Sonnenfinsternis über München: Familienbetrieb verkauft Schutzbrillen

Wer beobachten will, wie die Sonne am 12. August über München fast vollständig vom Mond verdeckt wird, braucht dafür eine spezielle Schutzbrille. Solche stellt ein Familienbetrieb aus Mammendorf her, der sie auch kurzfristig noch verkauft und verrät, wie sie am besten eingesetzt werden. 
Maximilian Neumair
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Ein Mann beobachtet mit einer speziellen Brille die Sonnenfinsternis. Solche Brillen stellt auch ein Unternehmen aus Mammendorf her.
Ein Mann beobachtet mit einer speziellen Brille die Sonnenfinsternis. Solche Brillen stellt auch ein Unternehmen aus Mammendorf her. © IMAGO/Volkan Furuncu

Gänzlich verdunkelt wird die Sonne in München am Mittwochabend, 12. August, zwar nicht. Aber trotzdem bleibt am Himmel nur eine schmale Sichel sichtbar – knapp 90 Prozent des Himmelskörpers werden verdeckt. Um dieses Naturspektakel sicher beobachten zu können, braucht man eine spezielle Schutzbrille – die stellt ein Unternehmen in Mammendorf (Landkreis Fürstenfeldbruck) her.

Für Baader Planetarium seien die Monate vor einer Sonnenfinsternis eine besonders stressige Zeit, wie der CEO Johannes Baader im Gespräch mit der AZ sagt. Über eine Million Brillen stellte der Betrieb her. "Ein paar Tage vor der Sonnenfinsternis kommen die Leute meistens noch zu uns. Da bereiten wir uns auf einen kleinen Ansturm vor", sagt Baader. Zur Einordnung: In Jahren, in denen die Sonne nicht verdunkelt wird, produziert Baader Planetarium gerade einmal ein Prozent der Menge an Brillen.

Die Sonnenfinsternis am Mittwoch ist für Johannes Baader ein "sehr erdendes Ereignis". Er ist CEO von Baader Planetarium.
Die Sonnenfinsternis am Mittwoch ist für Johannes Baader ein "sehr erdendes Ereignis". Er ist CEO von Baader Planetarium. © Baader Planetarium

Baader Planetarium feiert 60-jähriges Jubiläum

Tatsächlich ist das Geschäft mit den Brillen nur eines von vielen. Der Familienbetrieb, der 60-jähriges Jubiläum feiert, stellt so ziemlich alles her, was mit Astronomie zu tun hat: Zubehör für existierende Teleskopsysteme, Spektrografen oder auch Beobachtungskuppeln – jene weißen runden Objekte, die Teleskope vor Wind, Wetter und Streulicht schützen. Darüber hinaus ist das Unternehmen auch als Händler für amerikanische Firmen tätig. "Das heißt, wir importieren im großen Stil Teleskope verschiedenster Größe und vertreiben sie im europäischen Markt", sagt Baader.

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Das erste Produkt war 1966 das Baader Planetarium, nach dem die in München von Claus und Inge Baader gegründete Firma benannt ist. Ein 50 Zentimeter großer mechanischer Sternenhimmel mit innen liegendem Tellurium, das die Bewegungen der Erde, des Mondes und der Sonne zueinander veranschaulicht. Seitdem wuchs das Unternehmen und erweiterte stetig sein Angebot. Dabei blieb es immer in Familienhand – bis heute: Zuerst übernahm Sohn Thomas den Betrieb, heute führt Enkel Johannes die Geschäfte zusammen mit seinen Geschwistern Anne Ettmayr (CFO) und Tobias Baader (CCO).

Sie führen zusammen den Familienbetrieb, den ihr Großvater 1966 ins Leben rief (v.l.): CEO Johannes Baader, Anne Ettmayr (CFO) und Tobias Baader (CCO) .
Sie führen zusammen den Familienbetrieb, den ihr Großvater 1966 ins Leben rief (v.l.): CEO Johannes Baader, Anne Ettmayr (CFO) und Tobias Baader (CCO) . © Marion Vogel

"Es ist hier niemand, der dazu gezwungen wurde oder keine andere Möglichkeit gehabt hätte", sagt CEO Johannes Baader. Die drei Geschwister seien mit Ausbildung oder Studium ihren eigenen Weg gegangen, hätten sich aber jeweils dazu entschieden, wieder im Familienunternehmen zu arbeiten. Deshalb würden sie sich bei Unstimmigkeiten auch immer einig. CEO Johannes Baader ist ein "gelebter Familienbetrieb" wichtig – das heißt: "Wir sind an langen Partnerschaften mit unseren Mitarbeitern interessiert, wir möchten eine geringe Fluktuation haben und ein familiäres Umfeld."  Baader beschäftigt demnach Mitarbeiter, die schon über 30 Jahre für das Unternehmen tätig sind.

Sonnenfinsternisbrillen: "Wir waren die Einzigen, die solche Produkte gefertigt hatten"

Und somit auch die letzte totale Sonnenfinsternis in Deutschland 1999 miterlebt haben. Damals verkaufte Baader noch 7,5 Millionen Brillen. "Wir waren die Einzigen, die solche Produkte überhaupt gefertigt hatten", erzählt der CEO. Außerdem fehlte die Konkurrenz aus China, die Sonnenfinsternisbrillen weitaus günstiger anbietet: Bei Aliexpress kosten 30 Exemplare gerade einmal 1,25 Euro, Baader verkauft eine einzelne Brille für 3,50 Euro. Der Grund ist der aufwendige Herstellungsprozess und die dafür nötigen teuren Maschinen.

Eine totale Sonnenfinsternis ist am Mittwoch im Norden Spaniens zu beobachten. In München ist die Sonne nur zu 90 Prozent verdeckt.
Eine totale Sonnenfinsternis ist am Mittwoch im Norden Spaniens zu beobachten. In München ist die Sonne nur zu 90 Prozent verdeckt. © Business Iceland

Für den Familienbetrieb ist dieser Nachfragerückgang aber kein Problem: "Die Sonnenfinsternisbrillen machen nicht mehr den enormen Anteil an unserem Umsatz aus, wie das früher der Fall gewesen ist", sagt Baader. Trotzdem seien sie noch immer ein spürbarer Umsatzboost. "Die Sonnenfinsternis ist immer ein Geschenk des Himmels für uns", scherzt der Geschäftsführer. Dieses Jahr machte Baader seinen Hauptumsatz mit spanischen Großkunden, denn im Norden des Landes wird es am Mittwoch eine totale Sonnenfinsternis geben.

Wer auf der Suche nach einer Brille ist, dem empfiehlt die Vereinigung der Sternfreunde – der größte überregionale astronomische Verein im deutschsprachigen Raum – das Produkt von Baader. Es entspricht der sperrig klingenden Norm DIN EN ISO 12312-2:2015: Nur mit der kann man direkt die Sonne beobachten, ohne dass die Netzhaut unbemerkt verbrennt.

Sonnenfinsternis in München nicht so spektakulär wie in Spanien

Weil die partielle Sonnenfinsternis abends stattfindet, empfiehlt Baader, sich vorab einen erhöhten Standort zu suchen, von dem aus man freie Sicht nach Westen hat und wo am Horizont möglichst keine Baumreihe ist. Er warnt jedoch: "Die Sonnenfinsternis ist hier nicht ganz so spektakulär wie etwa in Spanien, wo man die Sonne total beschattet sieht."

Die Sonnenfinsternisbrillen von Baader Planetarium. Brillen wie diese schützen davor, dass die Netzhaut beim Blick in die Sonne verbrennt.
Die Sonnenfinsternisbrillen von Baader Planetarium. Brillen wie diese schützen davor, dass die Netzhaut beim Blick in die Sonne verbrennt. © Baader Planetarium

Wer sich trotzdem für sie interessiert, kann noch kurzfristig bei Baader Brillen kaufen. "Wir verschicken am Tag nach Bestelleingang, bis mittags auch oft am selben Tag", sagt Baader. Auch vor Ort in Mammendorf verkaufen sie Brillen. Für die Fortgeschrittenen gibt es zudem Zubehörteile wie Sonnenfilter, die man vor Teleskopen oder Kameraobjektiven befestigt, um die Sonne besser beobachten oder fotografieren zu können. Wer nach der Sonnenfinsternis Blut geleckt haben sollte, der kann mit einem von einer Filterfolie geschützten Teleskop die Sonne auch an gewöhnlichen Tagen beobachten. "Die Sonne ist ein sehr dankbarer Stern, weil man auf ihm die Sonnenflecken sehen kann, die sich täglich ändern", sagt Baader.

Wenn der riesige Mond die noch viel größere Sonne komplett verdeckt und der Schatten auf die Erde fällt, ist das für ihn ein "sehr erdendes und zutiefst spannendes Ereignis". Baader selbst hat wegen der Arbeit noch nicht so viele Sonnenfinsternisse gesehen – das hole er nun aber nach: "Ich fahre mit meiner Familie nach Spanien, um sie in der Zentrallinie zu erleben."

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  • Dugi vor 11 Stunden / Bewertung:

    Das Timing für den Artikel ist unterirdisch. Heute mittag ist der letzte Tag, an dem diese Firma bei Bestellung noch die rechtzeitige Lieferung am 12. August in Aussicht stellt.
    Warum den Artikel nicht am Freitag veröffentlichen, dann hätte es mit einer Bestellung auch noch sicher geklappt?

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  • Ch_Muc vor 10 Stunden / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Dugi

    Es ist ähnlich wie bei den Veranstaltungen am Wochenende, die am selben Tag bzw. am nächsten Tag (Samstag) veröffentlicht werden, anstatt vernünftigerweise am Donnerstag.

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  • Der wahre tscharlie vor 7 Stunden / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Dugi

    Entschuldigung. Ich sehe es eher so.....es ist doch schon länger bekannt, dass die Sonnenfinsternis kommt. Wer also unbedingt gucken will, kümmert sich doch rechtzeitig um diese Brillen.
    Die Online-Käufer googeln doch täglich nach irgendwelchem Zeugs. Dann sollen sie halt auch dort ihre Brillen bestellen, anstatt auf den Artikel zu warten.

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