt Bugl. Mitgeliefert werden je nach Wunsch Wappen, Farben, Bänder und Fahne. Der große Maibaum im Ort müsse voraussichtlich demnächst umgelegt werden, sagt Bugl.

 

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