Simone Burger: Vom Alphorn zum DGB

Simone Burger (33), einst rebellisches Mädchen in der Provinz, ist die erste Frau an der Spitze der DGB-Region München. Die Mai-Kundgebung am Marienplatz wird ihr großer Tag.
| Willi Bock
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Simone Burger (33), die neue Chefin der DGB-Region München.
Simone Burger (33), die neue Chefin der DGB-Region München.

Simone Burger (33), einst rebellisches Mädchen in der Provinz, ist die erste Frau an der Spitze der DGB-Region München. Die Mai-Kundgebung am Marienplatz wird ihr großer Tag

München - Wenn am 1. Mai am Marienplatz wieder die roten Fahnen wehen, Gewerkschafter kämpferische Volksreden halten – dann hat Eine wirklich einen Tag der Arbeit. Der Schwerstarbeit sogar: Simone Burger, erst 33 Jahre alt und seit dem 1. März die erste Frau an der Spitze einer Männer-Bastion – des DGB in der Region München.

„Natürlich bin ich nervös, ob alles klappt.“ Es ist ihr erster großer Tag im neuen Amt. Doch die zierliche Frau mit dem manchmal schelmischen Gesichtsausdruck hat Power. Einst war sie ein eher rebellisches Mädchen im Allgäu. Dann kam sie über eine internationale Jusokarriere an die Spitze des DGB für die Region von Freising bis Garmisch. 120.000 Mitglieder

Simone Burger kommt aus der Provinz: Aus Rottach an der Rottach im Oberallgäu. Um dort die SPD-Mitglieder zu zählen, reicht eine Hand. „Ich ging mit sieben Jahren zur Blasmusik“ erzählt sie munter. Auf dem Dorf ist man im Verein. Da hat sie Waldhorn gespielt. „Fand ich einfach schön.“ Nachher auch Alphorn. Aber davon gibt es angeblich keine Bilder, sagt sie.

Klein-Simone in Tracht? „Ich war nicht das Vorzeigemädchen“, gibt sie zu. Im Bilderbuchbayern hat sie sich die Haare wild gefärbt. „Rot und blau, weil man sich als junger Mensch einbildet, was schön ist.“ Bei den Auftritten hat das keiner gesehen. Da hatte sie einen Hut auf. „Ich war eben sehr ausdrucksstark“, sagt sie und lacht herzhaft.
Das ist ihr geblieben. Heute spielt sie statt Alphorn die erste Geige beim DGB. Statt Blasmusik hört sie daheim „gerne Independent-Musik“.

Ihre zweite große Leidenschaft ist der Fußball. Bayern? Sechzig? Weit gefehlt. Italienische Liga. Der AS Rom. „Ich schaue die Spiele im Fernsehen an und habe auch eine komplette Fan-Ausrüstung.“ Mit ihrem Faible für die Italiener vermeidet sie den klassischen rot-blauen Konflikt  in München. „Fußball ist schon eine ganz schwierige Sache, da kann man es sich mit vielen verderben.“

Für viele kam es überraschend, dass sie sich schon früh politisch engagiert hat. In einer Gemeinde, in der es drei SPD-Mitglieder gab. Doch für sie war schnell klar: „Ich will, dass die Welt gerechter wird.“ Da fand sie den Weg zu den Falken, zur Awo, zur SPD und zur Gewerkschaft. Sie wurde: Chefin der Münchner Jusos (2004-2005), sechs Jahre stellvertretende Bundesvorsitzende der Jusos, sie wurde mit 26 Jahren zwei Jahre Vizepräsidentin der „Young European Socialists“. In München arbeitete sie erst im Büro der Landtagsabgeordneten Adelheid Rupp. Die linke Schmiede der Münchner SPD um Ex-Bürgermeister Klaus Hahnzog.

2007 wurde sie Jugendsekretärin des DGB. Seitdem ist die Zahl junger Gewerkschafter in Bayern stetig auf 84.000 gestiegen. Am Samstag gab sie ihren Job im Vorstand der Münchner SPD auf. Das wäre zu viel geworden. Im Landesvorstand der SPD bleibt sie.

„Frauen in Führungspositionen – das ist immer noch ein gesellschaftliches Problem“ stellt Simone Burger fest. Nicht nur beim DGB. „Ich komme oft zu Treffen, wo es außer der Protokollführerin keine Frau gibt.“

Sie selbst hatte erst einen anderen Weg eingeschlagen und Forstwirtschaft studiert. „Ein sehr schönes, umfassendes Studium.“ Doch es war die Politik, die sie faszinierte und dann studierte – und das Kämpfen wollen.

Eines wird Simone Burger am Dienstag ruhig lassen: Wenn Verdi wieder OB Ude auspfeift. „Das ist doch schon normal.“

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