Studie zeigt klaren Trend in München: Das Auto verliert – aber nicht überall
Die bundesweite Studie "Mobilität in Deutschland 2023" (MiD), an der sich auch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) und der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) mit einer umfangreichen regionalen Stichprobe beteiligt haben, zeigt, auf München und das MVV-Gebiet heruntergebrochen, einige überraschende Ergebnisse und Veränderungen. An der Studie haben im MVV-Gebiet zwischen Mai 2023 und Juni 2024 14.913 Haushalte mit insgesamt 29.108 Personen teilgenommen.
So wirkt es erstaunlich, dass die Anzahl von Pkw in München und im Umland zwar angestiegen ist, der Anteil des motorisierten Individualverkehrs (MIV, also Fahrten mit privaten Fahrzeugen) an den Wegen im MVV-Gebiet (als Weg wird in der Studie eine einfache Strecke bezeichnet, unabhängig von deren Entfernung) 2023 im Vergleich zum Jahr 2017 von 46 auf 41 Prozent deutlich gesunken ist. Es gibt also mehr Autos, deren Nutzung wird aber geringer.
Anzahl der Fußgänger und ÖPNV-Nutzer deutlich gestiegen
Hingegen bewegen sich die Menschen in München und dem MVV-Gebiet immer häufiger mit dem ÖPNV, zu Fuß oder dem Rad fort. 2017 war dies noch bei 54 Prozent der Verkehrsteilnehmer der Fall, im Jahr 2023 ist dieser Wert auf 60 Prozent gestiegen. Besonders die Anzahl der Fußgänger hat sich erhöht, seit 2017 um ganze fünf Prozent, der ÖPNV ist um ein Prozent gestiegen, während die Anzahl der Radfahrer stabil blieb.
Zwar wurde der ÖPNV während der Corona-Pandemie geringer genutzt, doch die Einführung des Deutschlandtickets am 1. Mai 2023 hat dazu geführt, dass der ÖPNV bereits ein Jahr später stärker genutzt wurde, wie noch vor der Pandemie. Dies dürfte auch daran gelegen haben, dass in München 40 Prozent der Einwohner ein Deutschlandticket nutzten und damit doppelt so hoch wie im Umland und weit über dem Bundesdurchschnitt von 16 Prozent.

"Die Studienergebnisse sind eine wichtige Grundlage für unsere Strategie und Planung. Seit der letzten Untersuchung von 2017 haben wesentliche Faktoren zu Veränderungen des Mobilitätsverhaltens in München und im Umland geführt: die Einschränkungen während der Corona-Pandemie, veränderte Arbeitsbedingungen und die Einführung des Deutschlandtickets. Besonders erfreulich dabei ist die leichte Zunahme bei den öffentlichen Verkehrsmitteln im Vergleich zur Erhebung von 2017. Damit ist die geringere Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) während der Pandemie wieder ausgeglichen", so MVG-Chef Ingo Wortmann.
Sieht man sich nur die Zahlen deren an, die in München gemeldet sind, dann werden die meisten Wege in München zu Fuß zurückgelegt, hier gab es einen Anstieg von 24 auf 29 Prozent, vergleicht man die beiden Studienjahre 2017 und 2023. Während der Anteil der Radfahrer bei 18 Prozent stagnierte, ging die ÖPNV-Nutzung um einen Punkt von 24 auf 25 Prozent nach oben. Der MIV ging deutlich von insgesamt 34 Prozent (Selbstfahrer 24 und Mitfahrer 10) auf 29 Prozent (21 und 8) zurück.
Vergleich 2017 und 2023: So wurden in München die Wege zurückgelegt
| Verkehrsmittel | 2017 in Prozent | 2023 in Prozent | Veränderung in Prozent |
| zu Fuß | 24 | 29 | + 5 |
| Fahrrad | 18 | 18 | keine Veränderung |
| ÖPNV | 24 | 25 | + 1 |
| MiV-Fahrt | 24 | 21 | - 3 |
| MiV-Mitfahrt | 10 | 8 | - 2 |
Abweichungen von 100 Prozent sind rundungsbedingt möglich.
Wirft man nun einen Blick auf die Zahlen im MVV-Umland, ergibt sich ein deutlich anderes Bild. Hier greifen die Verkehrsteilnehmer hauptsächlich noch auf den Pkw zurück, auch wenn es im Vergleich zu 2017 einen deutlichen Rückgang von insgesamt 58 Prozent (44 / 14) um satte sieben Prozent auf 51 Prozent (38 / 13) gab. Jeder zweite Verkehrsteilnehmer im MVV-Umland ist also noch als Fahrer oder Mitfahrer im Pkw unterwegs.
Einen deutlichen Zuwachs gab es auch hier bei den Fußgängern. Waren 2017 noch 18 Prozent zu Fuß unterwegs, legten 2023 bereits 24 Prozent ihren Weg per pedes zurück, ein satter Anstieg um sechs Prozent. Relativ wenig Veränderung gab es bei den Radfahrern und den ÖPNV-Nutzern. Während die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel von elf auf zwölf Prozent anstieg, ging die Anzahl der Radfahrer sogar um einen Prozentpunkt von 13 auf zwölf zurück.
Vergleich 2017 und 2023: So wurden im MVV-Gebiet die Wege zurückgelegt
| Verkehrsmittel | 2017 in Prozent | 2023 in Prozent | Veränderung in Prozent |
| zu Fuß | 18 | 24 | + 6 |
| Fahrrad | 13 | 12 | - 1 |
| ÖPNV | 11 | 12 | + 1 |
| MiV-Fahrt | 44 | 38 | - 6 |
| MiV-Mitfahrt | 14 | 13 | - 1 |
Abweichungen von 100 Prozent sind rundungsbedingt möglich.
"Die Ergebnisse zeigen, dass Busse und Bahnen im MVV-Raum ein wesentlicher Baustein der Mobilität sind und die Nutzung im gesamten MVV-Raum weiter gestiegen ist. Ich gehe davon aus, dass wir bei der nächsten Befragung durch die Verbunderweiterung noch stärkere Effekte pro ÖPNV sehen. Die Investitionen zahlen sich daher aus", so MVV-Geschäftsführer Dr. Bernd Rosenbusch.
Einwohner im MVV-Gebiet weniger und kürzer unterwegs
Was die Mobilitätsstudie auch aufzeigt, die Einwohner im Gebiet des MVV waren 2023 weniger unterwegs und auch kürzer. Wurden im Jahr 2017 noch durchschnittlich 9,4 Millionen Wege pro Tag zurückgelegt, waren es sechs Jahre später nur noch 8,9 Millionen. Im Schnitt ging die Anzahl der Wege pro Einwohner von 3,2 auf 2,9 Wege pro Tag zurück.
Aber nicht nur die Anzahl der Wege, auch deren Länge reduzierte sich. Betrug die durchschnittliche Wegstrecke pro Person im Jahr 2017 noch 42 Kilometer, waren es 2023 nur noch 35.
Auch die Anzahl der Verkehrsteilnehmer ist zurückgegangen. Lag der Anteil der Menschen, die an einem durchschnittlichen Tag unterwegs waren noch bei 88 Prozent im Jahr 2017, ist dieser Wert im Jahr 2023 auf 84 Prozent gesunken. Diese Entwicklung ist aber nicht nur im MVV-Gebiet, sondern bundesweit zu erkennen. Grund für diesen Rückgang sind Faktoren wie Homeoffice und veränderte Mobilitätsgewohnheiten, die insbesondere auf die Corona-Pandemie zurückzuführen sind.
Anteil der Wege in der Freizeit nimmt deutlich zu
Während der klassische Arbeitsweg durch Homeoffice und flexiblere Arbeitsmodelle an Bedeutung verliert, nimmt der Anteil der Wege in der Freizeit immer mehr zu. Dieser ist im Vergleich zu 2017 von 29 Prozent auf 32 Prozent im Jahr 2023 gestiegen. Aber nicht nur der Anteil, sondern auch die zurückgelegte Strecke der Freizeitwege ist gestiegen. 2024 belief sich der Anteil der Freizeitwege auf 44 Prozent der gesamten Verkehrsleistung, ein Anstieg um fünf Prozent im Vergleich zu 2017.
Grund für das veränderte Mobilitätsverhalten sind laut Studie die Einführung des Deutschlandtickets und Carsharing-Angebote. 30 Prozent der Einwohner im MVV-Gebiet nutzten im Jahr 2023 ein Deutschlandticket, besonders hoch war dabei der Anteil der Studierenden mit 65 Prozent.
Carsharing-Angebote gewinnen in München und dem umliegenden MVV-Gebiet auch immer mehr an Bedeutung. 30 Prozent der volljährigen Einwohner in München sind bei mindestens einem Carsharing-Angebot angemeldet, im Umland sind es elf Prozent. Allerdings werden diese Angebote aktuell nicht regelmäßig, sondern nur gelegentlich genutzt. Interessant: 63 Prozent der Haushalte, die Carsharing-Angebote nutzen, besitzen einen eigenen Pkw.
Zufriedenheit mit ÖPNV in München höher als im MVV-Gebiet
52 Prozent der Befragten bewerten das ÖPNV-Angebot im MVV-Gebiet mit sehr gut oder gut. Nur zehn Prozent vergaben die Note mangelhaft oder ungenügend. Damit liegt die ÖPNV-Zufriedenheit im MVV-Gebiet über dem Bundesdurchschnitt. Allerdings wurde der ÖPNV im Jahr 2017 noch besser beurteilt, als im Jahr 2023.
Münchner sind mit dem ÖPNV deutlich zufriedener als die Menschen im gesamten MVV-Gebiet. Bewerten in der Landeshauptstadt 64 Prozent den ÖPNV mit sehr gut oder gut, sind es im Münchner Umland nur 39 Prozent.


