Tierschützer gegen Zirkus? Strauße augebüchst - ein Tier überfahren

In Kleinhadern wird ein Schreitvogel überfahren. Angeblich wurde er gewaltsam aus einem Zirkus befreit. Die Polizei ermittelt.
| N. Kettinger, F. Eggert
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Plakate wurde mit Parolen beschmiert und Aufklebern überklebt.
feg 6 Plakate wurde mit Parolen beschmiert und Aufklebern überklebt.
Einige Plakate wurden angezündet.
feg 6 Einige Plakate wurden angezündet.
Die Scheibe des Zirkus-Kassenwagens wurde mit einem Backstein eingeschlagen.
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Den Schaden bemerkten die Zirkus-Leute erst am nächsten Tag.
feg 6 Den Schaden bemerkten die Zirkus-Leute erst am nächsten Tag.
In diesem Transportwagen waren die Straußen eingesperrt.
feg 6 In diesem Transportwagen waren die Straußen eingesperrt.
Mitarbeiter des Zirkus beseitigen die Überreste des getöteten Straußen in der Senftenauer Straße.
PETA 6 Mitarbeiter des Zirkus beseitigen die Überreste des getöteten Straußen in der Senftenauer Straße.

Hadern – Ein ausgewachsener Strauß irrt in der Dunkelheit durch Kleinhadern. Ein Autofahrer kann nicht mehr rechtzeitig bremsen, der Schreitvogel stirbt.

Das Tier gehörte einem Zirkus, der derzeit an der Blumenauer Straße gastiert. Der Direktor beschuldigt Tierschützer, es mit Gewalt befreit zu haben – diese wehren sich mit einer Verleumdungs-Anzeige gegen die Vorwürfe. Die Polizei ermittelt, Ungereimtheiten bleiben.

 

Der Zirkus klagt über Vandalismus

 

„Seit zwei Wochen werden wir bereits von Tierschutzaktivisten verfolgt, am Hasenbergl und in Ramersdorf kam es schon zu Protesten durch die Organisation ,Peta’“, sagt Zirkusdirektor André Kaiser (29).

Bei Protesten allein sei es nicht geblieben: „In Ramersdorf haben Unbekannte eines unserer Plakate, das an einem Holzzaun hing, angezündet. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert.“

Auch das Kassenhäuschen sei beschädigt worden: „In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde die Scheibe des Häuschens mit einem Ziegel eingeschmissen. Wir haben den Schaden erst am nächsten Morgen entdeckt.“

Am Montagabend habe ihn dann sein Bruder angerufen: „Die Strauße sind weg!“ Laut Polizei hatten Unbekannte gegen 21 Uhr die Tür des Tiertransporters verbogen und dann das Schloss abgeschraubt. „Ich kann nicht sagen, ob es sich bei den Tätern wirklich um Peta-Anhänger handelt. Ich habe nur am Montagnachmittag beobachtet, wie drei Männer in schwarzen Bomberjacken mit Peta-Schriftzug sowie eine Frau in braunem Pullover stundenlang filmten und Fotos schossen“, sagt Kaiser.

 

Peta dementiert Beteiligung und kündigt Verleumdungsklage an

 

Das traurige Ende der Aktion: In der Senftenauer Straße wird einer der Vögel – Weibchen Nala – von einem Auto gerammt und stirbt, der Fahrer flüchtet. Tsavo, den zweiten Strauß, können Zirkus-Mitarbeiter in der Nähe einfangen.

„Wem hat das jetzt etwas gebracht?“, fragt André Kaiser. „Nala und Tsavo sind seit 30 Jahren bei uns. Sie sind alt und wären gar nicht mehr aufgetreten. Mit dem Veterinäramt suchen wir seit etwa vier Wochen einen Ort, an dem sie ihren Lebensabend verbringen können.“

„Es gibt keine schwarzen Peta-Bomberjacken und von uns war am Montag auch niemand vor Ort“, sagt Peta-Justiziar Krishna Singh. „Die Vorwürfe sind völlig aus der Luft gegriffen. Gegen diese Verleumdung werden wir mit einer Anzeige vorgehen.“

Auch die Tierschutzorganisationen „Vier Pfoten“, „Animals United“ und „Soko Tierschutz“ distanzieren sich ausdrücklich von der missglückten „Befreiungsaktion“. Ein solches Vorgehen sei „totaler Blödsinn, total absurd“ und würde der gesamten Szene schaden, sagt einer der Sprecher.

Schließlich bringe man die Tiere sehenden Auges in Lebensgefahr, wenn man sie einfach laufenlasse.

 

Auffallend ist, dass dem Circus Kaiser immer wieder Tiere ausbüchsen. Ein Überblick

 

In der Nacht zum 12. April trabten drei Esel und zwei Ponys durch Ramersdorf. Feuerwehr und Polizei fingen die Tiere ein. André Kaiser sagt, ein Unbekannter habe ihm „eins übergezogen“ und anschließend die Tiere freigelassen. Bei der Polizei ist von dem Angriff nichts bekannt. „Mir liegt lediglich ein Vermerk vor, dass mehrere Gatter geöffnet wurden“, sagt Sprecher Christoph Reichenbach.

Im Juli 2015 entwichen ein Känguru – und die beiden Strauße. Weil das Känguru zwischen Söflingen und Blaustein (Baden-Württemberg) auf die Bahngleise hüpfte, musste der Verkehr vorübergehend eingestellt werden.

Im Mai 2015 brachen in Filderstadt (BW) gleich vier Kängurus aus und machten eine Staatsstraße unsicher.

Ebenfalls im Mai 2015 verursachte ein exotisches Rind im Freiheitsrausch einen Unfall und 4000 Euro Schaden: Bei Süßen (BW) musste ein Autofahrer scharf bremsen, um das Tier nicht zu verletzen. Das nachfolgende Auto fuhr auf.

Im April 2015 machten zehn Kamele des Circus’ Kaiser einen nächtlichen Ausflug in die baden-württembergische Stadt Merklingen. Ein Großaufgebot der Polizei musste ausrücken, um die Tiere wieder einzufangen. Auch diesmal wurde eine Bahnstrecke gesperrt.

Im Mai 2014 büchsten in Möhringen (BW) verschiedene Tiere aus. „Die Pferde kamen in wahnsinnigem Tempo direkt auf die Eltern und Kinder zu, die den Streichelzoo besuchten“, sagte eine Augenzeugin der „Stuttgarter Zeitung“.

Im März 2014 sorgten drei Wasserbüffel auf Abwegen in der Innenstadt von Münsingen (BW) für Aufregung bei der Bevölkerung – auch sie gehörten dem Circus Kaiser.

Im Mai 2013 brachen in Unterelchingen 15 Kamele und Rinder aus ihrem Gehege aus. Da die Tiere in Richtung der Bahngleise liefen, musste die Bahn ihre Lokführer anweisen, „auf Sicht“ zu fahren.

Was sich Montagnacht in der Blumenauer Straße am Gehege von Nala und Tsavo genau abgespielt hat, versucht nun die Münchner Polizei zu klären. „Wir ermitteln in alle Richtungen, unter anderem wegen Sachbeschädigung, Fahrerflucht und eventuell wegen gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr“, sagt Sprecher Christoph Reichenbach.

 

Video: Strauß in der Senftenauer Straße angefahren

 

 

Video: PETA


Zeugenaufruf: Personen, die Angaben zu den unbekannten Tätern machen können, die die Tiere aus dem Transporter frei ließen, bzw. Hinweise auf den flüchtigen Unfallfahrer geben können, werden gebeten, sich mit dem Polizeipräsidium München, Tel. 089/29100, oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

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