Straßenraum neu ordnen: Was die Stadt jetzt in der Münchner Altstadt vorhat
Es ist Zentimeter-Arbeit, die hier geleistet wird, anders geht es gar nicht. Schließlich ist der Spielraum in etwa so übersichtlich wie die WM-Vorfreude in Fußball-Deutschland.
Um für alle gewünschten Elemente und all die guten Ideen Platz zu haben, "müsste man ganze Häuserschluchten einreißen", heißt es später, gefolgt von der als Hashtag prima geeigneten Formulierung von der "Balance der Bedürfnisse". Die Rede ist von der Münchner Altstadt, vielmehr von den Möglichkeiten ihrer Neugestaltung.
Altstadt für Alle? So geht es weiter mit den Plänen der Stadt
Ein halbes Jahr nachdem der Mobilitätsausschuss des Stadtrats dem Beschlussentwurf "Altstadt für alle" zugestimmt hat, beginnt nun der zweite Teil der Beteiligungsphase. Zunächst mit vier Workshops, an deren Ende im Sommer 2027 mit der Umsetzung begonnen werden soll.

Ironischerweise ist die Auftaktveranstaltung zugleich ein Abschied: Da sämtliche Räume in der Fat Cat ausgebucht sind, lädt das Mobiltätsreferat in den Konzertsaal der Philharmonie, von dem man sich gleich verabschieden kann, da nun endgültig mit der Sanierung des Gasteigs begonnen werden soll. So stehen die zwei Stunden quasi unter dem Motto "Planen in prima Kulisse".
Stadtplanerin Sonja Rube, Gesellschafterin der USP Projekte GmbH, stellt klar, dass es zunächst um den östlichen Teil der vier Altstadtbereiche gehe, das Graggenauer Viertel. Sie begrüßt die neue zweite Bürgermeisterin Mona Fuchs (Grüne), deren größter Wunsch es sei, "den Kulturkampf um die Mobilität zu beenden". Es dürfte ein frommer Wunsch bleiben. Dass angesichts der starken Versiegelung, dem mangelnden Schatten und dem sehr überschaubaren Platz für mehr Grün dringend etwas getan werden muss, ist an diesem Abend jedoch Konsens.
"Kulturkampf um die Mobilität beenden"
Auf Fuchs folgt Mobilitätsreferent Georg Dunkel (parteilos), mit dem der Ex-OB Dieter Reiter (SPD) so manches Mal zusammengerasselt war. Dunkel skizziert nochmal den Stadtratsbeschluss: Straßenraum neu ordnen, mehr Platz für Fußgänger, mehr Grün- und Freiflächen für Erholung und Aufenthalt, mehr Fuß- und Radverkehr, die Verkehre für Ver- und Entsorgung sowie motorisierten Individualverkehr sinnvoll aufeinander abstimmen, Parkplätze stufenweise zurückbauen.
Das Ziel: langfristig eine am Gemeinwohl orientierte, verkehrssichere und barrierefreie Altstadt entwickeln, die gleichzeitig für Handel, Logistik, Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe, für Kultur-, Bildungs-, Gastronomie- und Tourismusbetriebe sowie den Gesundheitssektor erreichbar ist. Kurz: "Wer rein muss, will dies stressfrei und geordnet. Wer rein will, muss ins Parkhaus."
Klingt alles plausibel, wird im Detail aber hochkomplex, wie ein Blick auf den Planungsentwurf klar werden lässt. Denn dort sind türkis markierte "Potenzialflächen", wo überhaupt Veränderung möglich ist, rar gesät.
Autos in der Altstadt: Vorbild Italien?
Kern des Stadtratsbeschlusses war die Unterscheidung der Straßen in die Kategorien Stadtstraßen, Altstadtstraßen und Fußgängerzonen. Die Stadtstraßen sind weiterhin für den allgemeinen Kfz-Verkehr vorgesehen. Sie erschließen die Altstadt für Besucher, die direkt zu Parkgaragen geleitet werden. In diesen Stadtstraßen darf mit Ausnahmegenehmigung geparkt werden (Anwohner, Menschen mit Behinderung, Handwerker etc.).
Altstadtstraßen dienen vor allem der Erschließung für Anwohner und den Wirtschaftsverkehr und sollen darüberhinaus nur bei konkreten Anliegen befahren werden: kurzer Halt bei Arztpraxen, Hotels, Geschäften oder Gewerben. Vorbild ist die "zona traffico limitato", die in italienischen Städten die Zufahrt zur Altstadt beschränkt. Auch in Altstadtstraßen darf mit Ausnahmegenehmigung geparkt werden. Generell gehe die Zahl dieser Genehmigungen aber seit Jahren zurück, hieß es.
Straße für Straße wolle man nun in den Workshops im Juni und Juli die östliche Altstadt durchgehen und um jeden Zentimeter Freiraum kämpfen. Aber schon ein kurzer Blick auf den umfangreichen Plan lässt Fragen aufploppen. Zum Beispiel: "Warum gibt es auf der Maximilianstraße gar keine Begrünung? Und wie komme ich da sicher von der einen auf die andere Straßenseite?"
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Tonio vor 14 Minuten / Bewertung:
Als erster Schritt sollten in der Altstadt alle Parkplätze entfallen. Parken nur noch in Parkhäusern oder Tiefgaragen. Dann wäre schon mal viel Platz für Fußgänger, Radler und Grünflächen gewonnen. 🙂
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Bürger Europas vor 38 Minuten / Bewertung:
Ich hoffe die Stadt passt auf, dass für Radwege nicht wieder Parkplätze verschwinden. Ohnehin sind Radwege m.E. sehr aufwändig. Vielleicht sollte man den Verkehr deutlich entschleunigen, damit Räder und Autos den Verkehrsweg gemeinsam nutzen können. Außerdem sind Radwege für mich als zügigen Radfahrer ein Graus, da die Münchner Stadt nicht fähig ist ordentliche Fahrradampeln zu installieren, die länger grün sind. Fahräder werden wie alte Omis mit ein zusätzlichen Rotzeit versehen. Dass sich die Fußgänger in dieser Stadt nicht ordentlich beschweren wundert mich ohnehin, aber zu der Fraktion gehöre ich nur selten.
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