Stromausfall in München: Extremismus-Zentralstelle übernimmt Ermittlungen

Linksradikale haben die Verantwortung für den Brandanschlag auf die Stromkabel am Ostbahnhof übernommen. Das Ziel war ein bestimmtes Unternehmen - und die Aktion als Reaktion auf die Rodung von Forst Kasten gedacht. Weitere Angriffe sollen folgen. Die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) hat die Ermittlungen übernommen.
| Lukas Schauer
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Starkstromkabel brennen in einer Baugrube in München. Durch das Feuer gab es einen weiträumigen Stromausfall.
Starkstromkabel brennen in einer Baugrube in München. Durch das Feuer gab es einen weiträumigen Stromausfall. © ---/Feuerwehr München/dpa

München - Auf einer einschlägigen Seite im Internet ist ein Bekennerschreiben aufgetaucht, in dem linksradikale Aktivisten die Verantwortung für den Brandanschlag auf die Stromkabel und dem damit verbundenen Stromausfall in München am Freitag vor den Pfingstferien übernehmen.

"Wir haben am 21.5.21 das Strom- und Glasfasernetz der Stadtwerke im Münchner Osten angegriffen. Das primäre Ziel dieser Aktion war der Rüstungskonzern Rhode (sic!) & Schwarz am Münchner Ostbahnhof, dem wir erfreulicherweise für mindestens 24 Stunden den Saft abdrehen konnten", schreiben die Unbekannten auf der Seite "Indymedia".

Stromausfall in München: Linksradikale übernehmen Verantwortung für Brandanschlag

Rohde&Schwarz ist ein Elektronikkonzern mit Sitz im Werksviertel. Das Unternehmen bietet unter anderem auch Kommunikationstechnik für Streitkräfte und Behörden an und stattet Wirtschaft und die öffentliche Hand mit sicheren Internet-Netzwerkinfrastrukturen aus sowie mit Produkten zum Schutz von Datenübertragung, Endgeräten und Applikationen. Auch die Bundeswehr kaufte bereits bei Rohde&Schwarz.

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In dem Bekennerschreiben setzen die Täter die Aktion aber auch politisch in Bezug zur unlängst beschlossenen Rodung des Forst Kasten. "Es ist unsere Antwort auf den jämmerlichen Stadtratsbeschluss, den Forst Kasten abzuholzen um dort Kies zu fördern." Die politischen Verantwortlichen hätten "den Gongschlag nicht hören wollen."

Forst-Kasten-Aktivisten distanzieren sich

Ingo Blechschmit (32), ein Sprecher der Baum-Aktivisten aus dem Forst Kasten, distanzierte sich gegenüber der AZ von dem Brandanschlag: "Die Symbolsprache von uns Schülerinnen, Studentinnen und Berufstätigen, die den Kasti besetzen, sind Baumhäuser. Wir möchten den Forst Kasten als den friedfertigen Ort bewahren, der er momentan ist und stellen uns dazu seiner Rodung in den Weg. Dass der Stromausfall Verbindungen zum Kasti haben sollte, ist mir neu. Unsere Aktion beschränken sich auf den friedlichen zivilen Ungehorsam."

Weitere Angriffe angekündigt

Die Schreiber kündigen zudem weitere Angriffe an: "Die Stadtwerke München betreiben weiterhin ein Kohlekraftwerk in Bogenhausen und den Atommeiler Isar 2. Deshalb werden wir auch in Zukunft ihre Infrastruktur angreifen."

Die Münchner Polizei kennt das Bekenner-Schreiben, wie eine Sprecherin der AZ auf Nachfrage bestätigte. "Das ist bekannt und Teil unserer Ermittlungen. Mehr dazu wolle man aber "aus ermittlungstaktischen Gründen" nicht sagen.

Mittlerweile hat die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) die Ermittlungen übernommen. Sie sei zuständig, weil ein extremistischer Hintergrund "nicht ausgeschlossen werden" könne, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft München, bei der die ZET angesiedelt ist. Neue Erkenntnisse gebe es noch nicht. 

Auch das Landesamt für Verfassungsschutz ermittelt

Nach Angaben von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist auch das Landesamt für Verfassungsschutz in die Ermittlungen eingebunden. "Wir nehmen das sehr ernst. Die Auswirkungen des Stromausfalls hatten von der Dauer und Größenordnung her eine beunruhigende Dimension", sagte er.

Am Freitag vor den Pfingstferien waren nach einem Brand mehrerer Stromkabel gut 20.000 Haushalte im Münchner Osten für mehreren Stunden ohne Strom. Die letzten Haushalte konnten erst am nächsten Tag wieder zugeschaltet werden.

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