Olydörfler lehnen Attentats-Gedenkstätte ab

Die vom Kultusminister Spaenle geplante Gedenkstätte für die Opfer des Olympia-Attentats scheitert vorerst am vereinten Anwohner-Widerstand.
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Die Anwohner lehnen die geplante Olympia-Attentats-Gedenkstätte geschlossen ab. (Symbolbild)
Daniel von Loeper Die Anwohner lehnen die geplante Olympia-Attentats-Gedenkstätte geschlossen ab. (Symbolbild)

Die vom Kultusminister Spaenle geplante Gedenkstätte für die Opfer des Olympia-Attentats scheitert vorerst am vereinten Widerstand der Anwohner.

Milbertshofen - Am Hart - Eng drängten sich die Olympiadorf-Anwohner auf der Versammlung zum Thema "Geplante Gedenkstätte Olympiaattentat 1972" im überfüllten Kirchenzentrum am Helene-Mayer-Ring vergangenen Montagabend. Kultus- und Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU) konnte dabei nicht entgehen, dass der Widerstand gegen den geplanten Erinnerungsort für die Opfer des Attentats im Olympiapark nicht nur von einzelnen Gruppen, sondern von der allen Bewohnern getragen wird.

Falls das Projekt doch realisiert werden sollte, möchten die Anwohner unbedingt verhindern, dass noch weitere Grünflächen verschwinden. Stattdessen solle, so der Vorschlag des Bezirksausschusses (BA) Milbertshofen-Am Hart, lieber der marode Busbahnhof an der Lerchennauer Straße die neue Gedenkstätte beheimaten. Entsprechende Anträge hat der BA Milbertshofen-Am Hart, die auch eine Verknüpfung mit den bereits bestehenden Erinnerungsorten vorschlagen, bereits mit großer Mehrheit bewilligt.

Das Spaenle-Konzept sieht vor, auf dem sogenannten Studentenhügel zwischen Kolehmaineweg und der studentischen Bungalowsiedlung, eine Gedenkstätte für die Opfer des Olympiaattentats von 1972 auf der dortigen Grünfläche zu errichten. Der umstrittene Standort ist für Spaenle deswegen so wichtig, weil er den Besuchern von hier aus einen direkten Blick auf den ursprünglichen Attentatsort - in der Conollystraße 31 - erlaubt.

Weil sich bereits im Vorfeld derart viel Widerstand regte, schlug Spaenle vor, 20 Vertreter der Anwohner einzuladen und unter dem Motto "Optimierung des Projekts am Standort Studentenhügel" Anfang Februar weiter zu diskutieren. Die Anwohner lehnten das auf der Versammlung in der Olympiakirche geschlossen ab.

Die Gründe für die starke Abneigung der Bewohner gegen das Gedenkstätten-Projekt sind facettenreich. Studentendorf-Haussprecherin Mona Bergmann protestierte stellvertretend für mehr als 1000 Studenten: Weil die Gedenkstätte so nah an den Wohnräumen liege, könnten die Besucher den Anwohnern direkt ins Schlafzimmer schauen. Zudem falle in dem bereits engen Wohnquartier durch den geplanten Bau dann viel Grün vor der Hautüre weg.

Bei diesem Punkt sind sich alle Anwohner einig: Es soll nicht noch mehr Grün verschwinden. Die riesigen Bauprojekte der letzten Jahre, wie etwa die BMW-Welt, das Sea-Life-Zentrum oder das Restaurant Coubertin, haben schon genug Fläche der grünen Lunge dezimiert.

Nicht den Opfern, sondern dem Terror selbst werde ein Denkmal gesetzt, befürchtet zudem die Einwohner-Interessen-Gemeinschaft (EIG) des Olympiadorfes. Die Vorsitzende Manuela Feese-Zolotnitski fordert indes die olympischen Grundsätze bei der Planung des Erinnerungsortes von Toleranz und Freiheit umzusetzen.

Eberhard Schunck von der Genossenschaft Olydorf argumentierte, dass der alte Busbahnhof an der Lerchenauer Straße wesentlich geeigneter sei. Für eine umfassende Darstellung der Geschichte gebe es hier schlichtweg mehr Raum, der dem Ereignis gerecht werde.

Weil in unmittelbarer Nähe zum Attentatsort bereits eine Gedenktafel besteht, sehen die Anwohner den Bedarf für einen Erinnerungsort bereits gedeckt. Der Gedenkort würde bereits rege von Besuchern genutzt und ein neue Gedenkstätte sei daher eher kontraproduktiv, so die Befürchtung Rainer Bruchmanns, der seit langem an der Conollystraße lebt.

Till von Feilitzsch, auch im EIG-Vorstand, schlug vor auf dem maroden Busbahnhof-Gelände einen neuen Info-Pavillion zu bauen. Zum Erinnern seien die bereits bestehenden Orte wie etwa das Opfer-Denkmal an der Hanns-Braun-Brücke und das an der Conollystraße ausreichend. Vielmehr müsse bei den vorhandenen Gedenkstätten die Würde der Plätze gewahrt werden, was gegenwärtig nicht immer der Fall sei. Der Feilitzsch-Vorschlag traf auf breite Zustimmung bei den Anwesenden.

Auch Olydorf-Pfarrer Bernhard Götz betonte, ein Mahnmal für den Frieden könne nur im Einverständnis mit den Nachbarn umgesetzt werden.

Ergebnis des Abends: Spaenle hat es jetzt schwer. Es ist zu bezweifeln, ob sich das von Staats- und Bundesregierung, den Hinterbliebenden der Attentatsopfer, der Stadt und der Israeltischen Kultusgemeinde favorisierte Bauprojekt unter diesen Umständen noch durchsetzen kann.

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