Supermarkt-Chef: Arbeitsbelastung ist um 100 Prozent gestiegen

Die Münchner stürmen Supermärkte und Drogerien. Doch wie geht es denen, die dort aktuell arbeiten? Ein Streifzug.
| Laura Meschede
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Besonders heiß begehrt in diesen Zeiten: Klopapier.
Rene Traut/dpa Besonders heiß begehrt in diesen Zeiten: Klopapier.

München - In der Mitte der Edeka-Filiale haben Mitarbeiter einen Berg Nudeln aufgebaut. Ein Kunde zückt sein Smartphone und schießt Fotos. Neben ihm hetzen zwei Angestellte mit einem vollbepackten Wagen vorbei. Viel zu tun? "Oh ja!", ruft einer der beiden und beginnt, hektisch ein Regal zu befüllen. "Viel zu viel."

Es ist Corona-Krise. Das spürt man aktuell vor allem im Supermarkt. Angeregt von Social-Media-Berichten über leergeräumte Regale strömen die Münchner in die Läden, um sich ihre persönlichen Jahresvorräte an Klopapier, Nudeln und Konserven zu sichern. Und das, obwohl Politik und Handel versichern, es sei mit keinerlei Engpässen im Bereich der Nahrungsmittel- oder Klopapier-Versorgung zu rechnen. Die Mitarbeiter kommen mit dem Befüllen der Regale kaum hinterher.

"Der Einzelhandel hat sich schon vor Corona durch eine sehr dünne Personaldecke ausgezeichnet", sagt Eva Völpel, Pressesprecherin von Verdi. "Jetzt hat die Belastung noch weiter zugenommen."

Coronavirus in München: Die heruntergefahrene Stadt

Die 26-jährige Anna weiß genau, wovon Völpel spricht, sie arbeitet in einem Drogeriemarkt in der Innenstadt. "Es ist unglaublich", sagt sie. "Um sieben Uhr morgens machen wir die Türen auf und der Laden ist sofort voll." Der Drogeriemarkt, in dem Anna arbeitet, befüllt seine Regale nur einmal am Tag – nämlich morgens. Viele Kunden wissen das. Und nutzen die Minuten direkt nach der Öffnungszeit, um ihre Einkaufwagen vollzuladen. "Ich finde das unsolidarisch", sagt Anna. "Die Leute stürmen in den Laden, während wir gerade erst am Aufbauen sind, labern uns von der Seite voll und reißen uns die Sachen fast aus der Hand."

Besonders heiß begehrt in diesen Zeiten: Klopapier.
Besonders heiß begehrt in diesen Zeiten: Klopapier. © Rene Traut/dpa

Drogerie-Mitarbeiter sollen nicht mit der Presse sprechen

Anna heißt eigentlich anders. Den Angestellten des Marktes, so erzählt sie, sei es nach interner Anweisung verboten, mit der Presse zu sprechen. "Es gibt so gut wie keine Schutzmaßnahmen für uns", sagt Anna. "Warum macht man den Laden denn nicht erst auf, wenn wir fertig mit dem Einräumen sind? So wie es jetzt ist, müssen wir genau zu dem Zeitpunkt zum Einräumen in den Gängen stehen, zu dem auch der Massenandrang an die Regale beginnt." Wie leer die Regale am Ende des Tages sind, hängt davon ab, ob die Konzerne ein Lager haben oder nicht.

Während die Regale in Annas Laden morgens aufgefüllt werden und abends leer sind, sind die Beschäftigten im Edeka den ganzen Tag mit Nachfüllen beschäftigt. "Die Arbeitsbelastung ist um etwa 100 Prozent gestiegen", sagt Hajrudin Jusic (38), dem in München zwei Edeka-Filialen gehören. Während er spricht, befüllt er mit beiden Händen die Nudelregale. "Aber weil es eine Ausnahmesituation ist, können unsere 450-Euro-Jobber jetzt zumindest mehr Stunden arbeiten, als ihnen vorher möglich war." Von der Ankündigung der Regierung, die Ladenöffnungszeiten zu erweitern, hält er nichts. "Wer soll das machen? Es sind sowieso schon alle überlastet."

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