Neuer Besitzer: Die Pläne für den Gutshof Menterschwaige in Harlaching

Der Gutshof Menterschwaige hat den Besitzer gewechselt. Nun soll das denkmalgeschützte Ausflugsziel am Isarhochufer saniert werden. Ein Neubau mit Gästezimmern ist geplant, Wirt Christian Schottenhamel will Pächter bleiben.
| Lea Kramer
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Der Eingang in den Biergarten soll verlegt werden - dahin, wo er ursprünglich mal war.
Der Eingang in den Biergarten soll verlegt werden - dahin, wo er ursprünglich mal war. © Pott Architects

Harlaching - Wie so viele Münchner Denkmäler hat auch der Gutshof Menterschwaige eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Von der bloßen Schwaige, dem Pestzufluchtsort, dem Lokal für rauschende Künstlerfeste zur in die Jahre gekommenen Einkehr für Spaziergänger. Bald sollen Restaurant und Biergarten anders in Szene gesetzt werden. Ein neuer Besitzer will die Menterschwaige sanieren - er plant ein Millionenprojekt.

"Was die Menterschwaige betrifft, so haben Vergnügungsorte eben auch ihre Glanzperioden", heißt es im Münchner Punsch, einer humoristischen Zeitung aus dem Jahr 1867. Und weiter: "Länger als zwei Jahrzehnte geht der Strom des Publikums selten in einer Richtung." Eine vernichtende Zukunftsperspektive für die Gaststätte zwischen Harlaching und Grünwald, deren Besuch für München-Urlauber im 19. Jahrhundert Pflicht war.

Momentan ist das Restaurant des alten Gutshofs geschlossen, was mehr an der Corona-Pandemie liegt, aber auch ein bisserl am ordentlichen Sanierungsstau. Das bestätigt auch Pächter Christian Schottenhamel: "Ich bin froh um die Entscheidung. Wir wollten eigentlich Familienfeiern machen, aber das passt jetzt alles nicht in die Zeit", sagt er. Und noch mehr kann er verraten. Die Menterschwaige hat nämlich den Besitzer gewechselt und soll saniert werden.

Bis kürzlich gehörte das Wirtshaus noch der Gastronomenfamilie Kuffler. Die hat es dem Vernehmen nach an den Karlsruher Investor Dieter Pawlik verkauft. Der Jurist hat Anfang der 2000er Jahre gemeinsam mit drei anderen Männern den Sportwetten-Anbieter Tipico gegründet.

Ausflug nach Südosten: 1912 fährt bereits die Tram nach Harlaching.
Ausflug nach Südosten: 1912 fährt bereits die Tram nach Harlaching. © Stadtarchiv München

30 "Beherbergungszimmer für den Gutshof Menterschwaige

Das Immobilienprojekt in Harlaching wird von der Qcoon Real Estate GmbH betreut, einem Finanzdienstleister aus Hamburg. Anträge für den Umbau der Menterschwaige seien bereits eingereicht worden, sagt Firmen-Sprecher Ralf Kunkel. Neben der Sanierung der verschiedenen Gebäude sei auch ein Neubau für den Biergartenausschank geplant. Insgesamt 30 "Beherbergungszimmer" sollen entstehen. Von einem Hotel will aber keiner der Beteiligten sprechen.

Im Neubau sollen die Gäste in 30 Zimmern unterkommen können.
Im Neubau sollen die Gäste in 30 Zimmern unterkommen können. © Pott Architects

"Die Menterschwaige ist eines der Münchner Wahrzeichen, das schon etwas gelitten hat", sagt er. Über die Jahrzehnte habe es immer wieder neue Anbauten und Holzbuden gegeben, davon solle das Gelände befreit werden. "Ein nachbarschaftlich orientiertes Restaurant mit Biergarten soll die Menterschwaige aber bleiben", so Kunkel.

Die historische Bausubstanz steht unter Denkmalschutz

Das Büro von Pott Architects, das ein Konzept für die Sanierung erstellt hat, sieht das ähnlich. In einer Beschreibung heißt es: "Projektziel ist es, die bewegte Historie und Substanz des Gebäudeensembles denkmalgerecht weiterzuentwickeln." Der Gutshof solle künftig ein Ort mit "vielfältigem Freizeit- und Gastronomieangebot" - und "ein Sehnsuchtsort für genussvolle Lebenskultur am Ufer der Isar" werden. "Das wird gigantisch - das wird ein Schmuckstück in Harlaching", ergänzt Wirt Schottenhamel. Seit 20 Jahren ist er Pächter. Er hänge an dem Objekt und "würde dort gerne Betreiber bleiben wollen".

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Bei der Lokalbaukommission (LBK) der Stadt weiß man von all dem nichts. "Zum genannten Anwesen liegt der LBK bislang weder ein Vorbescheids- noch ein Bauantrag vor", sagt ein Sprecher. Demnach müssten Änderungen an dem Anwesen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde sowie dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt werden. Denn: Der Gruppenbau Menterschwaige steht unter Denkmalschutz. Auf dem ganzen Grundstück finden sich Relikte aus alter Zeit.

BA-Chef will, dass die alten Bäume erhalten bleiben

Bereits im Mittelalter und der frühen Neuzeit ist der Bereich um das - früher als Schwaige Harthausen - bekannte Wirtshaus besiedelt gewesen (siehe Kasten). "Es gab im April einen Kontakt mit dem planenden Architekturbüro. Mit weiteren Beratungen oder einem konkreten Bauantrag ist das Landesamt bislang nicht befasst worden", sagt eine Sprecherin des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Sie betont, dass bei der Sanierung "die natur- und landschaftsgebundene Situation der Menterschwaige" unbedingt erhalten werden solle. Einen Neu- oder Anbau auf dem Gelände sieht das Landesamt kritisch, "Optimierungen müssen sich innerhalb des Bestandes abspielen."

Eine Aufnahme von 1895 zeigt das Wirtshaus und die Gastleute.
Eine Aufnahme von 1895 zeigt das Wirtshaus und die Gastleute. © Stadtarchiv München

Mit dem Bezirksausschuss Untergiesing-Harlaching hat der Investor indes Kontakt aufgenommen und die Planungen vorgestellt. "Wie ich die Pläne verstanden habe", sagt BA-Chef Sebastian Weisenburger (Grüne), "geht es nicht darum, ein Hotel zu schaffen, sondern dort Gästezimmer anzubieten."

Weisenburger: "Die Baumbilanz soll eine positive bleiben"

Der Investor habe berichtet, dass er sich in die Menterschwaige geradezu verliebt habe. Dass er ein Ausflugsziel, dass sich bewährt habe "behutsam und mit Umsicht" verbessern wolle. Konkrete Pläne seien dem BA als Gremium aber noch nicht vorgelegt worden, so Weisenburger. Was er sich für den Gutshof wünscht? "Die Baumbilanz soll eine positive bleiben. Eine grüne Menterschwaige würde mir am Herzen liegen", sagt Weisenburger.

Wann es mit dem Umbau losgeht, ist noch ungewiss. "Wir wollen natürlich schnellstmöglich starten", sagt Investoren-Sprecher Kunkel. Ob eine weitere Glanzperiode als Vergnügungsort bevorsteht, bleibt abzuwarten.

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