Sommer-Tollwood 2026: Münchner Festival setzt jetzt auf pure Emotion – und überrascht

Das Tollwood-Festival startet in diesem Jahr mit einem spektakulären Symbol: Ein riesiges anatomisches Herz schwebt über dem Gelände. Dazu setzt das Sommerfestival auf das Thema Empathie – und ungewöhnliche Aktionen mitten im Geschehen.
von  Niclas Vaccalluzzo
Seit über drei Jahrzehnten prägt das Tollwood schon den Münchner Sommer. Von den mehr als 430 Veranstaltungen sind auch heuer wieder rund 90 Prozent kostenlos zugänglich.
Seit über drei Jahrzehnten prägt das Tollwood schon den Münchner Sommer. Von den mehr als 430 Veranstaltungen sind auch heuer wieder rund 90 Prozent kostenlos zugänglich. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

Zu einem Festival gehört viel Arbeit. Damit zum Start alles reibungslos läuft, arbeiten im Hintergrund zahlreiche Menschen Hand in Hand – von den Organisatoren in den Büros bis zu den Werklern auf dem Gelände. Ein System, in dem jedes Element ineinandergreift wie die Zahnräder einer Maschine – oder die Organe eines Körpers.

Auch auf dem Tollwood-Gelände ist diese Maschinerie am Freitagvormittag bereits spürbar. Überall wird gebaut, geschraubt und vorbereitet. Da erscheint es fast wie ein Zufall mit Symbolkraft, dass zum Start des Sommerfestivals am 19. Juni ein riesiges anatomisches Herz über dem Gelände schweben wird.

Ein schwebendes Herz als Symbol für das Tollwood 2026

Denn auf dem Sommer-Tollwood 2026 wird es in diesem Jahr ganz gefühlig. "Mit Gefühl statt nur dabei – Die Rückeroberung der Empathie" lautet das diesjährige Motto. Empathie müsse über Herz-Emojis hinausgehen, sagt Bastian Kabuth, künstlerischer Leiter des Festivals, bei der Pressekonferenz vor dem Start in zwei Wochen. Die Menschen kommunizierten heute mehr denn je, entfernten sich aber zunehmend voneinander.

Anfang Juni wird das Tollwood-Sommerfestival noch fleißig aufgebaut. Am 19. Juni geht es dann los im Olympiapark.
Anfang Juni wird das Tollwood-Sommerfestival noch fleißig aufgebaut. Am 19. Juni geht es dann los im Olympiapark. © Niclas Vaccalluzzo

Einen Treffpunkt und ersten Schritt in Richtung mehr Empathie finden Besucher in diesem Jahr direkt unter dem schwebenden Herzen. Dort wird eine Bar aufgebaut. Doch beim Blick auf die Visualisierungen fällt auf: Hinter dem Tresen stehen keine Flaschen, darauf keine Gläser. Auf der Karte finden sich auch keine Drinks – stattdessen soziale Projekte. Der "Barmann" schenkt keine Getränke aus, sondern informiert darüber, wie und wo sich Menschen engagieren können.

"Little Amal" eröffnet das Festival in München

Nicht nur im Aufbau, auch inhaltlich zieht sich das diesjährige Motto durch das gesamte Festival. "Wie Adern durch einen Körper", beschreibt Kabuth. Beliebt sind auf dem Tollwood die Kunstaktionen. Davon wird es auch heuer wieder einige geben. So eröffnet am 19. Juni um 18 Uhr "Little Amal" das Festival. Die rund 3,5 Meter große Puppe verkörpert ein zehnjähriges syrisches Flüchtlingsmädchen.

Auch im neugestalteten Amphitheater sind besondere Inszenierungen zu sehen. Etwa "Stone" der seit 2022 im Exil lebenden russischen Künstler Iurii Kharchenko und Dmitri Melkin. Wie bei einem Großteil des Programms sind auch diese Aufführungen kostenlos.

Für die Konzerte in der Musik-Arena gibt es nur noch vereinzelt Tickets. Einer der Künstler ist Bosse, der sich das Festivalgelände am Freitag bereits vorab angeschaut hat. "Für mich als Nordkünstler war München anfangs heftig", sagt er. Lange habe es gedauert, bis er hier überhaupt einmal 100 Zuschauer zusammenbekommen habe. Umso mehr freue er sich nun darauf, am ersten Festivalsonntag auf der großen Tollwood-Bühne zu stehen. Daneben treten zahlreiche weitere nationale und internationale Künstler auf.

Keso Eradze verkauft auf dem Tollwood georgische Spezialitäten – heuer etwa „Ajapsandali“ – eine Gemüse-Bowl.
Keso Eradze verkauft auf dem Tollwood georgische Spezialitäten – heuer etwa „Ajapsandali“ – eine Gemüse-Bowl. © Niclas Vaccalluzzo

Kulinarik & Erlebnis: Persisches Eis und Festivalgenuss

Viele Münchner genießen das Tollwood auch ganz ohne Konzerte oder Kunstperformances. Sie spazieren lieber über das Gelände oder probieren sich durch die zahlreichen Essensstände. Für Abkühlung sorgt in diesem Jahr etwa "Eisdream". Die Betreiber bringen hausgemachtes persisches Eis auf das Festival. Es besteht aus Milch, Kardamom und Zucker und ist fester als klassisches Softeis, erklärt Mitarbeiter Milad, "aber besonders cremig". Viele Gründe also für einen Besuch auf dem Festival das rund vier Wochen dauern wird.

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