Geschmacklos und unsensibel

AZ-Redakteur Timo Lokoschat über die Verhüllung des Münchner Trümmerfrauen-Denkmals durch die Grünen.
| Timo Lokoschat
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Trümmerfrauen nach 1945.
Wikipedia / Deutsche Fotothek Trümmerfrauen nach 1945.

Sepp Dürr und Katharina Schulze haben Recht. In München gab es laut Stadtarchiv anders als in anderen deutschen Städten tatsächlich vergleichsweise wenige Trümmerfrauen im engeren Sinne.

Trotzdem ist ihre Idee, eine Art beschrifteten Kartoffelsack über ein Denkmal zu stülpen, das an "Trümmerfrauen" und darüber hinaus die "Aufbaugeneration" erinnert, geschmacklos und unsensibel, ohne Not hochnotpeinlich; stellen sie damit doch die Leistung einer ganzen Generation unter Generalverdacht.

Die vielen Briefe und Mails, die die AZ-Redaktion erreicht haben, sind sehr persönlich und betroffen, Menschen fühlen sich und ihre Angehörigen pauschal verunglimpft. Subtrahiert man die Rechtsradikalen, die sich bei solchen Themen bedauerlicherweise ebenfalls zu Wort melden, bleibt ehrliche und aufrichtige Empörung über eine laut den Grünen "spontane Aktion", die wohl etwas zu spontan war.

Politisch gesehen ist das an Instinktlosigkeit kaum zu überbietende Manöver für die Partei nämlich eine Katastrophe. Die wackere Sabine Nallinger, die in wenigen Monaten als Münchner Oberbürgermeisterin kandidiert, kann einem leid tun, wenn das die Wahlkampf-Unterstützung der Landesgrünen sein soll.

Welche Wähler will man mit so einer Aktion erreichen? Wen hinzugewinnen oder mobilisieren?

Das Verhalten von Dürr und Schulze erinnert fatal an das der grünen Bundespartei vor der Bundestagswahl. Die Quittung gab's vom Wähler.

Mehr zum Thema: Die Reaktionen

 

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