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Stromausfall in München: Extremistischer Hintergrund? Ermittlungen dauern an

Linksradikale haben die Verantwortung für den Brandanschlag im Mai auf die Stromkabel am Ostbahnhof übernommen. Das Ziel war ein bestimmtes Unternehmen - und die Aktion als Reaktion auf die Rodung von Forst Kasten gedacht. Weitere Angriffe sollen folgen. Die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) hat die Ermittlungen übernommen - noch immer ist vieles unklar.
| Lukas Schauer
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Starkstromkabel brennen in einer Baugrube in München. Durch das Feuer gab es einen weiträumigen Stromausfall.
Starkstromkabel brennen in einer Baugrube in München. Durch das Feuer gab es einen weiträumigen Stromausfall. © ---/Feuerwehr München/dpa

München - Nach dem großen Stromausfall in München im Mai steckt die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) noch in den Ermittlungen zu den Hintergründen des ursächlichen Brandes. "Ein extremistischer Hintergrund ist weiterhin nicht ausschließbar", sagte ein Sprecher im August der Deutschen Presse-Agentur in München. 

Auf einer einschlägigen Seite im Internet ist ein Bekennerschreiben aufgetaucht, in dem linksradikale Aktivisten die Verantwortung für den Brandanschlag auf die Stromkabel und dem damit verbundenen Stromausfall in München am Freitag vor den Pfingstferien übernehmen.

"Wir haben am 21.5.21 das Strom- und Glasfasernetz der Stadtwerke im Münchner Osten angegriffen. Das primäre Ziel dieser Aktion war der Rüstungskonzern Rhode (sic!) & Schwarz am Münchner Ostbahnhof, dem wir erfreulicherweise für mindestens 24 Stunden den Saft abdrehen konnten", schreiben die Unbekannten auf der Seite "Indymedia".

Stromausfall in München: Linksradikale übernehmen Verantwortung für Brandanschlag

Rohde&Schwarz ist ein Elektronikkonzern mit Sitz im Werksviertel. Das Unternehmen bietet unter anderem auch Kommunikationstechnik für Streitkräfte und Behörden an und stattet Wirtschaft und die öffentliche Hand mit sicheren Internet-Netzwerkinfrastrukturen aus sowie mit Produkten zum Schutz von Datenübertragung, Endgeräten und Applikationen. Auch die Bundeswehr kaufte bereits bei Rohde&Schwarz.

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In dem Bekennerschreiben setzen die Täter die Aktion aber auch politisch in Bezug zur unlängst beschlossenen Rodung des Forst Kasten. "Es ist unsere Antwort auf den jämmerlichen Stadtratsbeschluss, den Forst Kasten abzuholzen um dort Kies zu fördern." Die politischen Verantwortlichen hätten "den Gongschlag nicht hören wollen."

Forst-Kasten-Aktivisten distanzieren sich

Ingo Blechschmit (32), ein Sprecher der Baum-Aktivisten aus dem Forst Kasten, distanzierte sich gegenüber der AZ von dem Brandanschlag: "Die Symbolsprache von uns Schülerinnen, Studentinnen und Berufstätigen, die den Kasti besetzen, sind Baumhäuser. Wir möchten den Forst Kasten als den friedfertigen Ort bewahren, der er momentan ist und stellen uns dazu seiner Rodung in den Weg. Dass der Stromausfall Verbindungen zum Kasti haben sollte, ist mir neu. Unsere Aktion beschränken sich auf den friedlichen zivilen Ungehorsam."

Weitere Angriffe angekündigt

Die Schreiber kündigen zudem weitere Angriffe an: "Die Stadtwerke München betreiben weiterhin ein Kohlekraftwerk in Bogenhausen und den Atommeiler Isar 2. Deshalb werden wir auch in Zukunft ihre Infrastruktur angreifen."

Ende Mai waren nach einem Brand mehrerer Stromkabel gut 20.000 Haushalte im Münchner Osten für mehreren Stunden ohne Strom. Die letzten Haushalte konnten erst am nächsten Tag wieder zugeschaltet werden.

Auch das Landesamt für Verfassungsschutz ermittelt

Die Ermittler prüfen seither Verbindungen ins linksextremistische Milieu. Schon in der jüngeren Vergangenheit gab es in München wiederholt Brandanschläge auf die Infrastruktur. Seit November 2019 hatten Unbekannte in der Landeshauptstadt mehrfach Funkmasten und andere Einrichtungen angezündet; bei der Serie entstand ein Schaden von rund 3,6 Millionen Euro. Die Ermittler ordnen die Taten linksextremen Straftätern zu, konnten aber bislang keine konkreten Personen ermitteln.

Nach Angaben von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist auch das Landesamt für Verfassungsschutz in die Ermittlungen eingebunden. "Wir nehmen das sehr ernst. Die Auswirkungen des Stromausfalls hatten von der Dauer und Größenordnung her eine beunruhigende Dimension", sagte er.

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