Münchner Traditionsgeschäft vor dem Ende? Sorgen im Spanischen Fruchthaus

Die Betreiber vom "Spanischen Fruchthaus" müssen um die Verlängerung ihres Mietvertrages fürchten. Seit mehr als 100 Jahren gibt es den Laden.
| Ruth Frömmer
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Die Geschäftsführerin Marina Schmöller sorgt sich um ihr Traditions-Geschäft.
Die Geschäftsführerin Marina Schmöller sorgt sich um ihr Traditions-Geschäft. © Daniel von Loeper

Altstadt - Im Sommer herrschte noch Aufbruchstimmung im Ruffinihaus. Die kleinen Geschäfte kehrten mit vorläufigen Mietverträgen nach der Sanierung aus ihren Zwischenquartieren in das historische Gebäude zurück und freuten sich auf die Wiederaufnahme eines halbwegs normalen Geschäftsalltags.

Auch die Familie Schmöller vom Spanischen Fruchthaus hatte trotz Corona-Krise viel Geld in eine neue Einrichtung und Kühlanlagen investiert und begrüßte ihre Stammkunden hochmotiviert im frisch renovierten Laden.

Im Februar hatte es noch ein Gespräch im Kommunalreferat mit den Mietern des Ruffinihauses gegeben. Dort wurden die Ladeninhaber unter anderem auch aufgefordert, ihr Sortiment durch neue Produkte zu erweitern. Dabei teilte das Referat den Ladenbesitzern mit, dass Produkte, die nicht zum Hauptsortiment eines Ladens gehören, nicht unter Konkurrenzschutz stünden - dass also auch andere Geschäfte im Ruffinihaus sie anbieten dürften.

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Nachdem es im Ruffinihaus keine reine Eisdiele gibt, haben sich die Schmöllers entschieden, im Sommer zusätzlich Eis zu verkaufen. Mit dem Fokus auf "besondere Sorten", passend zum Sortiment im Spanischen Fruchthaus.

Stadt setzt plötzliches Ultimatum

Auf den vorläufigen Mietvertrag, den die Familie Schmöller nach der Sanierung mit der Stadt abgeschlossen hatte, soll zudem ein neuer, richtiger Vertrag folgen. Doch da sieht die Familie in einigen Punkten noch Klärungsbedarf - und bittet um ein persönliches Gespräch. Und wird vertröstet. "Wir haben uns nicht viel dabei gedacht. In der Corona-Krise muss auch die Stadt neue Prioritäten setzen. Wir hatten Verständnis und haben einfach abgewartet", sagt Marina Schmöller.

Trockenfrüchte in allen Farben des Regenbogens.
Trockenfrüchte in allen Farben des Regenbogens. © Daniel von Loeper

Den ersten Dämpfer bekommt das Spanische Fruchthaus Ende Juni. Das Kommunalreferat fordert die Schmöllers per Brief auf, den Verkauf von Eiswaren einzustellen, da dies der schriftlichen Genehmigung durch den Vermieter bedürfe. Nach dem Gespräch im Februar geht die Familie davon aus, dass es sich um ein Missverständnis handeln muss und bittet die Stadt, dieses Mal schriftlich, um ein klärendes Gespräch - auch, was den künftigen Mietvertrag angeht. Außer einer Empfangsbestätigung lässt das Kommunalreferat jedoch nichts mehr hören. Auch da wägt sich die Familie noch in Sicherheit.

... früher wie heute ein Blickfang für die Münchner.
... früher wie heute ein Blickfang für die Münchner. © privat

Vergangene Woche dann der Schock: Das Kommunalreferat fordert die Familie Schmöller auf, den neuen Mietvertrag bis 3. November zu unterzeichnen. Ansonsten gelte das Mietverhältnis als gekündigt.

Im Ruffinihaus befindet sich der Laden seit 1947

Das Kommunalreferat hält sich auf Nachfrage der AZ vage mit dem Verweis auf Datenschutzgründe. Man betont aber den grundsätzlichen Versuch, die Altmieter im Ruffinihaus zu halten. Und dazu gehöre eben auch, dass die Stadt München auf schriftlichen Mietverträgen bestehen muss. Man sei im Austausch mit dem Geschäft.

Die Auslage im Spanischen Fruchthaus.
Die Auslage im Spanischen Fruchthaus. © privat

Kommt es zu keiner Einigung, wäre es das Ende einer bereits mehr als 100 Jahre währenden Betriebsgeschichte: Bereits im Jahr 1912 eröffnete der Spanier Miquel Adrover einen kleinen Fruchtladen gegenüber vom heutigen Geschäft. Im Ruffinihaus befindet sich der Laden seit 1947. Ab 1987 führte Adrovers Enkelin Marion Schmöller das Spanische Fruchthaus und übergab es im März 2020 an ihre Tochter Marina, die es gemeinsam mit ihrem Onkel Christian Bauer führt. Und die nächste Generation steht schon in den Startlöchern, denn Marina Schmöller erwartet im Januar ihr erstes Kind.

Früher wie heute besteht das Hauptsortiment aus ausgefallenen Früchten - getrocknet, kandiert oder schokoliert - sowie Nüssen und Schokoladen zum Essen, Trinken und Backen. Auch spanische Spirituosen, Weine und Süßwaren kann man hier kaufen.

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