Gehen, sitzen, schauen, kaufen? Nicht alle wollen die Weißenburger Straße als Fußgängerzone

Die Politik will mehr Fußgängerzonen für die Stadt. Grüne und Rote schwärmen von dem Flair. Doch vor allem Geschäftsleute sind oft gar nicht so begeistert. Ein AZ-Report aus Haidhausen.
| Myriam Siegert
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Parkplätze weg, Autos raus: Die Weißenburger Straße mit Blick in Richtung Pariser Platz. Mittelfristig könnte hier eine neue Fußgängerzone entstehen.
Parkplätze weg, Autos raus: Die Weißenburger Straße mit Blick in Richtung Pariser Platz. Mittelfristig könnte hier eine neue Fußgängerzone entstehen. © Daniel von Loeper

Haidhausen - Schön wär's schon. So ein bisserl italienisches Flair." Fragt man die Haidhauser nach den Plänen für eine neue Fußgängerzone in der Weißenburger Straße, hört man das oft.

Die Straße ist die zentrale Einkaufsmeile im Viertel und soll, wenn es nach dem Bezirksausschuss (BA) geht, zumindest teilweise, nämlich im Abschnitt zwischen Weißenburger Platz und Pariser Platz zur Fußgängerzone umgebaut werden (AZ berichtete). Die Achse ist gut besucht und sehr lebendig. Zwischen all den Fußgängern, Radlern, Autos und auch Lieferanten wird es hier schnell mal eng. "Die derzeitige Situation ist für alle sehr unbefriedigend", erklärt Jörg Spengler (Grüne), Bezirksausschuss-Vorsitzender in Haidhausen. "Deshalb kam aus dem BA der Antrag für eine Fußgängerzone an die Stadtverwaltung." Dort konnte man das Anliegen der Viertel-Vertreter nachvollziehen und so arbeitete das Planungsreferat drei mögliche Varianten aus.

Jörg Spengler.
Jörg Spengler. © Grüne

Mini-Fußgängerzone soll verlängert werden

Der BA entschied sich in seiner letzten Sitzung im Februar mit großer Mehrheit für die jetzt avisierte Version - eine Verlängerung der schon vorhandenen Mini-Fußgängerzone zwischen Rosenheimer Platz und Weißenburger Platz, die es schon seit 1975 gibt. Ein wichtiger Punkt bei dem Konzept: Die Querverbindungen durchs Franzosenviertel, nämlich die Metzstraße und auch die Pariser Straße, und alle anderen Straßen zu den Plätzen bleiben offen, also für den Autoverkehr durchfahrbar.

Am Weißenburger Platz machen viele Haidhauser gerne Pause.
Am Weißenburger Platz machen viele Haidhauser gerne Pause. © Daniel von Loeper

In der neuen Fußgängerzone sollen auch Radfahrer unterwegs sein dürfen, es soll dementsprechend mehr Radlständer geben. Sämtliche Kfz-Parkplätze würden aber freilich wegfallen. Jörg Spengler erklärt: Man wolle "zusammen mit den Anwohnern und Händlern" schauen, wo Anlieferzonen eingerichtet werden. Gegenwind vonseiten der Geschäftsleute in der Straße, wie etwa bei der Einführung der Radlstreifen in der Fraunhoferstraße, erwartet der BA-Chef eher nicht. "Ich denke, da haben wir in Haidhausen eine ganz andere Situation", sagt er zuversichtlich.

Fragt man bei den Geschäftsleuten nach, klingt das allerdings zumindest teilweise anders. Friseure, Boutiquen, Buchhandlungen, Supermärkte, eine Apotheke, ein Getränkemarkt, Kunsthandwerk, Galerien und ein Schuhgeschäft - die Ladenstruktur in der Straße ist noch recht abwechslungsreich. "Freilich wäre das schön, vor allem, wenn man dann Ware vor dem Laden präsentieren kann. Das ist jetzt ja verboten. Aber insgesamt überwiegen bei mir die Bedenken", sagt etwa Beatrix Obermaier, die in der Straße seit 17 Jahren ihre Boutique "philo_sophie" betreibt. Mehr Laufkundschaft erwartet sie sich nicht. Im Gegenteil: "Ich habe Kunden von außerhalb, die jetzt schon oft keinen Parkplatz finden", sagt sie. "Das würde ja dann nur noch schlimmer werden."

"Unsere Kunden kommen vornehmlich mit dem Auto"

Drastischer formuliert es Eleonore Schippers, Inhaberin des alteingesessenen Fachgeschäfts Betten Lenz: "Unsere Kunden kommen vornehmlich mit dem Auto", sagt sie. "Wenn das kommt, dann werde ich zusperren." Andrea Waldecker, die seit 2017 das Lokal Meisterstück gleich gegenüber betreibt, findet die Idee hingegen gut und hofft in dem Fall freilich auf eine größere Freischankfläche. "Das kann ja etwas sehr Schönes sein, das sieht man ja gut am vorderen Teil der Fußgängerzone, wo die Leute draußen sitzen und sich viel aufhalten", sagt sie.

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Ähnlich sieht es Jutta Bühler, seit 24 Jahren Inhaberin des Haidhauser Buchladens, den es hier schon seit 40 Jahren gibt. "Wenn da eine schöne Bummel-Atmosphäre herrscht, ist das doch toll. Und Haidhausen ist ja nun mal ein Viertel, wo man gerne flaniert", sagt sie. "Für die Anlieger müsste man sich etwas überlegen. Und wie die Anlieferung erfolgen soll, wird ja wohl mitgedacht werden." Die Skepsis der Geschäftsleute überrascht Nina Reitz, Sprecherin der SPD-Fraktion im BA, nicht. Sie erinnert an die Sendlinger Straße, wo die Ladenbetreiber durch die Aufwertung steigende Ladenmieten fürchteten. "Ein Problem, das wir natürlich überall in München haben", sagt Reitz. Deshalb betont sie, werde man Anwohner und Geschäftsleute unbedingt miteinbeziehen und eine Bürgerbeteiligung durchführen. "Die Fußgängerzone an sich wird das Geschäftsleben dort aber eher noch beleben, davon bin ich überzeugt" sagt Reitz.

Nina Reitz.
Nina Reitz. © privat

Einen Zeitplan gibt es noch nicht

Das Fußgängerzonen-Konzept liegt jetzt beim neuen Mobilitätsreferat der Stadt. Dort wird ein konkreter Plan erarbeitet, ganz am Schluss wird wohl der Stadtrat entscheiden. Einen Zeitplan für all das gibt es aber noch nicht. Im BA kann man sich eine Pilotphase, in der die Fußgängerzone erst einmal ausprobiert wird, wie einst in der Sendlinger Straße, gut vorstellen. "Vielleicht können wir 2022 damit starten", schätzt Jörg Spengler.

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