Uhrmacherhäusl: Eigentümer will (noch) höher bauen

Erst hat er das Uhrmacherhäusl illegal abgerissen, jetzt will der Eigentümer einen Stockwerk höher bauen. Die ÖDP fordert OB Reiter zum Handeln auf.
| Emily Engels
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Das Uhrmacherhäusl war illegal abgerissen worden.
Petra Schramek Das Uhrmacherhäusl war illegal abgerissen worden.

München - Das Drama um das vor drei Jahren illegal abgerissene Uhrmacherhäusl geht weiter. Denn jetzt ist das eingetreten, was viele befürchtet hatten: Andreas S., der Eigentümer des abgerissenen Uhrmacherhäusls, hat einen Bauvorbescheid bei der Stadt eingereicht, der der AZ vorliegt.

Darin fragt er für den Wiederaufbau ein zweigeschössiges Gebäude plus Dach an. Also einen Bau, der zwei Stockwerke höher wäre als das Original, das ein Baggerfahrer 2017 nachts in zwei Läufen in Schutt und Asche gelegt hatte.

Uhrmacherhäusl-Eigentümer gibt sich unschuldig

Andreas S. will von dem Abriss nichts gewusst haben. Die Ermittlungen zum Abriss dauern an. Im Sommer 2019 hat das Verwaltungsgericht Andreas S. recht gegeben, als der gegen die Forderung der Stadt geklagt hatte, das Uhrmacherhäusl wieder aufbauen zu müssen. Die Begründung des Gerichtes: ein Formfehler der Stadt. Nach Ansicht des Verwaltungsgerichts hätte sich die Stadt mit der Forderung des Wiederaufbaus zuerst an den Bauunternehmer wenden müssen, der das Haus zerstört hatte.

Aktuell wird im Ausland recherchiert, wo dieser sich aufhält. Denn Deutschland hat er vor Monaten verlassen. Jetzt, mit dem Bauvorbescheid, geht der Streit weiter. Angelika Luible vom Bündnis Heimat Giesing ist empört über das Vorgehen von Andreas S.: "Was für jeden ein bisserl anrüchig wäre, ist für ihn kein Problem", sagt sie. Sie fordert alle Verantwortlichen dazu auf, "standhaft zu bleiben" und das Vorhaben zu verhindern.

ÖDP und Freie Wähler fordern OB zum Handeln auf

Auch die Fraktion ÖDP/Freie Wähler reagiert wütend. Mit einem Stadtratsantrag, in dem sie fordert, dass die Stadt "umgehend einen Bebauungsplan für das Grundstück an der Oberen Grasstraße 1 aufstellen soll, um so dem fragwürdigen Verhalten des Eigentümers Einhalt gebieten zu können". Stadtrat Hans-Peter Mehling schimpft: "Dieses Vorgehen ist an Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten, zumal die rechtliche Klärung und Würdigung des illegalen Abrisses des Anwesens noch längst nicht abgeschlossen ist."

Er warnt gleichzeitig: "Würde die unverbindliche Bauvoranfrage auf einen Neubau mit einem zusätzlichen Geschoss in der Oberen Grasstraße seitens der Stadtverwaltung positiv beschieden werden, so könnte das Grundstück noch vor Abschluss des Gerichtsverfahrens mit entsprechendem Gewinn an Dritte veräußert werden." In Zukunft wäre in ähnlich gelagerten Fällen kriminellen Bauspekulanten Tür und Tor für ihre illegalen Abbrucharbeiten geöffnet.

Keine Reaktion von Reiter

Mehling setze ganz auf die Unterstützung von OB Dieter Reiter (SPD). Der Stadtrat erinnert an Reiters Worte bei einer Mahnwache im vergangenen Jahr. Da hatte der Rathaus-Chef gesagt: "Ich werde alles in meiner Macht stehende dazu beitragen, dass dieser besonders drastische Fall von Missbrauch nicht zum Erfolg führt!"

Reiter äußerte sich am Mittwoch auf AZ-Anfrage nicht zu dem Antrag.

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