Siegfried Mauser verlässt Akademie der Schönen Künste

Der wegen sexueller Nötigung verurteilte Siegfried Mauser verlässt die Akademie der Schönen Künste und bewahrt sie so vor einer möglichen Blamage. Aber es droht eine skandalöse Festschrift zu seinen Ehren.
| Robert Braunmüller
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Der ehemalige Präsident der Musikhochschule München, Siegfried Mauser, beim Prozess im Februar.  (Archivbild)
Sina Schuldt/dpa Der ehemalige Präsident der Musikhochschule München, Siegfried Mauser, beim Prozess im Februar. (Archivbild)

München - Es ist ein Schritt, der beiden Seiten eine peinliche Abstimmung erspart. Am Freitagabend verschickte die Bayerische Akademie der Schönen Künste eine dürre Pressemitteilung: Siegfried Mauser habe brieflich seinen Austritt mitgeteilt.

"Die Akademie begrüßt diese Entscheidung", heißt es weiter in der vom Präsidenten Winfried Nerdinger unterzeichneten Erklärung.

Akademie wollte Mauser ausschließen

Eine Woche zuvor hatte die Akademie mitgeteilt, sie beabsichtige, Mauser auszuschließen. Dafür wäre eine Dreiviertelmehrheit in einer Abstimmung unter den ordentlichen Mitgliedern notwendig gewesen. Die Sängerin Brigitte Fassbaender drohte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk mit ihrem Austritt, falls der wegen sexueller Nötigung verurteilte Mauser Mitglied der Akademie bleibe.

Wiederum eine Woche davor hatte der Bundesgerichtshof die Revision des am Landgericht München 1 ergangenen Urteils abgewiesen.

Mehrere Akademie-Mitglieder verteidigen Mauser in Leserbriefen

Mauser wurde im Mai 2018 wegen sexueller Nötigung in drei Fällen zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Der ehemalige Präsident der Münchner Musikhochschule hatte demnach unter anderem eine Bewerberin bei einem Vorstellungsgespräch in seinem Büro auf das Sofa gestoßen und trotz Gegenwehr sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen.

Die Sache ist für die Akademie peinlich, weil einige ihrer Repräsentanten versuchten, die Vorwürfe gegen Mauser mit seinen künstlerischen und wissenschaftlichen Leistungen aufzuwiegen. Der ehemalige Präsident Michael Krüger sprach im Zusammenhang mit den Prozessen von einer Intrige und erklärte bei einer Sitzung unter Beifall, die Akademie habe "Freunden auch in schwierigen Situationen beizustehen". Mehrere ihrer Mitglieder und Preisträger verteidigten Mauser in Leserbriefen an die "Süddeutsche Zeitung".

Festschrift zum 65. Geburtstag Mausers

Die anschließende Distanzierung der Akademie von diesen Aussagen blieb fadenscheinig. Leider praktiziert ein Teil der Herren weiter Korpsgeist mit dem Täter und verharmlost auf diese Weise sexuelle Gewalt.

Im Verlag Königshausen & Neumann soll zum 65. Geburtstag Mausers im November eine Festschrift erscheinen, die der ehemalige Akademie-Präsident Dieter Borchmeyer mit herausgibt und an der sich ein Dutzend weiterer Mitglieder mit Beiträgen beteiligt.

Vorige Woche erklärte der Komponist Peter Michael Hamel als Leiter der Musikabteilung die Mitwirkung an dieser Festschrift zur Privatangelegenheit der Mitglieder. Das trifft formal zu. Aber es ist nicht ohne Ironie, dass auch Hamel – privat natürlich – zur 468 Seiten starken Publikation die Komposition "Drei Gedichte von Dagmar Nick für mittlere Stimme und Klavier" beigesteuert hat.

"bisweilen die Grenzen der 'bienséance' überschreitender weltumarmender Eros"

Es hat etwas von kindischem Trotz emeritierter Professoren, ausgerechnet jetzt Mausers unbestreitbare musikalische und wissenschaftliche Leistungen würdigen zu wollen. Und es schadet letztlich auch dem Jubilar, der demnächst seine Haft antreten wird.

Dass den Herausgebern jedes Taktgefühl abgeht, beweist das der Wochenzeitung "Die Zeit" bekanntgewordene Vorwort. Hier heißt es Mausers "bisweilen die Grenzen der 'bienséance' überschreitender weltumarmender Eros" habe "für ihn schwerwiegende rechtliche Folgen gehabt". Das ist eine Beleidigung der Opfer, sexuelle Nötigung in den Amtsräumen einer Musikhochschule aus einem "weltumarmenden Eros" abzuleiten und mit einem französischen Begriff für Wohlanständigkeit abzutun.

Noch ist diese Festschrift nicht erschienen. Noch ist aber auch nicht bekanntgeworden, dass sich einer der Beiträger – unter denen sich Künstler wie Jörg Widmann, Christian Gerhaher oder Helmut Lachenmann und Wissenschaftler wie Jan Assmann, Hermann Parzinger oder Peter Sloterdijk befinden – von diesem Vorwort distanziert hätten.

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