Naturschutz oder Bauland? Ärger um Siemens-Sportpark in Solln

Die Wiesen beim Siemenspark in München sollen ein Schutzgebiet werden, fordern Bürger. Doch es geht ihnen zu langsam. Jetzt haben sie eine Beschwerde eingereicht. Die AZ erklärt den Konflikt.
| Christina Hertel
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Die Stadt könnte hier ein wertvolles Stück Natur verlieren, fürchtet Anton Vogel.
Die Stadt könnte hier ein wertvolles Stück Natur verlieren, fürchtet Anton Vogel. © Bernd Wackerbauer

Solln - Für die einen sind Flächen beim Siemens-Sportpark in Solln ein Acker, den die Stadt ebenso gut mit Wohnungen zupflastern könnte. Für die anderen ist diese Fläche ein schützenswertes Stück Natur, wo Bienen und Hummeln umherschwirren und von wo aus frische Luft in die Stadt gelangt.

Ackerfläche ist besonders schützenswert, sagt Interessengemeinschaft

Anton Vogel (47) gehört zur letzteren Gruppe. Er ist Teil der Interessensgemeinschaft "Ü60-aktiv", die Wiesen südlich der Siemensallee und westlich der Wolfratshauser Straße für besonders schützenswert hält und die fürchtet, dass dort eines Tages Betonklötze statt Blumen aus dem Boden ragen. Die Initiative hat nun bei der Regierung von Oberbayern eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Stadt eingereicht. Ihr Vorwurf: Die Stadt würde Beschlüsse bewusst verzögern - um so eines Tages die Flächen doch noch mit Wohnungen zu bebauen, fürchten Vogel und seine Mitstreiter.

Seit 30 Jahren gibt es den Konflikt um die Flächen südlich der Siemensallee

Tatsächlich sind Flächen südlich der Siemensallee und westlich der Wolfratshauser Straße in der Nachbarschaft seit fast 30 Jahren ein Thema. In ihrer Beschwerde verweist die Bürgerinitative auf einen Beschluss aus dem Jahr 1993, wonach das Areal schon damals unter Schutz gestellt werden sollte. Passiert sei allerdings bis heute nichts. Die Interessensgemeinschaft ärgert dies so sehr, dass sie von einer "taktischen Bürgertäuschung" spricht. Anton Vogel, der in der Nähe der Felder wohnt, erfuhr erst vor gut einem Jahr von diesem Streit. Bei einer Bürgerversammlung habe er gehört, dass es Pläne gebe, den Acker zu bebauen, sagt er. Von 1.800 Wohneinheiten sei die Rede gewesen. "Da wurde ich hellhörig", meint Vogel. "Schließlich brauchen wir die Grünflächen für den Klimaschutz."

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Verfasst hat die Beschwerde an die Regierung von Oberbayern aber Wilfried Buchsteiner, der Sprecher von "Ü60". Er ist von der Politik des grün-rot regierten Stadtrats enttäuscht: "Vor einem Jahr wurde der Klimanotstand ausgerufen. Aber er ist nichts weiter als ein Papiertiger." Tatsächlich durchlief das Gebiet laut Planungsreferat bereits 2007 eine "erste Öffentlichkeitsphase". Doch bis heute wurde keine Beschlussvorlage in den Stadtrat eingebracht. Dies sei aufgrund erfolgter Gesetzesänderungen, die Wiederholungen von Anhörungsverfahren notwendig machten sowie weiterer Prüfungen nicht möglich gewesen. Zudem habe es "politische Fragestellungen und Wünsche" gegeben.

Grüne im Stadtrat sind gegen die Bebauung des Gebiets

Noch diesen Sommer soll sich der Stadtrat allerdings mit dem Inschutznahmeverfahren befassen, heißt es von der Verwaltung. Eine Bebauung sei nicht vorgesehen. Die Dienstaufsichtsbeschwerde hat die Stadt noch nicht erreicht. Lieber verweist das Planungsreferat auf Erfolge beim Naturschutz: "Das Gelände des Siemenssportparks konnte von der Stadt im Jahr 2017 erworben werden. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie soll das Gelände für die Allgemeinheit, für den Sport und dauerhaft für die Natur gesichert werden." Zuvor hatte die Siemens AG das Areal als Betriebssportanlage für ihre Mitarbeiter genutzt.

Auch Anna Hanusch, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, sagt, dass sich ihre Fraktion gegen eine Bebauung des Gebiets ausgesprochen habe. Derzeit erarbeite ihre Fraktion gemeinsam mit der Stadt eine Liste von besonders schützenswerten Gebieten. Auch diese Flächen sollen sich darauf wiederfinden. "Natürlich wollen wir nicht alles mit Wohnungen zuklotzen", sagt der Fraktionsvorsitzende der SPD Christian Müller. Grundsätzlich sei es aus seiner Sicht aber möglich, Wohnungsbau im Einklang mit Naturschutz zu realisieren. Trotzdem sind Anton Vogel und Wilfried Buchsteiner wenig optimistisch. So lange es keinen Beschluss gebe, seien solche Bekundungen nichts als Lippenbekenntnisse.

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