"Silicon Maxvorstadt": Neue Büros von Google und Apple erhöhen den Druck auf die Stadt

Selbstverständlich brüstet sich Google damit, dass der Tech-Riese beim Ausbau der Arnulfpost gleich an der Hackerbrücke auch "öffentliche Bereiche zur Begegnung und zum Austausch mit Google" geben wird. Noch dieses Jahr soll dieser Standort fertig gebaut werden. "Der Rohbau ist fertiggestellt, zur Zeit läuft der Innenausbau", sagt Google auf AZ-Anfrage zum Zeitplan.
Konkret in Zahlen: Ein "hochmodernes Entwicklungszentrum mit 30.000 Quadratmetern Bürofläche" wird dort fertig gebaut, für bis zu 1500 neue Google-Mitarbeiter. Damit verdoppelt Google fast die Anzahl der Mitarbeiter in München. Rund 1800 arbeiten bereits hier.
Für Google ist das ein "Meilenstein in unserer Geschichte mit der Stadt und der Region". Und es biete auch "aus kommunalpolitischer und sozialer Sicht" eine "einzigartige Chance, ein historisches Wahrzeichen neu zu beleben".

"Silicon Maxvorstadt": Apple und Google bauen riesige Büros
Belebt wird die Maxvorstadt auch durch einen weiteren IT-Neubau nur einen Steinwurf weit weg: An der Ecke Karlstraße/Seidlstraße erweitert Apple sein Chip-Zentrum. Das Grundstück dafür hat der Freistaat dem Weltkonzern für eine Viertelmilliarde Euro verkauft. Das war der teuerste Deal des Jahres 2023 – und hat dem Freistaat viel Kritik eingebracht, weil er das Grundstück nicht in Erbpacht vergeben hat. Auf viele konkrete Fragen der AZ zum Neubau an der Seidlstraße antwortet Apple nicht. Wie viele Mitarbeiter dort einziehen werden und wann der Bau fertig sein soll, bleibt offen.
Der Tech-Konzern verweist lediglich auf eine zwei Jahre alte Pressemitteilung. Dort rühmt sich Apple dafür, "in den nächsten sechs Jahren zusätzlich eine Milliarde Euro in den Ausbau seines Europäischen Zentrums für Chip-Design im Herzen von München zu investieren".

Dazu kommen noch zwei Standorte in der Nachbarschaft, in der Denis- und in der Marsstraße. Laut Apple arbeiten über 2000 Ingenieure in München und Bayern für den Konzern, die durch das erweiterte Chip-Zentrum noch enger zusammen arbeiten sollen.
Tausende Tech-Arbeiter kommen nach München
Was das für die städtische Infrastruktur konkret bedeutet, kann die Stadt nicht sagen, wie aus einem Schreiben des Planungsreferats auf eine ÖDP-Anfrage im Stadtrat von 2023 hervorgeht. Nur: "Es ist davon auszugehen, dass die Mitarbeiter*innen der Firma Apple an verschiedenen Stellen im Ballungsraum München einen Wohnsitz finden."
Tausende neue Menschen, die gutes Geld verdienen, verändern ein Viertel jedenfalls, auch wenn sie nicht alle direkt im nächsten Umfeld mit ihren Familien auch wohnen werden.

Der Bezirksausschuss (BA) Maxvorstadt macht sich darum schon länger Sorgen; um den zusätzlichen Druck, der sowieso schon auf dem hiesigen Mietwohnungsmarkt lastet. Einstimmig hat er schon 2020 zum ersten Mal gefordert, dass die Unternehmen dazu verpflichtet werden sollen, Werkswohnungen zu bauen. Dazu gab es, wie zum Beispiel aus einer Antwort des Planungsreferats hervorgeht, schon vor Jahren Gespräche mit Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).
Zuzug von Tech-Firmen: OB Reiter macht seit Jahren "Anti-Werbung"
Reiter gab sich immer wieder zwiegespalten, was die Ansiedlung der Tech-Konzerne in München betrifft. Er mache seit Jahren "Anti-Werbung", denn "Millionen an Gewerbesteuern werden uns trotzdem nicht aus den Ohren laufen", sagte er vor einigen Jahren zur AZ.

Reiters Konkurrent im Rennen um den Chefsessel in München, CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner, brüstet sich derweil damit, in seiner Rolle als Wirtschaftsreferent daran beteiligt gewesen zu sein, Apple und Google nach München zu holen.
Google: Mitarbeiter "wollen sich selber entfalten"
Es war "gar keine so einfache Geschichte", sagt er in einem Video auf Instagram. Er habe dabei geholfen, "durch diesen Behördendschungel, der diesen Investitionsentscheidungen scheinbar entgegensteht, durchzunavigieren. Das war mein Job als Wirtschaftsreferent".
Kritische Worte Baumgärtners zu Google nach einem Besuch der Arnulfpost im Jahr 2022, weil der Konzern auf Werkswohnungsbau verzichtet, verschwanden nach kurzer Zeit wieder von seinem Posting auf Instagram. Google selber sagte auch schon vor Jahren zur AZ zu dem Thema Werkswohnungen, man biete keine an, "da sich unsere Mitarbeiter:innen selbst entfalten wollen".
Eine Pflicht gibt es in München aktuell nicht, weder gesetzlich noch auf Grundlage eines Stadtratsbeschlusses, der das fordern könnte. Die SPD-Stadtratsfraktion hat das 2019 schon gefordert, die ÖDP/München Liste hat das Thema im September 2023 erneut in den Stadtrat gebracht – die Anträge wurden bis heute noch nicht behandelt.
Neue Idee: Freiwilliger Fonds für sozialen Wohnungsbau
Die Grünen im BA Maxvorstadt haben nun eine neue Idee eingebracht. Ein freiwilliger Fonds für sozialen Wohnungsbau, in den die Unternehmen einzahlen, "insbesondere in der Maxvorstadt und den angrenzenden Innenstadtbezirken". Damit soll preisgünstiger Wohnraum gefördert werden. In ähnlichen Ballungsräumen in Großstädten, insbesondere in den USA, seien die Tech-Konzerne schon bereit, "sich mit Milliardenbeträgen am sozialen Wohnungsbau zu beteiligen", so die Grünen. Das soll auch in München passieren, "bevor sich die soziale Schieflage weiter zuspitzt", so die Grünen.
Jetzt wird in München aber erst noch gebaut, sowohl an der Arnulfpost bei Google als auch an der Seidlstraße bei Apple.