Startschuss für 222-Millionen-Projekt Stellwerk Ost: Nie wieder "Stellwerkstörung"?

Das neue Stellwerk im Münchner Osten soll dafür sorgen, dass die S-Bahn zuverlässiger fährt. Bahn und Freistaat feiern sich zum Baustart in München.
| Paul Nöllke
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So sieht es im alten Stellwerk aus. Da kann schon einmal ein Staubkorn am falschen Platz zu einem Verkehrskollaps führen.
So sieht es im alten Stellwerk aus. Da kann schon einmal ein Staubkorn am falschen Platz zu einem Verkehrskollaps führen. © picture alliance/dpa

München - "Aufgrund einer Stellwerkstörung verspätet sich die S-Bahn auf unbestimmte Zeit." Diese Bahnhofsdurchsage dürfte so manchem Münchner Pendler Albträume bescheren. Nicht nur, weil diese Durchsage im Münchner Nahverkehr schon fast zum Alltag gehört. Dazu kommt: Wenn es "Stellwerkstörung" heißt, weiß man als Fahrgast nie, wie schlimm es wird mit der Verspätung. Zehn Minuten? Zwanzig? Oder gleich Komplettausfall?

Genau hier ist es: das Stellwerk am Ostbahnhof.
Genau hier ist es: das Stellwerk am Ostbahnhof. © Datawrapper/Maps

Diese Pendler-Albträume sollen nun aber bald der Vergangenheit angehören. Zumindest, wenn es nach dem Deutsche-Bahn-Vorstand Ronald Pofalla geht. Denn dieser verkündete bei einer Pressekonferenz am Mittwoch stolz den Baubeginn für ein neues Stellwerk am Ostbahnhof. "Wir haben es als Ziel ausgegeben, das neue Stellwerk bis Mitte 2023 in Betrieb zu nehmen. Das Versprechen haben wir gehalten", sagte Pofalla vielleicht etwas voreilig.

Altes Stellwerk anfällig für Störungen

Für 222 Millionen Euro will die Deutsche Bahn in den nächsten zwei Jahren das alte Stellwerk am Ostbahnhof durch ein neues digitales Stellwerk ersetzen. Zur Zeit ist das alte Relais-Stellwerk nämlich meist an den Stellwerkstörungen in München schuld. Die alte Mechanik kann ausfallen, wenn sich nur ein Staubkorn in einen der Schaltkästen verirrt, sich auf einem Schaltelement einbrennt und so den Stromfluss unterbricht, erklärt die MVG über ihre eigenen Relais-Stellwerke auf ihrer Webseite. Höchste Zeit für einen Neubau.

Das sieht auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) so. "München wächst", erklärt er, daher müsse auch die Infrastruktur wachsen. "Wir wollen keinen Verkehrsinfarkt." Das alte Stellwerk habe schon lange für großen Ärger gesorgt, das Versprechen der Bahn, bis 2023 Abhilfe zu schaffen, freue ihn.

Gute Laune am alten Stellwerk (v. l.): Markus Söder und Ronald Pofalla.
Gute Laune am alten Stellwerk (v. l.): Markus Söder und Ronald Pofalla. © Daniel von Loeper

Ganz verkneifen kann sich der Ministerpräsident eine Spitze gegen die Deutsche Bahn allerdings nicht. Als die Bahn vor einem Jahr das Versprechen gegeben habe, das Stellwerk bis 2023 fertig gebaut zu haben, habe er daran noch etwas gezweifelt: "Bei der Bahn ist es wie beim Vatikan", so Söder, "da denkt man in längeren Dimensionen."

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Anders als erst angekündigt, bestritt der Ministerpräsident den Termin ohne Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der an einer Kabinettssitzung in Berlin teilnehmen musste. Seine Laune schmälerte das nicht.

Söder: Neues Stellwerk verbessert Lebensqualität in München

Im Gegenteil: Zeit, um auch gegen die Hauptstadt etwas auszuteilen, nahm sich Söder auch noch. So erklärte er, das neue Stellwerk in München würde auch die Lebensqualität verbessern, das sei in der Landeshauptstadt ja sehr wichtig - anders als zum Beispiel in Berlin. "Berlin ist da etwas wie New York", so Söder. "München eher wie Kalifornien. Wir haben gute Lebensqualität, fitte Menschen und auch schöne Menschen - zumindest überwiegend."

Nun wird sich zeigen, ob sich die gute Stimmung und die Versprechen auch umsetzen lassen. Zumindest zwei Jahre werden die Pendler aber noch weiterhin von Stellwerkstörungen genervt werden.

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