Riesige, weiße Trucks in München: Das machen sie in der Stadt

Nicht jede Stadt hat so viel Glück wie München. Das sagten alle Redner am Mittwochnachmittag, von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) über die Zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) bis zum bayerischen Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU). Versammelt hatten sie sich, weil die Stadtwerke München im Olympiapark ein Projekt vorstellten, das bereits seit Ende August läuft.
Gemeint war mit dem Glück, dass ja fast ganz München in einer Schotterebene liege und daher die Lage besonders günstig sei, um die Region geothermisch zu erschließen. Klingbeil betonte bei diesem Langzeitprojekt die "Unabhängigkeit von internationalen Energiekrisen", wenn langfristig alle geplanten Geothermieanlagen in der Münchner Region stehen.

Die "Vibrotrucks" sind riesig und sehr laut
Doch dafür muss der Boden erkundet werden, um die Anlagen der Zukunft bestmöglich zu positionieren. Für dieses Erkundungsprojekt sind seit Ende August mehrere, 27 bis 30 Tonnen schwere, weiße Spezialfahrzeuge in und um München unterwegs. Sie fahren mit gelbem Warnlicht. Übersehen oder überhören kann man sie kaum, bei einer Höhe von mehr als drei Metern und einer Lautstärke, die an einen Düsenjet erinnert, wenn sie ihre Bodenplatte ausfahren.
Die Fahrzeuge tragen dazu bei, den Boden zu vermessen oder sich "ein Bild von den Bodenschichten zu machen", wie es Projektleiter Kai Zosseder von der TU München sagte. Die Spezialfahrzeuge fahren an ausgewählten Stellen ihre etwa drei Mal drei Meter großen Platten herab. Dann bringen sie den Boden zum Schwingen. Überirdische Sensoren registrieren die Reflexion der Schwingungen und sammeln Daten über die Bodenschichten.

Das demonstrierten sie eindrücklich am Mittwochnachmittag. Die Schwingungen auf dem Asphalt waren deutlich zu spüren. Und auch zu hören, weil bei diesen "Rüttelarbeiten" die weißen Spezialtrucks besonders laut brummen und rattern.
40 Prozent des bayerischen Energiebedarfs schlummern im Münchner Boden
Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne) sprach davon, bis zu zehn Geothermieanlagen in der Region München bauen zu wollen. Dafür seien grob geschätzt "bis zu 9,5 Milliarden Euro", nötig, sagte sie bei einer kurzen Rede und blickte dabei in Richtung Lars Klingbeil.
Denn dessen Finanzministerium fördert schließlich über das Sondervermögen des Bundes derartige Projekte für nachhaltige Energie. Man habe in München am Michaelibad ohnehin schon "die größte Geothermieanlage Kontinentaleuropas", die ohne Fördermittel nicht gebaut hätte werden können, sagte Fuchs. Auch sie schwärmte wie Klingbeil von dem großen Vorteil, den Geothermie mit sich bringe: unabhängig von fossiler Energie, kosteneffizient und stabil in einer brüchigen Weltlage.
Auch Wissenschaftsminister Blume ergriff kurz das Wort und schwärmte von dem Potenzial, das eine geothermisch erschlossene Region München mit sich bringen würde. "40 Prozent des Energiebedarfs von ganz Bayern könnten darüber gedeckt werden", sagte er.

Der Münchner Boden vibriert noch bis Ende November
Karin Thelen, Geschäftsführerin der Münchner Stadtwerke, rechnete vor, dass es bis zur vollständigen Erschließung noch ein weiter Weg sein dürfte. "600 Kilometer Fernwärmenetz" müsse man noch unterirdisch bauen, sagte sie. Ein Langzeitprojekt, das 5,8 Terawattstunden Energiepotenzial mit sich bringe.
Weil diese Zahl den meisten Anwesenden natürlich nichts sagte, rechnete Projektleiter Zosseder vor: "Mit einem Gigawatt können mehrere Tausend Haushalte versorgt werden." Ein Gigawatt wiederum ist ein Tausendstel eines Terawatts. Zosseder schwärmte weiter: "Energie durch Tiefengeothermie ist die größtmögliche Emissionsvermeidung", sagte er. Klingbeil fasste es so zusammen: "Wie dumm wäre es, wenn wir nicht solche Quellen nutzen", sagte er im Hinblick auf die aktuellen Energiekrisen.
Noch bis Ende November laufen die "Rüttelarbeiten", oder wie es die Stadtwerke formulieren: "die seismische Messkampagne". Mehrere Messteams mit den weißen Trucks arbeiten dabei parallel und bewegen sich von Messpunkt zu Messpunkt.
An jedem Punkt dauern die Arbeiten nur wenige Minuten, sagen die Stadtwerke. Für Anwohner sollte es sich für kurze Zeit anhören wie ein vorbeifahrender Zug oder ein Schwertransport.