Stadt-Wege in herbstlichen Farben

Am Wochenende und an den ersten Ferientagen wird es noch einmal richtig sonnig. Eine ideale Gelegenheit, um ein Viertel abseits des Trubels zu erkunden. Vier Spaziergänge.
| Tina Angerer
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Nutzen Sie die vielleicht letzten milden Herbsttage und spazieren Sie durch die Münchner Viertel
Foto: Federico Gambarini, dpa Nutzen Sie die vielleicht letzten milden Herbsttage und spazieren Sie durch die Münchner Viertel

Am Wochenende und an den ersten Ferientagen wird es noch einmal richtig sonnig. Eine ideale Gelegenheit, um ein Viertel abseits des Trubels zu erkunden. Vier Spaziergänge

München - So muss es sein, wenn die Ferien beginnen: In den nächsten Tagen zeigt sich in München die Herbstsonne, 16 Grad soll es warm werden. Auch an Allerheiligen, wenn die Familien an den Gräbern stehen, wird es nicht trübe grau sein, sondern golden. Für viele ist das die schönste Zeit des Jahres: die letzten Nachmittage, an denen man sich draußen hinsetzen kann, die letzte Tage vor dem Raureif und den ganz dunklen Wochen. Für einen schönen Spaziergang muss es längst nicht immer das Umland sein. Auch die eigene Stadt kann man da mit anderen Augen sehen, zum Beispiel Viertel erkunden, in denen man lange nicht gewesen ist oder einfachmal wieder bewusst durch die Straßen gehen, abseits der Hektik des Alltags.

Die AZ hat vier Stadt-Spaziergänge zusammengetragen. 

 

Von Pilgern, Herbergen und selbstgebrautem Bier

Wir starten am Max- Weber-Platz und gehen Richtung Innere Wiener Straße und biegen gleich rechts in einen kleinen Durchgang ein, der die Treppe runter „An der Kreppe“ zu den ersten kleinen Herbergenhäusern führt. Der Durchgang endet am Wiener Platz, von dort aus geht es die Innere Wiener rechts weiter. Oberhalb der Muffathalle wird auf der rechten Seite die Nikolai Kirche sichtbar – dort wurden früher Lepra- Kranke im St.-Nikolai- Spital behandelt – heimkehrende Pilger hatten die schwere Krankheit mitgebracht. Nahe der Kirche ist die Loretokapelle - der Altöttinger Gnadenkapelle nachempfunden.

Wir biegen links in die Preysingstraße ein, an der wir immer bleiben– vorbei am Preysingplatz mit seiner evangelischen Johannes-Kirche, bis zu dem großen Holzhaus, dem Kriechbaumhof, der heute dem Alpenverein gehört. Hier beginnen die kleinen Herbergenhäuser, in denen einst die Tagelöhner wohnten. „Die Stadt München – damals noch auf der anderen Seite der Isar – wollte sie nicht innerhalb ihrer Grenzen haben“, sagt Stadtführer Rudolf Hartbrunner.

Der Preysinggarten (Preysingstr. 69) ist dort eine schöne Familien- Einkehr oder das Wirtshaus „Zum Kloster“ (Preysingsstr. 77) mit seinen selbstgemachten Kuchen. Am Ende der Straße links in die Leonhardstraße, die auf die Kirchenstraße trifft. Wer möchte, kann rechts den Haidhauser Friedhof mitnehmen, links geht es entlang der Kirchenstraße bis zum Johannisplatz mit seiner mächtigen – diesmal katholischen Kirche. Wir biegen rechts in die Schloßstraße ein, das Haus an der Ecke ist das ehemalige Tröpferlbad, und gehen bis zur Einsteinstraße. Links ist wieder der Max- Weber-Platz. Nach rechts abgebogen sind es nur ein paar Meter zum Unionsbräu mit Hausbrauerei und gutbürgerlicher Küche (Achtung: Sonntags nur bis 16 Uhr geöffnet).

 

Fix und Foxi am kleinen Kanal

Wer seinen Herbstspaziergang im Nymphenburger Park mal erweitern will, kann eine Runde in Gern einlegen. Vorher empfiehlt sich im Café Isaak (Südliche Auffahrtsallee 72) eine süße Stärkung – seit 1888 wird hier täglich frisch gebacken. Von der Nördlichen Auffahrtsallee aus kann man dann links in die Stievestraße abbiegen und bis zur Zamboninistraße durchgehen. Danach spazieren wir rechts entlang des Nymphenburg-Biedersteiner- Kanals. Die Anwohner nennen ihn „Canaletto“, weil er der kleine Bruder vom Großen Kanal ist. Einst wurden die Bauteile für das Schloss dort auf Flößen transportiert und noch heute treibt das Wasser Maschinen in der Nymphenburger Porzellanmanufaktur an.

Wir stoßen auf die Nederlingerstraße, biegen rechts ab und links in die Klugstraße: Hier beginnt die Gerner Villenkolonie. Die ersten Reihenhäuser Münchens konzipierte JakobHeilmann ab 1806 für Mittelstand, Beamte und Künstler. „Ein Drittel der Häuser hatte von Anfang an ein Atelier“, erklärt Franz Ströhter von der Geschichtswerkstatt Neuhausen. Klug-/Ecke Gernerstraße steht das älteste erhaltene Haus. Da die Kolonie von unterschiedlichen Architekten gebaut wurde, sind die Straßen unterschiedlich – eine der am besten erhaltenen ist die Böcklinstraße, Jugendstil pur ist die Wilhelm-Düll- Straße. Hier lebten Maler, Schriftsteller und Simplicissimus- Karikaturisten. An der Ecke Tizian-/Böcklinstraße entstand das Comic Fix und Foxi. Der Holländer Dorul van der Heide zeichnete ihn dort. Am Ende stoßen wir mit der Tizianstraße auf die Waisenhausstraße, links geht’s zur U-Bahn Gern – oder noch weiter bis zum Augustiner am Dante (Dantestraße 16).

 

Villen und ein Promi-Friedhof

Dieser Spaziergang startet in der Ismaninger Straße auf der Höhe des Bundesfinanzhofs (Tramstation Linie 18). Der ist nämlich sehenswert, denn er sitzt in der prächtigen Fleischervilla. Früher stand hier das Schloss Stepberg, in dem Montgelas 1805 den Pakt zwischen Bayern und Frankreich gegen Österreich schloss und so die Königswürde Bayerns ausdealte. Wir gehen stadteinwärts und biegen nach der Händelstraße rechts in den kleinen Park zur Bürgermeistervilla ein. Sie heißt so, weil sie Josef Selmayr gehörte - dem letzten Bürgermeister Bogenhausens vor der Eingemeindung 1892. Wir kommen an der Weberstraße/ Möhlstraße raus, biegen rechts in die Neubergerstraße und gehen direkt auf die Georgs-Kirche und den Bogenhauser Friedhof zu. Hier liegen viele große Münchner: Liesl Karlstadt, Oskar Maria Graf, Rainer-Werner Fassbinder, Helmut Fischer und seit Januar 2011 auch Bernd Eichinger.

Nach dem Besuch gehen wir die Neubergerstraße weiter und biegen links ab – an der Hangkante entlang, hoch über den Isarauen, stoßen wir auf die Maria-Theresia- Straße. Man könnte auf ihr durchgehen bis zum Friedensengel. Oder man biegt links in die Siebertraße, die wieder auf die Ismaninger führt. Links ginge es zum gutbürgerlicher „Bogenhauser Hof “ (Ismaninger 85, eine Station mit der Tram bis zur Sternwartstraße). Eine familienfreundliche Einkehr mit guter Balkanküche ist der Dalmatiner Grill (Geibelstraße 10), von der Ismaninger links in die Holbein, rechts Schumann und links in die Geibelstraße. Von dort in fünf Minuten zur U-Bahn Prinzregentenplatz.

 

Auf den Spuren von Karl Valentin

Er hat die Zerstörung seiner Heimatstadt 1945 nie verwunden: Karl Valentin, geboren 1882 in der Au. Das Geburtshaus steht in der Zeppelinstraße 41. Ein Gang auf Valentins Spuren bedeutet immer nah an der Isar zu sein – die Runde kann also um ein paar Schritte am Fluss erweitert werden. Vom Geburtshaus aus begeben wir uns auf Valentins Schulweg. Er musste nämlich raus aus der Au, weil er als Evangele nicht auf eine katholische Schule durfte. Seine Schule war am Isartor. Täglich ging er über die Zenneckbrücke auf die Museumsinsel. Die hieß damals noch nicht so, denn das Deutsche Museum gab es damals noch nicht. Auf dem Areal waren Kaserne, Arbeitsamt und während der Auer Dult deren Vergnügungsabteilung mit Fahrgeschäften.

Nachdem wir die Isar auf der Zweibrückenstraße überquert haben, biegen wir rechts in die Liebherrstraße ein und gehen über die Thierschstraße zum Mariannenplatz. InNummer vier hat Valentin lang gewohnt, der Balkon ist noch heute sichtbar. Erst der Bombenkrieg zwang ihn zum Auszug. Um die Ecke, in der Steinsdorfstraße hatte Valentin erste Bühnenerfahrung gesammelt: In der Wohnung des Schriftstellers Ludwig Ganghofer. Der hatte dort nämlich ein Podium aufstellen und Künstler auftreten lassen – Valentin hatte als Schreiner am Podium mitgearbeitet. Über die Kanalstraße 8, wo der Komödiant ebenfalls gewohnt hat, machen wir den Schlenker zum Musäum im Isartor. Dort finden wir den Nagel, an den Valentin seinen Schreinerberuf gehängt hat und natürlich eine Brotzeit im Turmstüberl.

 

Geführte Touren

  • Führungen von Rudolf Hartbrunner können Sie über die VHS und das DGB Bildungswerk buchen oder anfragen unter ruha@t-online.de Am 6.11. führt er zu „Revolution, Räterepublik und weißer Terror“, am13. zu „Münchner Novembergeschichten.“
  • Wenn Sie mehr über Franz Ströhters Führungen wissen wollen : Geschichtswerkstatt Neuhausen unter geschichtswerkstattneuhausen. de. 
  • Stattreisen bietet offene Rundgänge, am Sa., 14 Uhr, „Das Gärtnerplatzviertel“, Treffpunkt Tram Reichenbachstraße; Allerheiligen, 14 Uhr: „Die Goldenen Zwanziger Jahre?“, Treffpunkt Fraunhoferstr. 20a. Infos: www.stattreisen.de
  • Die Stadtschwärmer machen am 5.11., 10 Uhr, für Kinder ab 3 eine Führung in der Neuen Pinakothek, Treff: im Eingangsbereich. Info: www.die-stadtschwaermer. de.
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