Tunnel unter dem E-Garten: Das Planer-Paar

Vom grünen Hinterhof  zum Parktunnel: Mit anfangs verrückten Öko-Ideen wurden Hermann Grub und Petra Lejeune berühmt.
| Willi Bock
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Hermann Grub und Petra Lejeune: Die Erfinder des Park-Tunnels.
Hermann Grub und Petra Lejeune: Die Erfinder des Park-Tunnels.

Schwabing -  Von ihrer Galeriewohnung im vierten Stock eines Schwabinger Altbaus hat man einen wunderbaren Blick auf einen verträumten grünen Innenhof mit schattigen Plätzen unter Baumkronen. Eine Idylle. „Ist das nicht wunderbar?“, schwärmt Hermann Grub und seine schwäbelnde Stimme wird noch höher.

Dieses grüne Kleinod war seine erste Tat. Etwas, das sein berufliches Leben grundlegend verändert hat. Dabei war Grub nach dem Bau des Alpamare auf dem besten Weg, ein Star-Architekt zu werden. Doch das war nicht sein Ding. Ihn und seine Frau Petra Lejeune hat etwas anderes mehr fasziniert, das sie in über 30<TH>Jahren nie mehr losgelassen und am Ende berühmt gemacht hat: Grün in Städte und Hinterhöfe zu bringen.

Dass sie jetzt einen Tunnel unter dem Englischen Garten planen, um den Park wieder zu vereinen und die Autos zu verbannen, ist so gesehen nur konsequent.

Mit der damals ungewöhnlichen Begrünung seines Hinterhofs wurde Hermann Grub 1974 bekannt: Danach haben er und Lejeune 1978 mit einem Rollrasen die Adalbertstraße bedeckt, 1997 eine grüne Pyramide auf dem Odeonsplatz gebaut, in Berlin, Nürnberg oder Brüssel mit spektakulären Aktionen Straßen und Plätze begrünt. Sie haben den Mauerpark errichtet, den Mainuferpark in Frankfurt erweitert. Zuletzt haben sie Aufsehen erregt, als sie die Renaturierung des Neckerraums auf 40 Kilometern entwarfen. So haben sie ein Netzwerk von Mitstreitern und Finanziers aufgebaut.
Er hat die verrückten Ideen – und sie ist die kluge Umsetzerin. Mit seinem Charme wickelt er die Menschen ein, er kann sie begeistern und findet so immer wieder neue Mitstreiter. Da ist er geschickt – und unaufdringlich. Seine Begeisterung steckt einfach an.

Die Aufträge geben sie sich selbst. „Wir handeln ohne Auftrag“, erzählt Grub. Das findet er nach den Knechtjahren als Auftrags-Architekt „wahnsinnig schön“. Keiner, der ihm reinredet. „Es ist eine Traumsituation, dass wir unsere Ideen realisieren können. Wir können uns den Luxus erlauben, Dinge zu machen, die uns wirklich Spaß macht.“

Bei der Realisierung hilft dem gebürtigen Stuttgarter sein schwäbisches Gen: Wie ein Trüffelschwein findet er Finanzquellen. So hat er für das Neckar-Projekt 150 Millionen<TH>Euro in Berlin losgeeist. Das hätte keiner für möglich gehalten.

Für ihren Park-Tunnel sind Grub und Lejeune guten Mutes. Sie wissen, dass es dafür eine Sonderfinanzierung geben muss, und das die geplanten Tunnel in der Landshuter Allee und der Tegernseer Landstraße politisch Vorrang genießen. Doch die Allianz-Umweltstiftung hat die Machbarkeitsstudie schon mit 190<TH>000 Euro unterstützt und will auch beim Bau dabei sein. Finanzminister Georg Fahrenschon ist begeistert, in Berlin sucht der Münchner Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer nach Sondertöpfen. „Ich liebe München und die Münchner“, schwärmt der gebürtige Stuttgarter, „diese Stadt ist ein Traum.“

Was machen sie privat? „Planen“, sagt Grub lachend. Und wenn die beiden sich in ihrer Ferienwohnung über dem Gardasee „erholen“, ist immer ein Stapel Pläne dabei.
Ihr Fantasie-Genie haben sie an ihre drei Kinder vererbt. Sohn Moritz ist Creativdirektor in einer großen Werbeagentur und bekam 2010 in Cannes den goldenen und 2011 einen silbernen Löwen für seine Ideen. Die beiden Zwillingstöchter Marie und Feline – Anfang 20 – haben zweimal den Jugendfilmpreis in Wien und zweimal in München gewonnen.

Seit dem Bürgerentscheid „Drei Tunnel braucht der Mittlere Ring“ im Jahre 1996 wird wieder gegraben. Der erste war der Petueltunnel in Schwabing: 1473 Meter ist die 2006 fertig gestellte Röhre lang, und sie hat mit dem Petuelpark 205 Millionen Euro gekostet. Tunnel Nummer 2 wurde unter der Richard-Strauss-Straße gegraben und ist seit 2009 fertig: 1500 Meter lang, 325 Millionen Euro teuer. Nummer 3 wird gerade am Luise-Kiesselbach-Platz gebaut. Er ist der mit Abstand komplizierteste Tunnel. In der Garmischer Straße ist er 1500 Meter lang, dazu kommen zwei Röhren zu 620 und 400 Metern Länge in der Heckenstallerstraße. Kosten: 373 Millionen. Viel unkomplizierter als diese drei und daher billiger soll der Tunnel unterm Isarring werden: 59 Millionen.

 

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