Restaurant Gandl: Schlemmen im einstigen Tante-Emma-Laden

Gastronom Alexander Lutz hat es geschafft, die Tradition zu bewahren und behutsam zu erneuern. Doch Mehl, Kaffee und Co. gibt es noch immer im Feinschmeckerlokal Gandl im Lehel, und das seit 25 Jahren.
| Annette Baronikians
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Gandl-Chef Alexander Lutz hat in seinem Restaurant nach wie vor einige Lebensmittel wie Mehl und Zucker im Angebot.
Gandl-Chef Alexander Lutz hat in seinem Restaurant nach wie vor einige Lebensmittel wie Mehl und Zucker im Angebot. © bar

Lehel - In den dunklen Vitrinenschränken stehen dekorative Weinflaschen neben alten Silber-Accessoires. Die Wände schmücken gerahmte historische Landkarten, eine kecke Rückenansicht von Frida Kahlo oder afrikanische Masken.

"Die Dinge finden sich", sagt Alexander Lutz und zeigt hinauf zum Elchgeweih über dem Teeregal: "Das war beispielsweise ein Geschenk zur Eröffnung." Inzwischen hängt das imposante Geweih seit 25 Jahren in luftiger Höhe - und ist ein Blickfang von so vielen im Restaurant Gandl, das genauso einzigartig ist wie seine Dekostücke.

Bunt ging's in dem Eckhaus am St.-Anna-Platz schon immer zu. Bevor Alexander Lutz die Räume zu einem schmucken Lokal gemacht hat, waren sie eine Art Kolonialwarenladen. Maria Gandl, die legendäre Chefin in der geblümten Kittelschürze, versorgte die Nachbarn mit allem nötigen, ob mit Zeitung, Seife, Mehl oder Eiern.

Gandl: Heute Restaurant, früher Tante Emma Laden

"Schon als kleiner Bub war ich bei der Maria Gandl oft beim Einkaufen", erzählt Lutz, der nur wenige Meter entfernt aufgewachsen ist: Seiner Mutter gehörte das Hotel Opéra, das diese im damals noch als Glasscherbenviertel geltenden Lehel aufgebaut hat.

1994 auf der Gandl-Baustelle: Lutz mit seiner damaligen Geschäftspartnerin Daniela Schumann.
1994 auf der Gandl-Baustelle: Lutz mit seiner damaligen Geschäftspartnerin Daniela Schumann. © privat

Sohn Alexander, der das Opéra inzwischen längst selbst betreibt, half von Anfang an mit: "Ich habe in der Küche geholfen, als Zimmermädchen und natürlich auch beim Umbau des Hauses", sagt der heutige Gastronom und Hotelier: "Da konnte ich schon mitgestalten, und der Spaß am Entstehenlassen blieb."

So musste es wohl sein, dass Alexander Lutz viele Jahre später - nach dem Studium zum Hotelbetriebswirt und beruflichen Stationen in Monaco, Paris und Wien - in seiner Münchner Heimat zum Gandl-Chef wurde.

Es war Weihnachten 1994. Lutz kam aus Wien zu den Festtagen heim und fand den Tante Emma-Laden geschlossen vor. "Ich habe dann erfahren, dass dort wohl eine Bank oder ein Drogeriemarkt rein soll", erzählt er: "Mir war sofort klar, dass das nicht sein darf." Gesagt, getan. Der Pachtvertrag war schnell unterschrieben, und los ging's mit dem Umbau.

"Das Gandl ist gekommen, um zu bleiben."

Heute besteht das Restaurant Gandl, das als erstes feine mediterrane Küche ins Lehel gebracht hat, aus zwei großen Räumen. Seinerzeit war der hintere noch Wohn- und Schlafzimmer der Familie Gandl, doch dann fielen ein paar Mauern, und nach etlichen Monaten war es geschafft, aus den alten Räumen ein hübsches Restaurant zu machen - und den Charakter eines Kolonialwarenladens zu bewahren.

Das Gandl von Außen, da sitzt es sich gemütlich!
Das Gandl von Außen, da sitzt es sich gemütlich! © bar

Die Geschichte dieser Lehel-Institution ehrt Alexander Lutz nicht nur, indem er sein Lokal nach Maria Gandl benannt hat. Im vorderen Restaurantbereich gibt es nach wie vor auch Regale mit allerlei für den Heimbedarf: von ausgewählten Feinkostartikeln bis zu Waren, die es hier auch anno dazumal gab. Sei's Mehl, Reis oder Kaffee.

Geblieben ist zudem die große Kartoffelschütte mit der Glasvitrine obendrauf. In dieser hatte auch der neue Chef anfangs noch Eier im Angebot, doch das Interesse der Kunden nahm stetig ab. Heute lockt hier feine Pâtisserie. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit, heißt es ja so schön. Alexander Lutz verstand ihn von jeher, den gut ausbalancierten Spagat aus Tradition bewahren und behutsam erneuern.

So freut er sich auch auf die nächsten 25 Jahre: "Das Gandl ist gekommen, um zu bleiben." Wie die unzähligen Stammgäste, von denen einige sogar täglich unter Elchgeweih, Lüster und Co. schlemmen und den Blick schweifen lassen.

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Sicherer feiern: Corona-Schnelltests im Gandl

Corona beschert der Gastronomie schwere Zeiten. Nahezu täglich gibt es neue Regeln und Anforderungen. Nicht verwunderlich, dass die Gäste verunsichert sind - trotz all der Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen. Das Restaurant Gandl bietet seinen Gästen deshalb jetzt einen "zusätzlichen Service" an: einen Corona-Schnelltest. Diesen gibt es nicht für den herkömmlichen Restaurantbesuch, sondern auf Anfrage nur für Gruppen beziehungsweise Veranstaltungen im Gandl sowie im Hotel Opéra.

"Bereits erprobt wurde das Konzept auf der Tauffeier einer Münchner Familie, bei der auch betagtere Familienmitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet zusammenkamen", sagt Hoteldirektor Malte Wiedemeyer der AZ. Die Durchführung der Schnelltests würde "natürlich ausschließlich geschultes medizinisches Personal" vornehmen. Kostenpunkt pro Person: 15 Euro.

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