"Was der Freistaat macht, ist verheerend": Grüne scheitern mit Vorstoß, der Leben retten könnte
Drogenabhängige Menschen sind im Wahlkampf wie im Rathaus vor allem dann Thema, wenn es darum geht, sie nicht mehr sehen zu wollen. Etwa im Nußbaumpark, wo es immer wieder Beschwerden gibt. Grünen-Stadtrat David Süß hat einen etwas anderen Blick aufs Thema. Er war zuletzt wieder zu Besuch in Drogenberatungsstellen im Bahnhofsviertel und in Neuperlach. Und die Geschichten, die er da höre, machten ihm "Gänsehaut", so sagt er es am Donnerstag im Gespräch mit der AZ.
Süß berichtet von dramatischen Situationen, davon, wie Mitarbeiter Suchtkranke retten müssen, die plötzlich aufhören zu atmen. Und davon, dass das nicht immer gelingt.
Was Süß so ärgert: dass solche Todesfälle wohl häufig verhindert werden könnten, wenn Konsumenten sicherer wüssten, welche Substanzen sie da eigentlich genau zu sich nehmen. Dass das durch Drogen-Checks in Beratungsstellen auch rechtlich möglich wäre und in anderen Bundesländern gemacht wird. Dass in München nun ein neuerlicher Vorstoß in der Sache gescheitert ist.

"Nicht möglich, die Inhaltsstoffe der Schwarzmarkt-Droge zu erkennen"
Süß hatte mit anderen Grünen-Stadträten einen Antrag gestellt, in München ein "Drug-Checking-Modellprojekt" zu ermöglichen. Die Antwort von Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek (SPD) liegt der AZ vor. Die zuständige Referentin argumentiert ganz ähnlich wie Süß.
"Neben unmittelbaren Gesundheitsrisiken, die mit Drogenkonsum verbunden sind, tragen insbesondere Verunreinigungen, Streckmittel in den konsumierten Substanzen, unbekannte Inhaltsstoffe sowie schwankende Wirkstoffgehalte erheblich zu drogenbedingten Gesundheitsschäden und Todesfällen bei", heißt es aus dem städtischen Referat. "Für Drogenkonsumierende ist es in der Regel nicht möglich, die in den auf dem Schwarzmarkt erworbenen Drogen enthaltenen Wirkstoffe sowie deren Dosierung zu erkennen."
Gerade in Anbetracht der "hohen Zahlen drogenbedingter Todesfälle sowie des vermehrten Auftretens hochpotenter Opioide und Nitazene" sei das Fehlen von sogenannten Drug-Checking-Angeboten "bedenklich" und stelle eine "erhebliche Unterversorgung für eine in weiten Teilen hoch vulnerable Personengruppe dar".
"Die Studienlage ist eindeutig, Konsumenten lassen sich mit Drug-Checking eher beraten"
Das Modellprojekt wird es trotzdem nicht geben. Gesundheitsreferentin Zurek verweist zwar auf die Möglichkeiten, die der Bund dafür geschaffen hat. Markus Söders Staatsregierung lasse aber leider "keine Bereitschaft erkennen", eine erforderliche Verordnung auf den Weg zu bringen.
Grünen-Stadtrat David Süß kann es nicht fassen. "Was der Freistaat macht, ist verheerend", sagte er am Donnerstag zur AZ. Die Studienlage sei doch eindeutig, Konsumenten würden sich eher beraten lassen, wenn sie mit Drug-Checking in Verbindung kommen, viele würden die Drogen auch gar nicht konsumieren, wenn sie wüssten, was alles beigemischt ist.
Die bayerische Linie nennt Süß da "einfach nur ideologiegetrieben und verblendet. Diese Politik hat schreckliche Folgen, weil Menschen sterben."
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