"Überzogen": Selbst die grüne Bürgermeisterin kritisiert den Teufelsrad-Vorgang 

Die vier Kunststoff-Figuren über dem Eingang des Teufelsrads wurden umgestaltet: weniger Haut, dafür Radlerhosen, Schuhe und Kleider. Veranlasst hat das die Stadt – und ausgerechnet die Stadtspitze im Rathaus kritisiert den Vorgang nun. Warum die grüne Bürgermeisterin Mona Fuchs den Vorgang "überzogen" nennt und was der Wiesn-Chef nun plant. 
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Diese vier Frauen-Figuren tragen nun mehr Kleidung. Die Anregung dafür kam von der Stadt.
Diese vier Frauen-Figuren tragen nun mehr Kleidung. Die Anregung dafür kam von der Stadt. © IMAGO/STL-Studioliebhart

Die Betreiberin des Teufelsrads, Elisabeth Polaczy, ließ vier Figuren aus glasfaserverstärktem Kunststoff über dem Eingang umgestalten. Sie tragen nun mehr Kleidung. Eine Frau, die vorher nur ein Bikini-Oberteil, eine Blumenkette und einen Rock anhatte, trägt zum Beispiel nun ein Kleid und Schuhe. Eine andere bekam unters Kleid noch eine Radlerhose. Die Anregung dafür kam, so heißt es, von der Gleichstellungsstelle der Stadt.

Die CSU kritisierte den Vorgang bereits am Freitag scharf. Ein "Prosit der Prüderie" betitelte sie ihre Mitteilung. "Wer 80 Jahre alte Figuren am Teufelsrad plötzlich zum Problem erklärt, weil nackte Füße zu sehen sind oder eine Figur keine Radlerhose trägt, hat jedes Maß verloren", sagte CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl.

Elisabeth Polaczy, Betreiberin des beliebten Teufelsrades, musste die Pappmaché-Figuren über dem Eingang zum Fahrgeschäft umgestalten lassen.
Elisabeth Polaczy, Betreiberin des beliebten Teufelsrades, musste die Pappmaché-Figuren über dem Eingang zum Fahrgeschäft umgestalten lassen. © Ben Sagmeister

Sogar die grüne Bürgermeisterin kritisiert die Umgestaltung

Überraschend: Auch die grüne Bürgermeisterin Mona Fuchs hält wenig von der Aktion – und kritisiert den Vorgang scharf. Sie teilt mit: "Dass Frauen nicht auf ihren Körper reduziert oder sexistisch dargestellt werden sollten, steht für mich außer Frage. Beim Teufelsrad sprechen wir allerdings über Figuren eines traditionsreichen Fahrgeschäfts. Dass diese nun weniger Haut zeigen sollen, halte ich für überzogen."

Mona Fuchs kritisiert das Vorgehen der Gleichstellungsbeauftragten. Dass die Figuren am Teufelsrad umgestaltet wurden, hält die Bürgermeisterin für "überzogen".
Mona Fuchs kritisiert das Vorgehen der Gleichstellungsbeauftragten. Dass die Figuren am Teufelsrad umgestaltet wurden, hält die Bürgermeisterin für "überzogen". © IMAGO/B. Lindenthaler

Und weiter: "Wir leben zum Glück in einer aufgeklärten, offenen und freien Gesellschaft, in der Frauen selbst entscheiden dürfen, ob und wie freizügig sie sich zeigen. Ein Verhüllungsgebot für weibliche Figuren oder Darstellungen stellt jedenfalls keine Gleichstellung her und dient ihr aus meiner Sicht auch nicht."

Tatsächlich kam es auf dem Teufelsrad immer wieder zu Fällen von Upskirting. Das heißt, Männer filmten oder fotografierten Frauen unter den Rock. Fuchs glaubt jedoch, dass die Debatte rund um die Figuren nicht hilft, diese Probleme zu lösen: "Wenn wir zu kleinteilig und prüde darüber diskutieren, wie viel Haut eine Pappmaschee-Figur auf dem Teufelsrad zeigen darf, schadet das aus meiner Sicht auch der berechtigten und wichtigen Debatte über Upskirting und es besteht die Gefahr, dass grundsätzlich notwendige Auseinandersetzungen mit tatsächlichem Sexismus und Rassismus an Überzeugungskraft verlieren. Man kann es eben auch übertreiben", teilte Fuchs mit.

Vorher, nachher: Erkennen Sie, was sich alles an den Teufelsrad-Figuren verändert hat?
Vorher, nachher: Erkennen Sie, was sich alles an den Teufelsrad-Figuren verändert hat? © Ben Sagmeister

Wiesn-Chef: "Trägt eher zur Polarisierung bei"

Auch Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) äußert sich in einem Instagram-Post kritisch. Er kündigt dort an, noch mal den Dialog mit der Gleichstellungsstelle zu suchen. "Wo Darstellungen Menschen tatsächlich herabwürdigen oder diskriminieren, müssen wir selbstverständlich darüber sprechen. Aber wir sollten dabei Augenmaß bewahren und den historischen Kontext berücksichtigen", findet der Wirtschaftsreferent.

Und er teilt außerdem mit: "Solche Debatten können schnell den Eindruck erwecken, Politik und Verwaltung beschäftigten sich mit Dingen, für die viele Menschen wenig Verständnis haben. Das trägt eher zu weiterer Polarisierung bei, als dass es gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert." Hinzu komme, dass die Betreiberin konsequent gegen tatsächliche Übergriffe vorgehe.

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  • Mamola99 vor 11 Minuten / Bewertung:

    Gibt es eigentlich nichts Wichtigeres?

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