Trotz Protest: Stadtrat gibt grünes Licht für Tram Münchner Norden

Anwohner haben gegen den Bau einer Tram zum Kieferngarten demonstriert. Doch ohne Erfolg: Der Stadtrat hat dafür gestimmt, die Tram Münchner Norden zu finanzieren  – obwohl eine fixe Förderzusage des Bundes und des Landes fehlt.
Christina Hertel |
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Mehr als 100 Freimanner protestieren am Sonntag unter den Alleebäumen an der Heidemannstraße gegen den Bau einer neuen Tram
Mehr als 100 Freimanner protestieren am Sonntag unter den Alleebäumen an der Heidemannstraße gegen den Bau einer neuen Tram © Siedlerschaft Kieferngarten

"Ihr macht meinen Schulweg zur Bratpfanne", "Kosten explodiert – Nutzen fraglich", "Erhaltet die Bäume am Radlweg" – mit solchen Plakaten haben rund 100 Anwohner am Sonntag gegen den Bau einer Tram-Linie durch die Heidemannstraße in Freimann demonstriert. Ohne Erfolg. An diesem Mittwoch hat der Stadtrat mehrheitlich beschlossen, die Linie weiterzubauen, und zwar, bevor eine Förderzusage von Bund oder Land vorliegt.

Die Tram bindet das Neubauviertel an der Bayernkaserne an

Konkret geht es um die Tram "Münchner Norden". Diese soll das Neubauviertel Neufreimann auf der ehemaligen Bayernkaserne anbinden. 15.000 Menschen werden hier einmal leben. Der Spatenstich erfolgte vor etwa einem Jahr.

Der erste Abschnitt der neuen Tram führt von der bestehenden Haltestelle Schwabing Nord ins Neubaugebiet Neufreimann. Dort teilt sich die Strecke: Richtung Osten zur Haltestelle der U6 am Kieferngarten und Richtung Westen zur Haltestelle der U2 Am Hart.

So sieht die neue Tram-Linie aus. Der Ast Richtung Westen zum Kieferngarten wird zuerst gebaut.
So sieht die neue Tram-Linie aus. Der Ast Richtung Westen zum Kieferngarten wird zuerst gebaut. © MVG

Die Stadt hat entschieden, zuerst die Strecke bis zum Kieferngarten zu bauen. Obwohl auf der Strecke Richtung Westen zur U2 doppelt so viele Fahrgäste erwartet werden. Der ÖDPler Tobias Ruff macht in der Sitzung deutlich, dass er diese Reihenfolge nicht nachvollziehen kann.

Auch weil es bisher keine fixe Förderzusage von Bund und Freistaat gibt, plädiert er dafür, die Tram erst einmal nur bis nach Neufreimann zu bauen. Allerdings hätte die Stadt dann in dem Neubaugebiet eine Wendeschleife einplanen müssen – und das ist laut Mobilitätsreferent Georg Dunkel (parteilos) nicht möglich gewesen.

Kosten soll der erste Abschnitt fast 410 Millionen Euro. "Ob die Förderung kommt, ist fraglich. Warten wir doch ab", sagt Ruff. Kritisch sieht der ÖDPler außerdem – so wie die protestierenden Anwohner –, dass für die Tram Hunderte Bäume auf der Heidemannstraße gefällt werden müssen.

Darum ist auch die SPD unzufrieden mit dem Projekt

Glücklich ist auch die SPD mit dem Projekt nicht. "Der Entscheidungsprozess war kein einfacher", sagt Fraktionschefin Anne Hübner. Sie erinnert daran: Eigentlich hatte der Stadtrat entschieden, neue Tram-Linien und andere ÖPNV-Projekte erst zu bauen, wenn der Förderbescheid vorliegt. Denn die Finanzsituation der Stadt ist angespannt. Auch mit der Trasse selbst ist die SPD nicht zufrieden. Doch gute Ideen für eine andere Trassenführung seien abgelehnt worden.

Die SPD stimmt schließlich trotzdem zu. "Damit die Menschen, die nach Neufreimann ziehen, vernünftig zur Arbeit, zur Schule, zu ihren Freizeitaktivitäten kommen", sagt Hübner. Voraussichtlich wird der erste Abschnitt von Schwabing Nord bis Kieferngarten bis Ende 2031 fertig.

Das Risiko, ohne schriftliche Förderzusage zu bauen, nennt Grünen-Stadtrat Florian Schönemann vertretbar: "Kaum ein Projekt erfüllt die Förderkriterien wie die Tram Münchner Norden. Ich bin zuversichtlich, dass wir das in Form einer schriftlichen Förderzusage auch bald schwarz auf weiß bekommen werden."

Für die Tram Münchner Norden muss eine neue Brücke über die Eisenbahngleise gebaut werden. So könnte die einmal aussehen, wenn sie fertig ist.
Für die Tram Münchner Norden muss eine neue Brücke über die Eisenbahngleise gebaut werden. So könnte die einmal aussehen, wenn sie fertig ist. © MVG

Auch eine Vertreterin der Stadtwerke, mit der die AZ nach der Vollversammlung sprechen kann, rechnet fest mit einer Förderung. Laut ihr ist der Antrag noch nicht einmal gestellt worden. Das sei nicht ungewöhnlich – weil so ein Förderantrag komplex sei. Ebenso wenig ungewöhnlich sei, vor einer Förderzusage zu bauen. "Das macht die ganze Republik so", sagt sie. Denn: Die Bearbeitung des Antrags kann bis zu 18 Monate dauern. Eine lange Verzögerung wäre also die Folge gewesen.

Dass die Stadt zuerst Richtung Osten, also zum Kieferngarten, baut, habe organisatorische Gründe. Dieser Abschnitt sei leichter zu realisieren. Denn diese Strecke ist kürzer als bis zur U-Bahn-Station Am Hart.

Mobilitätsreferent Dunkel lobt die Entscheidung des Stadtrats jedenfalls. Die Tram Münchner Norden werde den Bürgern vor Ort ein "echtes Plus an Mobilität" bringen.

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