Gerns umkämpfte Oase: Taxispark feiert 100-jähriges Jubiläum

1921 eröffnet der Taxispark als Erholungsort für Kriegsbeschädigte. In seiner 100-jährigen Geschichte gab es auch Streit um das Grün, das endlich für alle da ist.
| Eva von Steinburg
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12. Juni 1921: Vor 100 Jahren wird der heutige Taxispark in Gern als Erholungspark für Münchner Kriegsbeschädigte eröffnet.
12. Juni 1921: Vor 100 Jahren wird der heutige Taxispark in Gern als Erholungspark für Münchner Kriegsbeschädigte eröffnet. © Geschwichtswerkstatt Neuhausen

Gern - In den Bäumen zwitschern die Vögel. Der Specht klopft an einen Stamm. Im Taxispark, im östlichen Gern, lassen sich Anwohner auf geschwungenen Holzliegen und auf Parkbänken unter einer Pergola die Sonne ins Gesicht scheinen.

Nicht weit, am Traum-Spielplatz mit Baumhaus, Seilbahn und Bodentrampolins quietscht vergnügt eine Gruppe Kita-Kinder. Nach der Winterpause wird - so Corona will - an der Taxisstraße 12 der Nachbarschaftsbiergarten "Taxisgarten" mit 1.500 Plätzen wieder öffnen.

Der Verein für Verletzte des Krieges hatte früher 1.000 Mitglieder

Der Taxispark in der Taxisstraße feiert am 12. Juni seinen 100. Geburtstag. Als Erholungspark für Kriegsbeschädigte diente er lange Kriegsversehrten in München als eigenes Refugium - als geschützter Ort, an dem arm- und beinamputierte Männer sich im Sommer im Schwimmbad abkühlen konnten.

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Auch frühere Soldaten mit einem Gesichtsstreifschuss oder anderen Verletzungen konnten sich hier — ohne dem Blick der Öffentlichkeit ausgesetzt zu sein — frei sonnen und turnen. "Der Verein 'Erholungspark für Kriegsbeschädigte München' hatte in den 30er Jahren rund 1.000 Mitglieder", erzählt Franz Schröther, Leiter der Geschichtswerkstatt Neuhausen.

Das alte Parkkino ist heute der Festsaal der Wirtschaft Taxisgarten.
Das alte Parkkino ist heute der Festsaal der Wirtschaft Taxisgarten. © Geschwichtswerkstatt Neuhausen

Taxispark: Pacht für Kriegsbeschädigten-Verein 2007 gekündigt

Von 1921 bis 1979 blieb der Erholungspark exklusiv Männern vorbehalten, was den Ruf eines "Schwulenbads" zur Folge hatte. "Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren durften nicht auf das Areal", berichtet Franz Schröther. Wegen der Weigerung des Vereins, den Erholungspark auch für Kinder und Jugendliche zu öffnen, kündigte die Bayerische Schlösser- und Seenverwaltung dem Kriegsbeschädigten-Verein 2007 die Pacht.

Sonnenbad in den frühen 30er Jahren: Einem Mann fehlt der Arm.
Sonnenbad in den frühen 30er Jahren: Einem Mann fehlt der Arm. © Geschwichtswerkstatt Neuhausen

Das Ergebnis war Stillstand: Zehn lange Jahre verwilderte das grüne Grundstück mitten im Wohngebiet, umzäunt und für niemanden zu nutzen. Dass die grüne Oase in Gern vor drei Jahren ein Park für alle wurde, ist zwei Initiativen aus Neuhausen-Nymphenburg mit zu verdanken: Die Bürgerinitiativen "Taxispark - grünes Gern für alle" und "Pro Landshuter Allee Tunnel" haben für den Ort gekämpft. Für 1,9 Millionen Euro ließ die Stadt München den Park 2018 für ihre Bürger neu gestalten.

Traum-Spielplatz mit Baumhaus und Seilbahn.
Traum-Spielplatz mit Baumhaus und Seilbahn. © Daniel von Loeper

Um 1900 bildete die Münchner Polizei auf dem Gelände Spürhunde aus

Noch im 19. Jahrhundert war der Taxispark, heute zwischen zwei Kleingartenanlagen und dem Altenheim Marienstift gelegen, übrigens ein Waldgebiet: ein "Schlupfgebüsch" für Wildtiere.

Später war der sogenannte "König-Ludwig-Einfang" ein Fasanengehege, in dem Jagden stattfanden. Um 1900 bildete die Münchner Polizei auf dem Gelände ihre Spürhunde aus.

In der Nazi-Zeit: Schüler bei einer Bombenschutzübung mit Gasmasken.
In der Nazi-Zeit: Schüler bei einer Bombenschutzübung mit Gasmasken. © Geschwichtswerkstatt Neuhausen

Das alte Schwimmbad von 1921, für die Kriegsversehrten des Ersten und später des Zweiten Weltkriegs, ist heute als "Senkgarten" erhalten. Windgeschützt können die Gerner aus den Nebenstraßen hier jetzt die Märzsonne genießen.

Das frühere Schwimmbad ist nun ein windgeschützter Senkgarten.
Das frühere Schwimmbad ist nun ein windgeschützter Senkgarten. © Daniel von Loeper

Und: Wer beim Biergarten, am Eingang zur Wirtschaft "Taxisgarten" genau hinschaut, erkennt das Relief eines Soldaten mit dem Arm in der Schlinge. Über der Tür prangt ein umkränzter Stahlhelm. Darüber eine Inschrift des — im Ersten Weltkrieg schwer verletzten — Münchner Lyrikers Eugen Roth. Darin geht es um den Opfermut, mit dem Soldaten "Gut und Blut gaben: Dieses "Heim" sollte nach "Müh und Pein für ihre Erholung sein". 76 Jahre nach Kriegsende und zum 100. Jubiläum haben alle Münchner ihre Freude am kleinen Park.

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