Landtagswahl 2013: Verbal-Watschn im Wahlkampf

Ein CSU-Rat, die Ex-Wiesn-Chefin, eine Gegnerin des zweiten Tunnels, ein Landsberger Grüner sowie ein SPD-Parteichef, der austeilen kann: Sie alle treten im Stimmkreis Bogenhausen an.
| Von Julia Lenders
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Ein CSU-Rat, die Ex-Wiesn-Chefin, eine Gegnerin des zweiten Tunnels, ein Landsberger Grüner sowie ein SPD-Parteichef, der austeilen kann: Sie alle treten im Stimmkreis Bogenhausen an.
Feindt Ein CSU-Rat, die Ex-Wiesn-Chefin, eine Gegnerin des zweiten Tunnels, ein Landsberger Grüner sowie ein SPD-Parteichef, der austeilen kann: Sie alle treten im Stimmkreis Bogenhausen an.

Bogenhausen - Im Stimmkreis 102 könnte der Wahlabend spannend werden. Zwar war der Osten bei vergangenen Abstimmungen für die CSU eine sichere Bank. Aber bereits bei der Landtagswahl 2008 schrumpfte der Abstand zwischen dem damaligen CSU-Kandidaten Thomas Zimmermann und SPD-Herausforderer Hans-Ulrich Pfaffmann auf überschaubare 3,9 Prozentpunkte. Jetzt werden die Karten neu gemischt – auch weil die CSU einen neuen Bewerber ins Rennen schickt.

Der „Neue“ ist Robert Brannekämper, 47, Diplom-Ingenieur und seit 1996 im Münchner Stadtrat. Er weiß: „Es gibt keine sicheren Bänke mehr. Der Souverän will mitreden, den Kontakt haben – das fordert er zu Recht ein.“ Darüber hinaus hat Brannekämper zwei Konkurrentinnen, die ihn durchaus ein paar Stimmen kosten könnten: Die frühere Wiesnchefin Gabriele Weishäupl hat seit heuer das liberale Parteibuch und tritt nun für die FDP an.

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Und auch Ingeborg Michelfeit, die für die Freien Wähler ins Feld zieht, ist vielen Wählern vor Ort wohl bekannt – durch ihr Engagement gegen die zweite Stammstrecke. Der Münchner SPD-Chef Hans-Uli Pfaffmann (57), der sich bereits zum 4. Mal um das Direktmandat bewirbt, gibt sich zuversichtlich: „Ich denke, dass es diesmal klappen könnte.“

Er betont zwar, dass er die anderen Kandidaten ernst nähme, teilt dann aber einen ganzen Satz verbaler Watschn aus: Weishäupl sei bisher „nicht groß aufgefallen mit politischer Kompetenz“, sagt er. „Wir machen hier Politik und nicht ein wunderschönes Volksfest. Das hat mit Gaudi nichts zu tun.“ Beim grünen Kandidaten Ludwig Hartmann verweist Pfaffmann darauf, dass dieser nicht in München wohnt. „Ich finde, wenn jemand in München kandidiert, muss er auch die Landeshauptstadt München in der Landespolitik vertreten.“

Und dem CSU-Mann Brannekämper attestiert er, „unter fragwürdigen Umständen“ an die Kandidatur gekommen zu sein. Dieser hatte sich zuerst um ein Bundestagsmandat bewerben wollen, doch seine Partei nominierte einen anderen. Nur wenige Tage später ließ Brannekämper es dann bei der Kür des Landtags-Direktkandidaten auf eine Kampfabstimmung ankommen – und stach Thomas Zimmermann aus, der den Stimmkreis seit 1994 vertreten hatte.

Brannekämper kann Pfaffmanns Stichelei nicht nachvollziehen: „Wenn demokratisch gewählt wird, hat das nichts mit dubiosen Methoden zu tun.“ Auch der Grüne Ludwig Hartmann (35), der seinen Lebensmittelpunkt in Landsberg hat und sich dort zwei Mal um das Amt des OB bewarb, verwehrt sich gegen die Kritik. „Man macht Politik für Bayern und nicht nur für den Stimmkreis.“ Außerdem sei er im Münchner Osten sehr wohl präsent und vertreten, zum Beispiel beim Thema zweite Stammstrecke, auch Themen, die die Leute vor Ort angehen. „Das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist in keinster Weise gegeben“, sagt er über das umstrittene Projekt.

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Bei der Landtagswahl 2008 holte Hartmann beachtliche 15,8 Prozent der Erststimmen. Auf seinem Flyer ist sogar seine Handynummer angegeben. Jeder Bürger kann ihn also direkt anrufen. Direkten Kontakt zum Wähler sucht auch Hans-Uli Pfaffmann. Der gelernte Kaufmann und Krankenpfleger zieht von Haustür zu Haustür. „Die Stimmung ist sehr freundlich“, ist sein Eindruck. „Ich bin überzeugt, dass wir bei der Landtagswahl eine Überraschung erleben können.“ Was würde ein Politik-Wechsel für Pfaffmann, der jetzt sozialpolitischer Sprecher seiner Fraktion ist, bedeuten? Hätte er einen Platz im Kabinett?

Pfaffmann wiegelt ab: „Erst wird der Bär erlegt, bevor er verteilt wird.“ Für seine sechs Enkelkinder hätte der 57-Jährige als Minister wohl allerdings noch weniger Zeit als im Wahlkampf. Auch Robert Brannekämper war in den vergangenen Wochen viel unterwegs. Er hat sich aufs Radl geschwungen, um Brennpunkte in seinem Stimmkreis zu besuchen. Zum Beispiel das Gelände des Klinikums rechts der Isar, wo ein neues Forschungszentrum entstehen soll, in dem auch Tierversuche geplant sind.

Dabei stinkt’s den Anwohnern schon jetzt. Während seiner Radtour bei heißen 35 Grad stellte auch Brannekämper fest: „Man roch es deutlich.“ So könne das nicht bleiben. Schafft er es in den Landtag, würde Brannekämper sich am liebsten um die Themen Hochschulbildung, Denkmalschutz und Kultur kümmern. Aber auch die Belange von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei sind ihm ein Anliegen.

Kein Wunder: Brannekämper ist selbst aktiver Feuerwehrmann. Wobei er einräumt: „Heute muss ich mit Papier und Tinte Brände löschen.“ Nächtens zu einer brennenden Mülltonne zu fahren, sei bei seinem Zeitprogramm nicht drin. Zum Stimmkreis Bogenhausen gehören auch die Bezirke Au-Haidhausen und Berg am Laim. Insgesamt dürfen dort rund 118800 Wahlberechtigte mitentscheiden, wer sie künftig im Landtag vertritt.

 

 

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