Künstler besetzen leerstehendes Haus

Kabarettisten, Schauspieler und Aktivisten entern in der Nähe der Staatskanzlei ein städtisches Anwesen, in dem Wohnungen seit Jahren ungenutzt sind. Damit wollen sie auf Missstände aufmerksam machen
| Willi Bock
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Mit einer Aktion an der Pilotystraße 8 hatten Münchner auf das leer stehende Haus aufmerksam gemacht.
Bernd Wackerbauer 2 Mit einer Aktion an der Pilotystraße 8 hatten Münchner auf das leer stehende Haus aufmerksam gemacht.
Pelzig mal ohne Mütze: Frank-Markus Barwasser (links) und sein Kabarett-Kollege Ecco Meineke.
Wackerbauer 2 Pelzig mal ohne Mütze: Frank-Markus Barwasser (links) und sein Kabarett-Kollege Ecco Meineke.

Kabarettisten, Schauspieler und Aktivisten entern in der Nähe der Staatskanzlei ein städtisches Anwesen, in dem Wohnungen seit Jahren ungenutzt sind. Damit wollen sie auf Missstände aufmerksam machen

München - Bei seinem Amts-Jubiläums im September hatte OB Christian Ude (SPD) noch Häme über seine Kritiker ausgeschüttet: Weil „die kritischen Köpfe und großen Geister in der Stadt“ es gewagt hatten, leerstehende städtische Wohnungen zu kritisieren.

Doch am Sonntagabend schlugen die tapfer wieder zu: Udes geliebte Künstler- und Kabarettisten-Szene von Gerhard Polt über Sportfreunde Stiller bis Frank-Markus Barwasser haben eine erneute Protest-Aktion gestartet. Sie besetzten ein fast zehn Jahre leerstehendes städtisches Haus in der Pilotystraße – vis-à-vis der Staatskanzlei.

Die Gruppe hat sich ironisch den Namen „Goldgrund“ gegeben – denn in München kann man fast schon die letzte Bruchbude zu Beton-Gold machen.

Am Sonnstagabend schlugen die Wohnwahnsinn-Guerillas um den rührigen Szene-Gastronomen Till Hofmann (Lach & Schieß, Lustspielhaus) wieder zu – dieses Mal in einem städtischen Gebäude an der Pilotystraße.

Seit rund zehn Jahren wird das Haus von der Stadt quasi systematisch leer geräumt. Nur noch eine resolute Mieterin wohnt dort. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewofag hatte im Frühjahr als Verwalterin erklärt, dass dieses Haus „überplant“ werde.

Die eigentliche Guerilla-Aktion war für den späten Sonntagnachmittag ziemlich geheim vorbereitet worden. Es wurde ein „Aktionsnachmittag mit Leidtragenden des Spekulationswahnsinns“, wie Goldgrund-Gräber Till Hofmann ankündigte. Er präsentierte Leckerbissen aus den Münchner-Filetgrundstücken. Dazu war der Goldgrund-Tross in Bussen an die sündigen Stellen des Wohnungsbaus gefahren worden.

Eine Auswahl:


Müllerstraße: Hier ist einem Heizkraftwerk Münchens teuerste Luxusherberge entstanden („The Seven“).

Glockenbachsuiten: In der Fraunhoferstraße gleich an der Isar soll ein fescher Komplex entstehen. Tausende Münchner stimmen in Unterschriftenlisten dagegen,

Metro-Gelände:  An der Leopoldstraße macht der flache Betonbau mondänen Büro- und Wohngebäuden und einem Feine-Leute-Hotel Platz.

Oettingenstraße: Hier entstehen die feudalen „Lehel-Höfe“, für die – zum Ärger bisheriger Anwohner – schon diverse Bäume gefällt worden sind.

Nach der Rundfahrt wurde das Haus Pilotystraße besetzt, auf mehreren Etagen gab es Programm: Dafür zugesagt hatten die Kabarettisten Gerhard Polt (der selbst schon „entmietet“ wurde), Frank-Markus Barwasser, Jochen Busse, Ecco Meineke sowie Schauspieler wie Brigitte Hobmeier und Carl Oesterhelt. Auch Betroffene machten mit – etwa die Wirte der ehemaligen „München 72“, die schließen musste. Oder vom Atomic Cafe, dem Ähnliches blüht. Dazu die Boxer des TSV 1860, die aus ihrem Trainings-Gebäude heraussaniert werden. Auf der nächsten Etage zeigte das „Bündnis Gartenstadt“ mit Vorher-/Nachher-Bildern Bausünden in der Stadt. Auch das „Bündnis Bezahlbares Wohnen“ um Maximilian Heisler engagierte sich mit.

Im März erst hatte „Goldgrund“ spektakulär das städtische Haus Müllerstraße 6 mit Beschlag belegt: Als Gorillas verkleidet hatten sie eine Wohnung mit einfachen Mitteln renoviert und bewohnbar gemacht. Die Stadt hatte das Haus vergammeln lassen und wollte es abreißen. OB Ude musste einschreiten. Nach dem massiven öffentlichen Protest – an dem sich auch viele Freunde Udes beteiligt hatten – ordnete der OB schließlich an, dass das Haus doch saniert wird.

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