München: Hier bekommen Wohnungslose mehr als nur ein Bett

Das Flexi-Heim in der Wotanstraße ist fertig. Es bietet umfassende Betreuungsangebote für Wohnungslose in München.
| Thilo Schröder
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Spartanisch: Blick in ein Zimmer der Unterkunft.
Daniel von Loeper 3 Spartanisch: Blick in ein Zimmer der Unterkunft.
Jede Parzelle verfügt über eine Kochzeile.
Daniel von Loeper 3 Jede Parzelle verfügt über eine Kochzeile.
Versprüht den Flair einer Jugendherberge: Der Eingangsbereich des Flexi-Heims in der Wotanstraße.
Daniel von Loeper 3 Versprüht den Flair einer Jugendherberge: Der Eingangsbereich des Flexi-Heims in der Wotanstraße.

München - Von außen wirkt das Gebäude unscheinbar. Drinnen sind die Wände in bunten Farben frisch gestrichen. Schilder weisen auf ein Sportfeld und einen Spielplatz im Hinterhof; dort stehen momentan noch Bagger, wo mal ein parkähnlicher Garten entstehen soll. In den vergangenen zwei Jahren wurde der frühere Büroturm in der Wotanstraße 88 für rund zehn Millionen Euro komplett umgebaut, um nun wohnungslose Familien zu beherbergen.

Spartanisch: Blick in ein Zimmer der Unterkunft.
Spartanisch: Blick in ein Zimmer der Unterkunft. © Daniel von Loeper

Stadtrats-Beschluss: 5.000 Flexi-Plätze bis 2025

Am Montag ziehen die ersten Bewohner ein. Rund 250 sollen es am Ende sein und damit fast genauso viele, wie in den bisherigen zwei Flexi-Heimen in München zusammen (291). Ein Flexi-Heim zeichnet sich durch variable Wohnaufteilung aus: "Bei Flexi-Heimen sind die Wohnungsgrößen anpassbar, je nach Nutzung", erklärte Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) gestern bei einer Begehung.

2017 hatte der Stadtrat beschlossen, innerhalb von acht Jahren 5.000 Flexi-Plätze zu schaffen, zwei bis drei Heime pro Bezirk. Sechs andere Projekte werden derzeit realisiert, 15 weitere geprüft.

Jede Parzelle verfügt über eine Kochzeile.
Jede Parzelle verfügt über eine Kochzeile. © Daniel von Loeper

Flexi-Heim Wotanstraße: 7 Stockwerke, 49 Parzellen, 250 Bewohner

Dass die Heime von Anwohnern angenommen werden, sei für eine solidarische Gesellschaft zentral, sagte Anna Hanusch (Grüne), Bezirksausschuss-Vorsitzende in Neuhausen-Nymphenburg. Nach anfänglicher Skepsis überwiege nun das Interesse am Konzept.

In der Wotanstraße sind 49 Parzellen auf sieben Stockwerke verteilt, für zwei bis acht Personen. Die größte Wohnung misst knapp 85 Quadratmeter. Wer eine bekommt, entscheidet das Sozialreferat. Die Einrichtung ist spartanisch: Betten, Kleiderschränke, eine Kochzeile, ein Bad (in der Acht-Bett-Wohnung gibt es zwei). Die Stockwerke: identisch aufgebaut, jeweils mit einem Wasch- und einem Abstellraum im Flur. Nur die Wandfarbe ist jeweils eine andere.

Versprüht den Flair einer Jugendherberge: Der Eingangsbereich des Flexi-Heims in der Wotanstraße.
Versprüht den Flair einer Jugendherberge: Der Eingangsbereich des Flexi-Heims in der Wotanstraße. © Daniel von Loeper

Neben Betten wird auch soziale Betreuung angeboten

Das Erdgeschoss gleicht fast einem Hostel. Es gibt dort eine Kinderbetreuung mit Zugang zum Garten, einen Aufenthaltsraum für Erwachsene und einen Saal für größere Veranstaltungen, auch um sich dort mit der Nachbarschaft vernetzen zu können. Noch sind diese Räume leer, Möbel werden noch geliefert.

Auch eine soziale Betreuung wird angeboten. Man wolle die Menschen nicht nur bei der Wohnungssuche beraten, sondern auch damit zusammenhängende Probleme aufarbeiten, so Schiwy: den Verlust der Arbeit, psychische und gesundheitliche Probleme, Integrationsschwierigkeiten. Zuständig ist dafür der Katholische Männerfürsorgeverein München.

Kinderbetreuung als ganz wichtiger Punkt

Neun Erzieher und Sozialpädagogen werden sich um die Bewohner kümmern. Die Kinderbetreuung sei dabei "ganz wichtig", betont Vorstand Ludwig Mittermeier. Sie sollen an Kitas und Schulen vermittelt werden, um die Spirale der Wohnungslosigkeit hinter sich zu lassen.

Zwölf bis 18 Monate verbringen Menschen im Schnitt in solchen Heimen, bis sie eine dauerhafte Bleibe finden. Das Flexi-Modell soll eine "wohnungsnahe Alternative zu Pensionen und Beherbergungsbetrieben" sein, erklärte Schiwy. "Wir möchten raus aus diesem System, denn das hat nichts mit Wohnen zu tun."

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