Stadtrat verärgert: Mathäser-Abriss nimmt nächste Hürde – trotz Kritik

Der drohende Abriss des Mathäser-Filmpalasts am Stachus sorgt für Empörung im Münchner Stadtrat: Trotz offener Fragen und politischer Kritik hat die Lokalbaukommission einen Bauvorbescheid für ein "Mixed Use"-Quartier erteilt – die Zukunft des Kinos bleibt ungewiss.
von  Jan Krattiger
Bald Schluss mit Kino? Der Mathäser an der Bayerstraße 3-5 am Stachus könnte schon bald abgerissen werden - laut Plänen der Zurich Immobilien, die die Liegenschaft besitzt. Noch ist aber nichts in Stein gemeißelt.
Bald Schluss mit Kino? Der Mathäser an der Bayerstraße 3-5 am Stachus könnte schon bald abgerissen werden - laut Plänen der Zurich Immobilien, die die Liegenschaft besitzt. Noch ist aber nichts in Stein gemeißelt. © Ben Sagmeister

Es war Anfang des Jahres eine überraschende Nachricht, die viele aufschreckte und verärgerte: Das Mathäser-Multiplexkino an der Bayerstraße 3-5 am Stachus soll abgerissen werden und einem Neubau weichen. Das Kino mit seinen 14 Sälen und über 4000 Plätzen gilt als erfolgreichstes Kino Deutschlands, hier finden regelmäßig Weltpremieren statt. Und: Es hat erst vor 23 Jahren eröffnet, nach vierjähriger Bauzeit.

Droht der Gegend um den Hauptbahnhof also noch eine Riesenbaustelle, nachdem bereits das alte Hertie-Haus seit Jahren vor sich hin gammelt – und auch der benachbarte ehemalige Galeria (das Zechbauer-Haus) seit Jahren leer steht?

Mathäser-Filmpalast: Zum Abriss freigegeben

Dem Abriss und Neubau sind nun jedenfalls die Eigentümer des Grundstücks, eine Tochter der Zurich Immobilien, einen Schritt näher. Die Lokalbaukommission hat ihnen dafür nun den Bauvorbescheid erteilt. Der gilt für den Neubau eines sogenannten "Mixed-Use"-Quartiers mit Büros, Einzelhandel, Kultur und Wohnungen. Die "SZ" hat darüber zuerst berichtet.

Der Mathäser gilt als meistbesuchtes Kino Deutschlands. Mit seinen 14 Sälen und über 4000 Plätzen gilt es als wichtiger Kinostandort. Erst 2003 hatte es eröffnet.
Der Mathäser gilt als meistbesuchtes Kino Deutschlands. Mit seinen 14 Sälen und über 4000 Plätzen gilt es als wichtiger Kinostandort. Erst 2003 hatte es eröffnet. © Ben Sagmeister

Der Bauvorbescheid hat vor allem den Stadtrat überrascht. Denn der hatte nach Bekanntmachung der Pläne Anfang des Jahres schon verärgert reagiert – und Mitsprache gefordert. Die damalige Fraktion der Grünen/Rosa Liste/Volt hatte Ende Januar beantragt, dass das städtische Planungsreferat prüft, ob es eine Veränderungssperre "oder alternative Instrumente" einsetzen kann, um den Mathäser-Filmpalast zu erhalten "und eine neue Mega-Baustelle im Bahnhofsumfeld abzuwenden", wie es im Antrag heißt.

Der Antrag ist noch nicht beantwortet, Gespräche mit dem Stadtrat hat es aber gegeben laut einer Sprecherin des Planungsreferats. Der Vorbescheid wurde vorgestellt, "es hat zudem im Februar ein Gespräch mit den damals regierenden Fraktionen stattgefunden", so Alexandra Kürschner, Sprecherin der Stadtbaurätin, zur AZ. Da sei festgehalten worden, "dass es sich weniger um ein baurechtliches Thema, sondern vielmehr um eines der Wirtschaftsförderung handele".

"Völlig unsinnig"

Ein erst 25 Jahre altes Gebäude abzureißen, sei "völlig unsinnig", findet die Grünen-Stadträtin Sibylle Stöhr. Weil die geforderte Veränderungssperre nicht möglich ist, seien "jetzt alle planungsrechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft". Das bedauere ihre Fraktion sehr. Was noch bleibt: "Wir appellieren an die Investoren, diesen einzigartigen Ort zu erhalten", sagt Stöhr. "Das wäre ein wichtiges Zeichen für den Film- und Kinostandort München".

Bedauern und ein Appell kommen auch vom SPD-Wirtschaftsreferenten Christian Scharpf, also dem Mann, der in München für die Wirtschaftsförderung zuständig ist: "Rechtlich mag das alles in Ordnung sein", schreibt er auf seinem Instagram-Kanal, "aber der mögliche Abriss des Mathäser-Filmpalasts wäre ein schmerzlicher Verlust für das kulturelle und gesellschaftliche Leben Münchens und vor allem für unsere Filmwirtschaft", so Scharpf. Die Frage dürfe schon erlaubt sein, "welche Art von Innenstadt wir wollen. Sicher kein Einheitsbrei mit einer austauschbaren Planung aus dem üblichen Nutzungsmix", fordert Scharpf.

Wie geht es weiter?

Laut Zurich Immobilien ist noch nicht konkret, was genau gebaut wird – und wann es losgeht. Die AZ hat am Montag keinen Sprecher erreichen können. Laut "SZ" prüfen die Eigentümer aktuell, "ob und wann ein Neubau umgesetzt werden kann". Vor den 2030er-Jahren sei ein Baustart nicht vorgesehen.

Die Kinobetreiber, die Firma Kinopolis aus Darmstadt, haben noch einen Mietvertrag bis 2033. Laut Zurich werde geprüft, wie "das bestehende Kinoangebot auch in einem zukünftigen Quartier erhalten und zeitgemäß weiterentwickelt werden kann".

Alles ist also noch nicht entschieden am Stachus, darum will auch der Stadtrat weiterhin ein Auge auf die Entwicklungen haben. Sie sollte "bei der Gestaltung des Mathäser-Areals den Schulterschluss mit der Eigentümerin suchen", findet Sebastian Kriesel, CSU-Stadtrat und planungspolitischer Sprecher seiner Fraktion. Die schlägt einen freiwilligen Gestaltungswettbewerb unter Einbindung des Stadtrats vor. Dass das Kino erhalten bleibt, könne als Voraussetzung festgeschrieben werden.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.