Interview

Tiktok-Star Dannero: Der "normale Junge aus München" - mit vier Millionen Fans

Vom Industriekaufmann zum Tiktok-Star: Dannero (29) dreht Videos mit seinem Hund Nero und geht damit auf der Plattform durch die Decke. Aber er hat auch schwere Zeiten hinter sich, ist gemobbt worden. Das verarbeitet er in seinem neuen Buch.
| Rosemarie Vielreicher
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Das Duo "Dannero" dreht seit zwei Jahren Videos für Tiktok.
Das Duo "Dannero" dreht seit zwei Jahren Videos für Tiktok. © privat

München - AZ-Interview mit Dannero: Der gelernte Industriekaufmann (29) und Dalmatiner Nero (5) drehen Videos für die Plattform Tiktok. Der Münchner hat zudem ein Studium der Zauberkunst und als Mentalist absolviert.

AZ: Dannero, über vier Millionen Menschen bei Tiktok kennen Sie und Ihren Dalmatiner Nero. Wie fühlt sich das an?
DANNERO: Nach wie vor sehr ungewohnt. Auch wenn ich das jetzt seit mittlerweile zwei Jahren mache, hat man sich noch nicht wirklich damit "angefreundet". Denn das kam alles so plötzlich, es war ein Raketenstart. Wenn ich mir vorstelle, alle meine Follower würden plötzlich vor meinem Balkon stehen - das ist anormal.

Wie schafft man es, im Netz mit unendlich großem Angebot an Videos und Content herauszustechen?
Ich denke, es gibt da kein Grundrezept. Wir hatten damals Glück, weil wir eine Lücke gefüllt haben. Zu diesem Zeitpunkt hat noch niemand solche Story-Videos mit seinem Hund gemacht.

Hand aufs Herz: Wer ist der größere Star von Ihnen beiden - Nero oder Sie?
Zu Beginn war das definitiv mein Hund. Das habe ich aber bewusst so gemacht und habe deswegen auch nie ganz mein Gesicht gezeigt, weil ich wollte, dass mein Hund und die Geschichte des jeweiligen Videos im Vordergrund stehen.

Darum zeigt Dannero nicht sein Gesicht

Ihr Gesicht zeigen Sie immer noch nicht vollständig, unterhalb der Augen tragen Sie ein Bandana-Tuch. Mittlerweile ist das sogar zu so etwas wie meinem Markenzeichen geworden. Wie bei Rapper Sido damals mit seiner berühmten Maske, allerdings kennen Sido wahrscheinlich viele Ihrer jungen Fans gar nicht mehr.
Das geht dann wahrscheinlich eher in Richtung Cro mit der Panda-Maske (lacht). Aber Spaß beiseite: Es geht natürlich auch darum, seine Privatsphäre damit zu schützen. Ich genieße es, dass ich dadurch trotzdem noch in gewisser Weise mein normales Leben habe und auf der Straße nicht zwingend erkannt werde.

Wie muss man sich Ihre Video-Drehs vorstellen? Stehen Sie morgens auf und denken sich: Heute könnte ich dies und das drehen.
Die Ideen kommen eigentlich von allein. Man hört zum Beispiel ein Lied und hat gleich ein Kopfkino, wie ein Video dazu aussehen könnte. Man plant gar nicht so sehr, sondern lässt die Idee einfach kommen. Die Kreativität, die ich in meinem eigentlichen Job als Zauberkünstler und Mentalist habe, kann ich so miteinbringen.

Und Ihr Hund hat auch immer Lust mitzumachen?
Er wird dazu nicht gezwungen, das ist mir sehr wichtig. Er ist einfach sehr begabt vor der Kamera. Ich mache die Aufnahmen mit ihm spielerisch, der Spaß soll auch für ihn an erster Stelle stehen.

Was ist Ihr persönliches Lieblingsvideo?
Das war ein sehr emotionales Video, bei dem ich sozusagen realisiert habe, dass ich tot bin. Kennen Sie den Film Hachiko?

Ja, natürlich. Der Hund aus Japan, der auf sein verstorbenes Herrchen wartet.
Davon war diese Szene inspiriert. Nero steht sozusagen vor meinem Grab, legt eine Blume hin und ich fühle mich wie ein Geist. Das Video hatte knapp 20 Millionen Aufrufe. Das ist für mich immer noch wie eine andere Welt. Vorher war ich der normale Junge aus München und jetzt kennen mich so viele Menschen weltweit.

Dannero: Mentalist, Zauberkünstler, Tiktoker

Sie haben sogar einen Manager. Das heißt: Man kann vom Tiktoker-Dasein leben?
Ja. Man verdient mit Kooperationen. Sprich: Unternehmen finden den Content gut und möchten die Art von Videos für ihr Produkt. Ich selbst bezeichne mich aber ungern als Tiktoker, eher als Videocreator, weil ich auch außerhalb von Tiktok Content produziere und später auch in dem Bereich arbeiten könnte.

Tiktok ist das eine. Sie sind aber auch noch Mentalist und Zauberkünstler - eine kuriose Mischung. Wie kam's?
Ein Mentalist ist eigentlich nichts anderes als ein psychologischer Zauberkünstler. Verkürzt gesagt: Er versucht, die Gedanken seines Gegenübers zu lesen. Ich habe ein privates Studium als Zauberkünstler an der Zauberakademie in München gemacht. Dann habe ich Interesse an Hypnose entwickelt und dadurch kam ich in die Richtung der Psychologie. Seither mache ich Shows und Workshops, zum Beispiel in Schulen oder in Firmen.

Zeigen Sie Ihren Tiktok-Fans auch Zauber- oder Mentalisten-Tricks?
Das wollte ich immer strikt trennen.

Vom Außenseiter zur Internet-Berühmtheit 

Aber hier könnten Sie ja einen verraten, oder?
Man kann an der Augenrichtung eines Menschen erkennen, an was er denkt. Wenn sie nach oben schauen, denken sie meist an etwas Visuelles. Seitlich an etwas Auditives und nach unten an etwas, was sie gefühlt haben. Wenn man also seinem Gegenüber die Aufgabe stellt, er solle entweder an sein Lieblingslied, seinen Lieblingsort oder zum Beispiel an das Gefühl von Füßen im Sand am Meer denken, kann man am Blick erkennen, wofür er sich entschieden hat.

Das Buch von Dannero ist seit 18. Mai erhältlich.
Das Buch von Dannero ist seit 18. Mai erhältlich. © Riva

Mentalist, Zauberkünstler, Tiktoker und ab sofort auch noch Buchautor. In Ihrem jetzt erschienenen Buch "Ich sehe, wer du bist" geht es unter anderem ums Stärken des Selbstbewusstseins - ein wichtiges Thema gerade in Sozialen Netzwerken. Sie schreiben, dass Sie früher gemobbt wurden. Wie haben Sie den Wandel vom Außenseiter zur Internet-Berühmtheit geschafft?
Ich bin damals an den Punkt gekommen, mich dagegen wehren zu wollen. Deswegen habe ich mit dem Rugby-Sport angefangen. Das hat mir mehr Selbstbewusstsein gegeben. Ich wusste, ich könnte mich gegen physische Gewalt wehren. Das haben auch die anderen gespürt.

Wie bessert man sein Selbstbewusstsein noch auf?
Ich war selbst extrem schüchtern, mein Hobby der Zauberkunst hat mich aus diesem "Gefängnis" herausgeholt. Das kann jegliches Hobby sein, das einen mit Menschen in Verbindung bringt.

Wie geht man damit um, wenn man ausgegrenzt wird?
Ich habe damals den Fehler gemacht, mit keinem darüber zu reden. Das hilft aber extrem. Zu meinen zwei älteren Schwestern hatte ich früher kein so enges Verhältnis. Das hat sich geändert, ich kann jetzt mit ihnen über alle Probleme sprechen. Die Ansprechperson muss aber nicht unbedingt innerhalb der Familie sein. Man kann sich auch Freunden anvertrauen oder Hilfe bei entsprechenden Hotlines suchen. Entscheidend ist es, dass man diesen Schritt geht.

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Zurück zu Ihrem Tiktok-Kanal. Ihre Großeltern machen auch bei einem Ihrer Videos mit. Finden die das gut?
Ich habe meine ganze Familie im Rücken, sie unterstützen mich.

Wenn Kinder und Jugendliche zu Eltern oder Großeltern sagen: Ich will auch Tiktoker werden. Empfehlenswert oder eher nicht?
Letztendlich kann alles passieren, das habe ich bei mir selbst gesehen. Was man wissen muss: Es ist ein 24/7-Job.

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Wie oft muss man denn Video-Inhalte liefern?
Normal täglich, aber das schaffe ich nicht. Meine Videos sind etwas aufwendiger. Ich nehme es auf und sitze dann meistens noch zwei Tage an der Bearbeitung. Daher kommen meist zwei Videos pro Woche.

Was sind Ihre Pläne in fünf Jahren? Wird es Tiktok dann noch geben?
Man muss realistisch sein: So schnell etwas gekommen ist, so schnell kann es auch wieder gehen. Daher versuche ich jetzt, alles so gut es geht zu genießen und Geld für schlechte Zeiten zurückzulegen. Und was mir sehr wichtig ist: Ich habe meinen richtigen Job nie aufgegeben.

Seit 18. Mai erhältlich: Dannero: "Ich sehe, wer du bist. Stärke dein Mindset, lese die Gedanken deines Gegenübers und erreiche das, was du willst" (Riva Verlag; 19, 99 Euro)

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