Alternatives Wohnprojekt: Groß-WG in Haidhausen

In der Metzgerstraße baut die Genossenschaft Kooperative Großstadt ein Haus für Münchner, die sich gegenseitig unterstützen wollen.
| Eva von Steinburg
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Attraktiv: die Baulücke in der Metzgerstraße 3a.
Attraktiv: die Baulücke in der Metzgerstraße 3a. © Daniel von Loeper

Haidhausen - Die Lage ist bezaubernd, der charmante Johannisplatz liegt direkt um die Ecke. In der Metzgerstraße 3a, quasi in der letzten Baulücke von Haidhausen, entsteht ein alternatives Wohnprojekt: ein Haus für eine Groß-WG.

Fünfstöckiges Vorzeigehaus: Baubeginn Mitte 2022

Auf der Mini-Fläche von 170 Quadratmetern will die Münchner Genossenschaft Kooperative Großstadt ein fünfstöckiges Vorzeigehaus bauen, das später einmal 450 Quadratmeter Wohnfläche bietet. Mitte 2022 soll mit dem Bau begonnen werden.

Die junge Genossenschaft probiert dabei ein Wohnkonzept, das in München einzigartig ist. Markus Sowa (47), Mitglied des Vorstands, erklärt: "Es ist ein Wagnis. Wir rechnen mit 16 bis 17 Menschen, die hier gemeinschaftlich wohnen wollen und sich dabei gegenseitig unterstützen."

Drei Zimmer sind für Münchner mit Behinderung geplant

Die Bewohner sollen aus allen Generationen stammen. Explizit wichtig ist den Planern das Thema Inklusion: Drei Plätze sollen Münchnern mit Behinderung angeboten werden, die einen Assistenten benötigen. Dieser soll ebenfalls Lust auf die Hausgemeinschaft haben und mit einziehen.

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In der Groß-WG hat zwar jeder sein Zimmer mit Teeküche und ein Bad. Gekocht, gebacken und gegessen wird aber in Gemeinschaftsküchen oder an dem zentralen, langen Tisch im Erdgeschoss, an dem alle Bewohner sitzen können. Dieser Haupt-Wohnraum soll große Glasöffnungen zur Metzgerstraße hin erhalten. Der Raum soll Initiativen aus dem Viertel offenstehen, wie der "Kinderküche" in Haidhausen. Die Initiative "Wohnsinn" möchte in Zukunft ihre Info-Veranstaltungen hier machen. Lesungen sind ebenfalls geplant.

Ab Frühjahr läuft die Bewerbung für die alternative WG

Der Münchner Architekt Markus Sowa hat als Student selbst in WGs gewohnt. Er sagt: "Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht, auch gute mit Streit, das gehört dazu. Der war nie so schlimm, dass es mir zu viel geworden wäre."

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Ab Frühjahr läuft die Bewerbung für die alternative WG in Haidhausen. Zuerst werden die knapp 500 Mitglieder der Genossenschaft informiert. Voraussetzung für die Bewerbung ist ein Bezugschein vom Wohnungsamt. Denn die Zimmer werden über das München Modell der Stadt vergeben, das bei mittleren Einkommen greift. 

Für die Groß-WG ist eine solidarische Lebenseinstellung die Grundlage. Sowa: "Wer in die Metzgerstraße einzieht, soll sich einlassen wollen. Idealerweise ist den neuen Bewohnern der Genossenschaftsgedanke wichtig. Sie brauchen ein Interesse dafür, mit Menschengruppen zusammen zu sein und die Bereitschaft, Bedürfnisse zu verhandeln und zu diskutieren."

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Sowa: Kleine Baugenossenschaften erleben "Revival"

Kleine Baugenossenschaften, wie die Kooperative Großstadt, erleben in München ein "Revival", sagt Markus Sowa. "Vor fünf Jahren waren wir eine der ersten Neugründungen, jetzt gibt es annähernd 20 neue Baugenossenschaften."

Normalerweise bekämen diese aber Grundstücke in den Neugebieten am Stadtrand, wie in Riem, wo die Kooperative 27 Wohnungen für 85 Personen gebaut hat oder auf der Großbaustelle in Freiham.

Die Gelegenheit in einem so attraktiven Viertel wie Haidhausen zu bauen, sieht Sowa als "neue Erfahrung, mit der Chance sichtbarer zu sein". Seine Genossenschaft hat sich entschlossen, hier Menschen ein Zuhause zu bauen, die sonst für ihre Ideen und ihren Geldbeutel in Haidhausen keinen Platz mehr fänden.

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