Corneliusbrücke: Der Kini kehrt zurück

Kini statt "Kulturstrand": Auf der Corneliusbrücke soll jene Statue wieder errichtet werden, deren Reste dort bis 1969 standen. Sogar Geld dafür ist schon da.
| Michael Schilling
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Der Kulturstrand der Urbanauten auf dem Isarbalkon mitten auf der Corneliusbrücke. Auf der Stele ist ein Abguss des Kini-Kopfs.
Daniel von Loeper Der Kulturstrand der Urbanauten auf dem Isarbalkon mitten auf der Corneliusbrücke. Auf der Stele ist ein Abguss des Kini-Kopfs.

Auf der Corneliusbrücke soll jene Statue wieder errichtet werden, deren Reste dort bis 1969 standen. Sogar Geld dafür ist schon da.

Isarvorstadt - Wenn es einen erklärten Lieblings-Monarchen gibt in dieser Stadt, dann ist es unbestritten Ludwig II. Den mögen Eingeborene und Zuagroaste, Touristen und Traditionalisten, Schwule und Schulmeister. Zur Kini-Landesausstellung zum 125. Todestag pilgerten knapp 600 000 Menschen nach Herrenchiemsee. Und das Kreuz in Berg am Starnberger See, in dem der Märchenkönig umkam am 13. Juni 1886, ist ein Pflicht-Ausflugsziel, ob für Guglmänner oder Japaner.

Bloß: In München gibt es – anders als von anderen Königen – kein Denkmal, das dieser Beliebtheit gerecht wird. Okay, in den Maximiliansanlagen versteckt sich eine Kini-Statue. Aber um deren Existenz weiß kaum jemand.

Deshalb soll ein neues Denkmal her – an prominenter Stelle: gleich über der Isar auf der Corneliusbrücke.
Am Dienstag, das gilt als sicher, wird der zuständige Bezirksausschuss den Antrag dafür beschließen. Zudem wird die CSU-Fraktion, geführt von OB-Kandidat Seppi Schmid, einen ebensolchen Antrag im Stadtrat einbringen.

Die Idee für dieses Standbild ist nicht neu. An genau dieser Stelle auf dem Balkon der Corneliusbrücke hat König Ludwig II. schließlich schon einmal ein Denkmal gehabt. Über drei Meter groß, in Bronze gegossen vom Bildhauer Ferdinand von Miller. 1910 wurde es feierlich enthüllt.

1942, im Zweiten Weltkrieg, wurde die Statue abgebaut und als „Metallreserve für die Rohstoffversorgung des Reiches“ nach Hamburg gebracht – und eingeschmolzen: der Kini zu Kanonen. Allein der Kopf blieb übrig. Ludwig-Fans erzählen hier gern die Geschichte, dass ein Hamburger Hafenarbeiter es nicht übers Herz brachte, das schöne Haupt des Bayernkönigs in den Ofen zu schieben: Er brachte den Kopf in Sicherheit; über verschlungene Wege gelangte er schließlich zurück nach München. Seit 1963 prangt dieser Kopf – wiederum kaum wahrnehmbar – an einem Nebeneingang des Nationaltheaters, das Opern-Liebhaber Ludwig einst so gern besucht hat.

Ein Abguss des Kopfes steht bereits auf einer Stele an früherer Stelle: auf dem Balkon der Corneliusbrücke. Dort, wo die Urbanauten im Sommer gern ihren Kulturstrand aufschütten (womit es nach einer Rekonstruktion des Denkmals wohl vorbei wäre).

Seit Jahrzehnten propagiert in München der Kini-Fan und Vereinsgründer Hannes Heindl den Plan, das Denkmal wieder an früherer Stätte zu errichten. Schwung hat die Sache aber erst jetzt bekommen. Dietmar Holzapfel, München-Kenner, Kini-Fan und Wirt des Hotels „Deutsche Eiche“ in der Reichenbachstraße, hat den Antrag ins Rollen gebracht. Und die „Deutsche Eiche“, die im kommenden Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiern will, liefert auch gleich „eine Anschubfinanzierung“, wie Holzapfel es nennt: 150 000 Euro wird das Lokal spendieren für das Kini-Denkmal – und will dann 2014 mit dem neuen Ludwig ein Jubiläum feiern.

Ein noch zu gründender Verein wird weitere Spenden einsammeln. Insgesamt, so erste Schätzungen, wird das Kunstwerk zwischen 500 000 und 600 000 Euro kosten: Zur Statue kommen noch Fundament, das Podest mit Säulen und die steinerne Einhausung, die den Kini einst umhüllt hat.

„Deutsche Eiche“-Wirt Holzapfel, ein geprüfter Stadtführer, hat recherchiert, dass die steinernen Teile im Winter 1969/70 „trotz großer Proteste in der Bevölkerung“ abgetragen wurden. Heute würden sie, ordentlich nummeriert, in einem Lager der Stadt in Englschalking schlummern.

Holzapfel wähnt das „Denkmal-Puzzle weitgehend komplett“. Allein die Krone, die einst auf dem gemauerten Bogen über dem bronzenen Kini schwebte, fehle. Aber die tauche sicher auch noch auf.

Dann ist der Ludwig über der Isar wieder komplett. Und München hätte endlich ein Kini-Denkmal, das dem König gerecht wird.
 

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