Tierpark-Chef Baban: Vom Freistaat bekommen wir keine Hilfe

Nur 4.400 Besucher dürfen ab nächster Woche in den Tierpark Hellabrunn – finanziell droht es eng zu werden. Direktor Rasem Baban: "Ich verstehe nicht, warum man uns wie einen Supermarkt behandelt."
| Lukas Schauer Felix Müller
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Der Einlass erfolgt bis auf Weiteres nur noch kontaktlos.
Tierpark Hellabrunn/Marc Müller Der Einlass erfolgt bis auf Weiteres nur noch kontaktlos.

München - Es muss ein seltsames Bild gewesen sein am vergangenen Samstag: Am Flaucher und den angrenzenden Kiesstränden der Isar - auf wenigen hundert Metern - saßen Tausende Münchner, teils dicht gedrängt und genossen die Sonne. Im Tierpark Hellabrunn hingegen, nur ein paar Meter weiter, hielten sich auf 40 Hektar Fläche gerade mal 2.185 Menschen auf – über den ganzen Tag verteilt.

Durch die Corona-Auflagen darf der Tierpark bekanntermaßen seit Wochen nur eine bestimmte Anzahl an Besuchern in den Zoo lassen. Und das wird mittlerweile zu einem echten finanziellen Problem. Tierparkdirektor Rasem Baban zur AZ: "Wir brauchen dringend Einnahmen, haben tägliche Kosten in Höhe von 50.000 Euro."

Tierpark Hellabrunn: Zu wenige Besucher

Doch auch mit der neuen Corona-Verordnung, die ab dem 22. Juni gilt, wird es für den Tierpark nicht viel besser werden. Ab dann darf sich eine Person auf einer Fläche von zehn Quadratmetern aufhalten, zuvor waren es 20. Somit dürfen durch Hellabrunn mit seinen knapp 44.000 Quadratmetern Bewegungsfläche täglich 4.400 Besucher gehen.

Für Baban immer noch zu wenig. "Wir brauchen 8.600 Besucher, um einigermaßen sorgenfrei zu sein", rechnet der Tierpark-Direktor der AZ vor. Aktuell mache man gut 35.000 Euro Verlust am Tag. "Deswegen haben wir auf den Freistaat hingewirkt, fünf Quadratmeter pro Besucher zu erlauben. Die meisten unserer Besucher sind doch eh Familien, die sich ja näher kommen dürfen."

Durchgedrungen ist der 54-Jährige mit seinen Klagen nicht. Für den Tierpark-Chef zudem völlig unverständlich: "Wir werden gleichgesetzt mit Supermärkten oder Kaufhäusern. Dabei sind unsere Besucher nur an der frischen Luft, wo das Infektionsrisiko weniger hoch ist als in geschlossenen Räumen. Wir bekommen keine Hilfe", klagt Baban.

Der Einlass erfolgt bis auf Weiteres nur noch kontaktlos.
Der Einlass erfolgt bis auf Weiteres nur noch kontaktlos. © Tierpark Hellabrunn/Marc Müller

Stadt verspricht Unterstützung

Die Stadtspitze steht Baban zur Seite, man habe einen guten Austausch. Doch selbst entscheiden kann das Rathaus freilich nichts – und appelliert deswegen ebenfalls an den Freistaat. Bürgermeisterin Katrin Habenschaden zur AZ: "Ich bin froh, dass künftig wieder mehr Münchner in den Tierpark gehen dürfen. Es war überfällig, dass die Staatsregierung die unverhältnismäßig strenge 20-Quadratmeter-Regel entschärft hat. Ich hoffe, dass es bald zu weiteren Lockerungen kommt, so dass der Tierpark Hellabrunn auch wirtschaftlich wieder auf die Beine kommt."

Ihre SPD-Kollegin Verena Dietl ergänzt: "Die genauen Einbußen sind noch nicht bemessen. Die Stadt München wird den Tierpark aber auf keinen Fall alleine lassen, wir werden das Defizit auffangen. Wir hätten gerne eine 5-Quadratmeter-Regel, damit mehr Geld eingenommen wird. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum draußen die selben Abstände wie innen gelten sollen."

4.400 Tickets pro Tag - zu wenig für Hellabrunn

Das Hygienekonzept ließe sich in jedem Fall auch bei fünf Quadratmetern gut umsetzen, versichert Baban. "Und immerhin wirbt die Staatsregierung doch auch mit Urlaub daheim, da müssen wir den Menschen doch auch etwas bieten", so der Tierpark-Chef. Die 4.400 Tages-Tickets sind da natürlich viel zu wenig, zumal auch Besucher gezählt werden, die an der Kasse keinen Eintritt bezahlen. Etwa kleine Kinder oder Jahreskartenbesitzer.

Sollten die Auflagen so bleiben, können außerdem bereits geplante und genehmigte Vorhaben nicht bezahlt werden. 3,4 Millionen Euro hat der Tierpark etwa für ein neues Löwengehege eingeplant, die alte Anlage ist nur geduldet. Die Baugenehmigung ist auch schon erteilt. Geplant wurde aber vor Corona-Zeiten.

Lesen Sie hier: Münchner Freibäder - Wer darf noch kostenlos rein?

Lesen Sie auch: Tierpark Hellabrunn - SPD fordert mehr mögliche Besucher

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