Fauststraße wird bebaut: "Fatale Fehlentscheidung"

In Trudering entstehen 80 Wohnungen - aller Protest hat nichts genützt. Wie die Bürgerinitiative vor Ort auf den Beschluss des Stadtrats reagiert.
| Gaby Mühlthaler
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Die heutige Sporthalle auf dem Areal.
Die heutige Sporthalle auf dem Areal. © Archiv/Mühlthaler

Trudering - Die Bürgerinitiative Fauststraße 90 (BI) ist mit ihrem jahrelangen Kampf gegen Wohnbau auf dem 20.000 Hektar-Areal am Rande der Truderinger Grenzkolonie gescheitert. Der Planungsausschuss segnete den Bebauungsplan für 80 Wohnungen mit den Stimmen von CSU und SPD ab.

"Eine fatale Fehlentscheidung" sei das Votum des Planungsausschusses, teilt die BI nun mit und zählt noch mal all ihre Argumente gegen die Bebauung der ehemaligen Sportanlage auf: Lage im Landschaftsschutzgebiet, irreführende Daten im Aufstellungsbeschluss, Widersprüche bei der Versiegelungs-Bilanz sind nur einige Kritikpunkte. Jahrelang hatte die BI alle Register "im oft nicht anständig geführten Diskurs" - so Stephen Sikder (CSU) aus dem Truderinger Bezirksausschuss (BA) - gezogen.

80 Wohnungen in drei- bis vierstöckigen Häusern

1971 hatte die "Neue Heimat" die Sportanlage errichtet und später ans Isar-Gymnasium verkauft, das sie eine zeitlang nutzte. Dann lag das Gelände lange brach, bis die Optima Ägidius Firmengruppe es 2012 für Wohnungsbau erwarb.

Das rief die Anlieger der umliegenden Straßen auf den Plan, die BI wurde gegründet. Die wetterte gegen mehr Verkehr, eine Wohnsiedlung im Landschafts- und Wasserschutzgebiet - auf dem auch die Grenzkolonie liegt - und forderte den Erhalt dringend benötigter Sportflächen samt Schwimmbad. Die aber sind längst in die Jahre gekommen, durch die Folie des Freiluft-Pools sprießt Vegetation und als 2015 Flüchtlinge in die Sporthalle einzogen, baute der Investor vorsorglich Eisenträger unter der Dachkonstruktion ein. Die ist vom Typ "Eislaufhalle Bad Reichenhall", die 2002 unter der Schneelast einstürzte.

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Gebaut werden sollen nun nach ökologischen Kriterien 80 Wohnungen in sieben drei- bis vierstöckigen Häusern für 180 Menschen und etwa 100 Tiefgaragenplätze. Mit 10,70 Metern Höhe sollen die Gebäude "deutlich unter der Höhe der Baumsilhouette liegen" und nur 70 Zentimeter höher als die benachbarten Einfamilienhäuser sein. Laut Planung sinkt der Versiegelungs-Grad im Vergleich zur Sportanlage, zudem verschwinden die Zäune und der Durchgang zwischen südlichen und nördlichen Waldflächen wird frei. "Verbesserte Öko-Qualität" bescheinigt das Planungsreferat, einverstanden ist auch das Wasserwirtschaftsamt.

Truderinger Grünen beantragen "Umweltbaustelle"

Während der Stadtrat 2016 den Aufstellungsbeschluss auch mit Stimmen der Grünen traf und deren ehemaliger Truderinger Stadtrat Herbert Danner sogar massivere Bebauung forderte, schwenkte die Fraktion später um und lehnt nun die Bebauung ab.

Die Truderinger Grünen beantragten kürzlich sogar eine "Umweltbaustelle" auf dem Areal, um Natur für Münchner Kinder erlebbar zu machen (AZ berichtete). Der BA lehnt das und die Planung wegen mangelhafter ÖPNV-Anbindung ab, "begrüßt die Bebauung aber ausdrücklich". Der nächste Bushalt liegt 350 Meter entfernt, nennenswerten Auto-Mehrverkehr werden die neuen Anwohner laut Planungsreferat nicht auslösen.

 

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