BA-Chefin Ingeborg Staudenmeyer (65) tritt ab

22 Jahre war sie an der Spitze des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg. Der AZ hat sie die wichtigsten Projekte im Stadtteil gezeigt.
| Georg Thanscheidt
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Das Kreativquartier an der Schwere-Reiter-Straße: Hätte Ingeborg Staudenmeyer nicht so hartnäckig für den Erhalt gekämpft, wären die Bauten der alten Städtischen Werke auf dem riesigen Areal zwischen Dachauer-, Loth- und Schwere-Reiter-Straße wohl schon längst abgerissen worden.
Petra Schramek 9 Das Kreativquartier an der Schwere-Reiter-Straße: Hätte Ingeborg Staudenmeyer nicht so hartnäckig für den Erhalt gekämpft, wären die Bauten der alten Städtischen Werke auf dem riesigen Areal zwischen Dachauer-, Loth- und Schwere-Reiter-Straße wohl schon längst abgerissen worden.
Der Charakter des neuen Areals ist der BA-Chefin wichtig - und wenn man mit ihr zusammen die jetzigen Nutzer und Bewohner des Areals trifft, merkt man auch, dass diese sich wichtig und ernst genommen fühlen.
Petra Schramek 9 Der Charakter des neuen Areals ist der BA-Chefin wichtig - und wenn man mit ihr zusammen die jetzigen Nutzer und Bewohner des Areals trifft, merkt man auch, dass diese sich wichtig und ernst genommen fühlen.
Der Spaziergang führt vorbei am "Pathos".
Petra Schramek 9 Der Spaziergang führt vorbei am "Pathos".
Hereinspaziert: Hier geht's zum Taxisgarten.
Petra Schramek 9 Hereinspaziert: Hier geht's zum Taxisgarten.
Die nächste Station des Spazierganges: das Gelände hinter dem Taxisgarten.
Petra Schramek 9 Die nächste Station des Spazierganges: das Gelände hinter dem Taxisgarten.
Hier sollten eigentlich Einrichtungen wie eine Kinderkrippe stehen. Doch der Bau wurde gestoppt. Das hat 1,5 Millionen Euro gekostet.
Petra Schramek 9 Hier sollten eigentlich Einrichtungen wie eine Kinderkrippe stehen. Doch der Bau wurde gestoppt. Das hat 1,5 Millionen Euro gekostet.
Zu klein: das Neuhauser Bürgerbüro in der Leonrodstraße.
Petra Schramek 9 Zu klein: das Neuhauser Bürgerbüro in der Leonrodstraße.
Treffpunkt für viele Schüler im Viertel: das Winthir-Gymnasium.
Petra Schramek 9 Treffpunkt für viele Schüler im Viertel: das Winthir-Gymnasium.
Im Februar geht Ingeborg Staudenmeyer als Geschäftsführerin des Münchner Seniorenbeirats nach fast 20 Jahren in Rente.
Petra Schramek 9 Im Februar geht Ingeborg Staudenmeyer als Geschäftsführerin des Münchner Seniorenbeirats nach fast 20 Jahren in Rente.

Neuhausen - "Wissen Sie", sagt Ingeborg Staudenmeyer, blickt auf den aufgeworfenen Erdhügel vor sich und seufzt, „in Neuhausen hat alles seine 25-jährige Vorgeschichte.“ Und das ist jetzt echt ein Problem. Denn die 65-Jährige hat keine Zeit mehr.
Ihre eigene Partei, die SPD, hat sie aus dem Rennen genommen – nach 22 Jahren. So lange ist Ingeborg Staudenmeyer Bezirksausschussvorsitzende des Stadtbezirks Neuhausen-Nymphenburg.

Sie ist eine von 25 "Viertel-Bürgermeistern" in München. Engagierte Bürger, Lokalpolitiker zum Anfassen. Von der großen Kommunalpolitik manchmal belächelt, aber im Geflecht von Verwaltung, Rat und Stadtspitze immer wichtiger – und für die Bürger vor Ort sowieso.
Über fast 1300 Hektar erstreckt sich das Gebiet, für das Ingeborg Staudenmeyer verantwortlich ist – begrenzt durch den Schlosspark Nymphenburg im Westen, die Stammstrecke im Süden bis zur Freiheizhalle, diagonal am Herzzentrum vorbei bis zum Tollwood-Gelände im Olympiapark im Nordosten. 94.000 Menschen leben hier. Wäre das Viertel eine eigene Stadt, es wäre die neuntgrößte in Bayern – hinter Erlangen, vor Bayreuth und Bamberg.
Aber jetzt ist Schluss. Ingeborg Staudenmeyer tritt ab. Nach über 30 Jahren im Stadtviertel-Parlament. Nach 22 Jahren an der Spitze des Ausschusses. Und das macht sie nicht ganz freiwillig – aber getreu ihrem Motto: "Ganz oder gar nicht."

Als die SPD im Viertel sie bei der Listenaufstellung für die Kommunalwahl 2014 nicht mehr auf Platz 1 setzte, sondern ihr den Genossen Oliver Belik vor die Nase setzte, fiel die Wahl auf „gar nicht“. Sie kandidiert nicht mehr.

Neuhausen ohne Staudenmeyer? Viele können sich das nicht vorstellen. Und Ingeborg Staudenmeyer auch nicht so richtig. Es ist ihr Viertel, seit die gebürtige Ingolstädterin nach einem kurzen Abstecher nach Ostfriesland („da war ich eine Exotin“) 1980 hier heimisch wurde. Und sie hatte doch noch so viel vor. Die AZ hat mit ihr einen Rundgang durchs Viertel gemacht. Ingeborg „die Unvollendete“ Staudenmeyer zeigt die Projekte, die sie mit angestoßen hat und die sie so gerne realisiert sehen möchte. Das Vermächtnis einer Vollblut-Viertel-Veteranin.

 

Raum für Büros, Wohnungen und Künstler

Das Kreativquartier Schwere-Reiter-Straße
: Der Kampf um den Erhalt der Tonnen- und der Jutierhalle stand ganz am Anfang der Aktivitäten der „Viertel-Bürgermeisterin“. Hätte Ingeborg Staudenmeyer nicht so hartnäckig für den Erhalt gekämpft, die Bauten der alten Städtischen Werke auf dem riesigen Areal zwischen Dachauer, Loth- und Schwere-Reiter-Straße wären wohl schon längst abgerissen worden. Nun soll auf dem gesamten Areal Raum für mindestens 900 Wohnungen, eine Grundschule, künstlerische Nutzung und Büros für Existenzgründer entstehen. "Ich finde es gut, dass das Alte nicht einfach weggerissen wird, sondern Zug um Zug in das neue Kreativquartier integriert wird", sagt Ingeborg Staudenmeyer.

Der Charakter des neuen Areals ist ihr wichtig - und wenn man mit ihr zusammen die jetzigen Nutzer und Bewohner des Areals trifft, merkt man auch, dass diese sich wichtig und ernst genommen fühlen.  Die 65-Jährige wohnt ganz in der Nähe - einmal über die Dachauer rüber. "Nymphenburg kann ich mir nicht leisten", sagt sie nur halb scherzhaft.

Für Kinder, Senioren und Kultur: im Ehrenamt geht es weiter

Wir für Neuhausen: Die Tour mit der AZ führt Ingeborg Staudenmeyer auch auf den Neuhauser Weihnachtsmarkt am Rotkreuzplatz. Hier fühlt sie sich wohl. Seit 2003 verkaufen hier verschiedene Initiativen in einem selbst ausgebauten Standl Selbst-Gebasteltes - unter anderem zur Unterstützung des Abenteuerspielplatzes im Viertel. Das Motto ist „Wir für Neuhausen“. Staudenmeyer sagt dazu: "Mei, das ist auch schon wieder zehn Jahre her, seit wir damit angefangen haben."

Dabei hat Ingeborg Staudenmeyer jetzt bald viel Zeit - und viel vor: Im Februar geht sie als Geschäftsführerin des Münchner Seniorenbeirats nach fast 20 Jahren in Rente. Nur um an gleicher Stelle als ehrenamtliche Vorsitzende der Senioren-Vertretung weiterzuarbeiten. Und Vorsitzende des Kulturvereins Neuhausen-Nymphenburg bleibt sie sowieso.

Anwohner sorgen für Baustopp


Der Neuhauser Trafo: Vor 107 Jahren bauten die Elektrizitätswerke an der Ecke Nymphenburger/Aldringenstraße einen Transformator, seit drei Jahren stehen hier nach siebenjähriger Planung die zusammengelegte Stadtbibliothek und das Alten- und Servicezentrum. Was hier auch schon längst stehen sollte: der zweite Bauabschnitt des Trafo-Komplexes. Sozialwohnungen, eine Kinderkrippe, ein Bürgersaal, Gruppenräume und ein Bistro.

Stattdessen stehen dort Metallgitter, große schwarze Erdhaufen liegen auf der Brache vor repräsentativen Bürgerhäusern. Anwohner haben 2011 einen Baustopp erwirkt – „es ging um Zentimeter und der Stopp hat uns überschlagsweise 1,5 Millionen Euro gekostet“, sagt Staudenmeyer mit Blick auf die Brache. Größtenteils waren das Fördergelder der Regierung von Oberbayern für die Krippe und den Wohnungsbau. Die Stadt hofft, den Kostenrahmen halten zu können, Staudenmayer schätzt ihn auf „zwölf Millionen plus x“. Fertigstellung: nicht vor Ende 2014.

Wenn es um die Anliegen Schwacher und Bedürftiger geht, kann die SPD-Politikerin ganz schön züntig werden – da hält sich ihr Verständnis für die Anwohner („Richter und Architekten!“) in engen Grenzen. Ähnlich beherzt agiert sie gegenüber der Stadtverwaltung – zum Beispiel als es um den gerade fertig gestellten Radweg am Rotkreuzplatz ging: „Jeder weiß es besser, aber machen tut keiner was“, fasst sie ihre administrativen Erfahrungen zusammen.

Mehr Platz für das "kleine KVR"

Das Neuhauser Trafo: Dieses Areal ist ein Münchner Kuriosum. Vor 92 Jahren wurde es den Kriegsbeschädigten zur Nutzung und Erholung überlassen – der Unterhalt des Parks wurde durch die Pacht des Biergartens gedeckt. 2007 kündigte der Freistaat im Streit dem Kriegsbeschädigten-Verein. Seitdem wird die Fläche hinter dem Biergarten nicht mehr genutzt. Auf 13.000 Quadratmetern stehen hier mehrere eingeschossige Bauten, unter anderem mit einem Schwimmbad.
Ingeborg Staudenmeyer fürchtete, dass das Grundstück nicht mehr öffentlich nutzbar sein wird: „Da kam so ein hohes Tier aus dem Finanzministerium vorbei und wollte uns drauf hinweisen, dass das doch ein Filet-Grundstück sei. Aber da ist er an die Richtige geraten“, sagt sie.
Auf Antrag des BAs verhandelt nun die Stadt München mit dem Freistaat. Das Ziel: Den Park zu pachten – für 1 Euro pro Quadratmeter. Vor zwei Wochen fällte der Stadtrat einen Beschluss – nun beginnt die Verhandlungsphase: „Das müssen die künftigen BAler im Auge behalten“, sagt Staudenmeyer auch hier.


Ein "Filet-Grundstück" für alle

Erholungspark Taxisgarten: Dieses Areal ist ein Münchner Kuriosum. Vor 92 Jahren wurde es den Kriegsbeschädigten zur Nutzung und Erholung überlassen – der Unterhalt des Parks wurde durch die Pacht des Biergartens gedeckt. 2007 kündigte der Freistaat im Streit dem Kriegsbeschädigten-Verein. Seitdem wird die Fläche hinter dem Biergarten nicht mehr genutzt. Auf 13.000 Quadratmetern stehen hier mehrere eingeschossige Bauten, unter anderem mit einem Schwimmbad.

Ingeborg Staudenmeyer fürchtete, dass das Grundstück nicht mehr öffentlich nutzbar sein wird: „Da kam so ein hohes Tier aus dem Finanzministerium vorbei und wollte uns drauf hinweisen, dass das doch ein Filet-Grundstück sei. Aber da ist er an die Richtige geraten“, sagt sie.
Auf Antrag des BAs verhandelt nun die Stadt München mit dem Freistaat. Das Ziel: Den Park zu pachten – für 1 Euro pro Quadratmeter. Vor zwei Wochen fällte der Stadtrat einen Beschluss – nun beginnt die Verhandlungsphase: „Das müssen die künftigen BAler im Auge behalten“, sagt Staudenmeyer auch hier.

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