BA-Vize hat Ärger wegen Mauer-Video: "Eine Barriere gegen Flüchtlinge"

Der zweite Vorsitzende des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach hat mit seiner Drohne ein Video von der Mauer um die Flüchtlingsunterkunft gedreht und bekommt nun sowohl Hass aus aller Welt als auch Vorwürfe aus der Lokalpolitik.
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Zum Vergleich: Die Berliner Mauer war niedriger.
Zum Vergleich: Die Berliner Mauer war niedriger. © AZ-Screenshot

Neuperlach – Für Guido Bucholz ist die Mauer ein Monstrum. Ein Monstrum, das ihn an die Berliner Mauer erinnert, die, nebenbei bemerkt, niedriger war als der Schallschutzwall, den die Stadt um die entstehende Flüchtlingsunterkunft in der Nailastraße in Neuperlach ziehen ließ. Nicht auf eigene Initiative, sondern die der Nachbarn, die durch die Gemeinschaftsunterkunft Lärm und sonstige Belästigungen befürchten.

Der parteilose Vize-Vorsitzende des Bezirksausschusses Ramersdorf-Perlach hat deshalb mit seiner Drohne ein Video gedreht, in dem er mit dem Bau hart ins Gericht geht. Auf den Videoaufnahmen ist zu sehen (hier können Sie das Video ansehen), dass die Entfernung zwischen dem Unterkunfts-Gebäude und den Gärten der Anwohner fast 100 Meter beträgt. Für Bucholz gilt hier das Lärm-Argument nicht mehr. "Meiner Meinung nach handelt es sich hier nicht um eine Schallschutzmauer sondern ganz eindeutig um eine Barriere gegen Flüchtlinge", sagt er.

Das sagen AZ-Leser zur Neuperlacher Mauer

Mit seinem kritischen Video hat Bucholz jedenfalls Aufmerksamkeit weit über die Münchner Stadtgrenzen hinaus erregt. Aus Italien, Schweden und sogar Russland habe er schon Anfragen bekommen. Der Großteil der Kontaktaufnahmen bestünde aus Hass-Mails, er würde die "Berliner Maueropfer verunglimpfen", oder den Stadtteil Neuperlach beschmutzen. "Das sind noch die relativ harmlosesten Mailinhalte. Es gibt auch Aufforderungen, mich für Wachtürme an dieser Mauer einzusetzen", so Bucholz. 

Die Mauer als Kompromiss, um einen Baustopp zu verhindern

Warum dem Lokalpolitiker gerade aus dem näheren Umfeld Vorwürfe gemacht werden: Er selbst war dabei, als die Mauer als Kompromiss zwischen Stadt und Anwohnern beschlossen wurde. Ursprünglich wollten einige Neuperlacher vor Gericht einen Baustopp des Flüchtlingsheims erwirken.

"Ich hätte im Rathaus laut und deutlich sagen müssen, dass ich eine Mauer grundsätzlich ablehne! Ich habe mir innerlich gesagt: Dann lass die doch endlich diese Mauer vor die Gärten der Kläger bauen, Hauptsache der Bau der Unterkunft geht weiter."

Das wahre Ausmaß der Entscheidung erkannte Bucholz erst am letzten Dienstag, als er die fast fertige Mauer live sah: "Ich war entsetzt. Da musste und konnte ich erst begreifen, wie eine vier Meter hohe Mauer aussieht, noch dazu ca. 100 Meter lang. [...] Beim Schneiden des Films am Dienstagabend haben mich dann meine Eindrücke überrollt. Dann lief es bei mir ab wie ein Programm: Mauerbilder einbauen, Text dazu, fertig. Das ging also sehr spontan und war maßgeblich gesteuert durch den Anblick dieses Monstrums!", erklärt Bucholz, der aufgrund der Flut an Anfeindungen inzwischen keine Interviews mehr zu seinem Film geben will.

Eins möchte der Vize-Chef, der seit 20 Jahren Mitglied im BA Ramersdorf-Perlach ist, jedoch noch klarstellen: Mir geht es nicht um die Kläger und ich habe auch keinerlei Grund, diese an den Pranger zu stellen. Es geht mir um das schreckliche Ergebnis, welches durch ein Schallgutachten und Segen durch ein Gericht entstanden ist, die Refugees Wall!"

"Checkpoint Ali" - ein symbolischer Durchgang durch die Neuperlacher Mauer

Am Mittwochnachmittag hat das Bündnis Bellevue di Monaco in Neuperlach eine satirische Protestaktion geplant und will dort den Checkpoint Ali, einen symbolischen Durchgang durch die Mauer errichten. Mit dabei sind prominente Unterstützer wie Günter Grünwald, Willy Astor, die Sportfreunde Stiller und viele andere. Guido Bucholz will auch kommen.

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