Vermieter will umbauen: Muss das Stadtteilkino in Solln weichen?

Stadtteilkinos gibt es kaum noch. Nun könnte auch das Kino Solln für Wohnungen weichen. Im Viertel bedauert man das sehr.
| Myriam Siegert
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Das Kino Solln ist beliebt - und hat ein großes Einzugsgebiet. Der Vermieter will das Haus jedoch umbauen.
Das Kino Solln ist beliebt - und hat ein großes Einzugsgebiet. Der Vermieter will das Haus jedoch umbauen. © Daniel von Loeper

Solln - Sollner Straße 43a. Auf der Tagesordnung des Bezirksausschusses 19 (Thalkirchen-ObersendlingForstenried-Fürstenried-Solln) vom vergangenen Dienstag ist das nur einer von mehreren Punkten der Rubrik Bauvorhaben. Doch hinter dieser Anschrift verbirgt sich kein Wohnhaus, das einen Anbau oder eine neue Garage bekommen soll. Dies ist die Adresse des Sollner Kinos.

"Das Sollner Kino ist gefährdet - um es einmal vorsichtig auszudrücken", sagt BA-Chef Ludwig Weidinger (CSU), als die AZ nachfragt. Alexander Aichwalder (Grüne), Vorsitzender des Unterausschuss Bau und Planung, erklärt, laut Bauantrag sei die Nutzungsänderung des Kinos zu einem Laden und sieben Wohnungen inklusive Anbau von Balkonen geplant.

Gremium sieht keine Möglichkeit, Antrag abzulehnen

Die Viertelpolitiker sind darüber wenig glücklich. Man bedauere diese Nutzungsänderung sehr, so heißt es in einer einstimmigen Stellungnahme des Gremiums, sehe aber baurechtlich keine Möglichkeit, den Antrag abzulehnen.

Aichwalder erklärt, der Bezirksausschuss habe hier nur beratende Funktion. Die Lokalbaukommission als Genehmigungsbehörde könne Stellungnahmen des BA berücksichtigen, müsse aber nicht.

Wohnungen statt Kino

Man hätte gerne weiter ein Kino im Stadtbezirk, betont auch Ludwig Weidinger, "weil es das Einzige ist für 100.000 Leute". Doch: "Das eine ist die baurechtliche Sache, das andere das, was wir bräuchten und gerne hätten im Viertel". Man könne keinen privaten Bauherren dazu verpflichten, "dass er irgendetwas für die Allgemeinheit macht", so der BA-Chef. "Meistens jedenfalls."

Wohnungen statt Kino - gerade in München verspricht das höhere Renditen. Gut möglich also, dass dies den Vermieter des Kinos, die Sedlmayr Haus und Gewerbebau GmbH, die laut eigenen Angaben "zu den großen Immobiliengesellschaften in Deutschland gehört", umtreibt.

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Das Unternehmen, bis 2004 die Gabriel Sedlmayr Spaten-Franziskaner-Bräu Kommanditgesellschaft, betont aber auch seine starke Verankerung in München.

Der Immobilienbesitz gehe bis ins 19. Jahrhundert zurück und stehe in direktem Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Spatenbrauerei, die heute aber freilich nicht mehr zum Unternehmen gehört.

Kino durch Corona schwer gebeutelt

Dem Kino hilft das erst einmal nicht. Die Betreibergesellschaft Omaha Film GmbH lässt in einer Stellungnahme wissen, man habe den Antrag auf Nutzungsänderung und Umbau des Kinos mit Überraschung zur Kenntnis genommen.

"Wir befinden uns coronabedingt derzeit in einem Disput mit dem Vermieter und hoffen auf eine einvernehmliche Einigung. Wir beabsichtigen, das Kino auch in Zukunft zu betreiben und so unserem Sollner Publikum weiterhin Kultur und Unterhaltung zu bieten."

Sprecherin Cornelia Green erklärt der AZ, wie alle Kinos sei das Sollner Kino durch lange Schließungen und Abstandsregelungen schwer gebeutelt. Letztlich gehe es um irgendeine Form der Mietminderung, die der aktuellen Form des eingeschränkten Betriebes entspräche, erklärt sie. Man kämpfe um die Existenz.

Nur noch wenige Stadtteilkinos in München

Tatsächlich ist das Kino Solln neben dem Neues Rex Filmtheater in Laim eines der wenigen und letzten Stadtteilkinos der Stadt, sogar das letzte im Münchner Süden, wie Cornelia Green betont. Und es blickt auf eine lange Geschichte bis 1949 zurück.

Green gibt sich kämpferisch: "Wir hängen da dran und auch das Publikum ist uns geneigt." Wenn man Corona einmal überstanden habe, "dann geht's auch wieder weiter. Das ist jetzt eine schwierige Zeit und da muss man durch", sagt sie.

Ob dieser Optimismus gerechtfertigt ist, mag man beim Bezirksausschuss lieber nicht bewerten. Man müsse erst einmal sehen, wie sich die Angelegenheit entwickelt, heißt es.

Über einen Plan B, also etwa die - voraussichtlich schwierige - Suche nach einem neuen Standort in der Gegend, haben sowohl Kinobetreiber als auch Bezirksausschuss noch nicht nachgedacht.

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