Service für Münchner: Ein neues Busnetz in die Berge

Grün-Rot will Ausflugsbusse von München an Ziele in den Bergen anbieten, zu denen man mit der Bahn schlecht kommt. Was dahinter steckt – und wie das Angebot genau aussehen könnte.
| Felix Müller Sophie Anfang
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Der Sylvensteinspeicher.
Der Sylvensteinspeicher. © imago images / Westend61

München - Mit dem MVG-Bus in die Berge – warum eigentlich nicht? Grün-Rot im Rathaus beantragt, ein solches Angebot zu schaffen. Wohin es an ausgewählten Wochenenden gehen soll, ist noch nicht ganz klar.

Die Koalitionspartner argumentieren, dass die Anfahrt mit BOB und Deutscher Bahn nicht nur die Auswahl der Ziele begrenzt, sondern auch dort zu überlaufenen Wanderwegen führt. Andere Ziele bleiben Münchnern ohne Auto ganz verwehrt. Denen mit Auto wiederum sind die Staus in die Berge ein altbekanntes Problem.

SPD und Grüne setzen sich für neue Bergsteiger-Busse ein

Die Lösung: neue Ausflugs-Busse! Am Freitag bringen SPD und Grüne im Rathaus einen Antrag für die neuen Bergsteiger-Busse ein, die an Wochenenden Ausflügler von München in die Berge bringen sollen. Das städtische Wirtschaftsreferat soll nun mit dem Deutschen Alpenverein (DAV), der bereits an Bergsteigerbussen beteiligt ist (siehe unten), der MVG und dem MVV einen Pilotversuch starten. Der Stadtrat hatte jüngst beschlossen, ökologisch mehr mit dem Umland kooperieren zu wollen.

Verena Dietl
Verena Dietl © Petra Schramek

"Wir wollen unsere MVG-Busse zur Verfügung stellen", sagte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) am Donnerstag im Gespräch mit der AZ. Die Preise müssten natürlich attraktiv sein, vielleicht könne man ja zum Beispiel auch darüber nachdenken, dass die vielen Münchner, die Mitglied im DAV sind, Ermäßigungen bekommen. Im grün-roten Stadtratsantrag ist explizit die Rede davon, dass es sich um ein "kostengünstiges" Angebot handeln soll.

Über genaue Ziele für das neue Angebot sei noch nicht gesprochen worden, sagte Dietl am Donnerstag. Was sie sich zum Beispiel vorstellen könne? "Den Walchensee, den Kochelsee, den Sylvensteinspeicher."

Bergsport-Studie aus dem Jahr 2014: Nur 17 Prozent reisen öffentlich an

Der DAV hat schon lange keine Zahlen mehr erhoben, wie die Menschen eigentlich in die Berge fahren. In einer Bergsport-Studie aus dem Jahr 2014 hatten nur 17 Prozent angegeben, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen.

Katrin Habenschaden (Grüne).
Katrin Habenschaden (Grüne). © Grüne

Spricht sehr dafür, dass da noch Luft nach oben ist. Das glauben auch die Grünen im Stadtrat. Bürgermeisterin Katrin Habenschaden erklärte am Donnerstag: "Ein Bus zu Zielen, die man sonst nur mit dem eigenen Pkw erreichen könnte, ist eine gute Ergänzung zum bereits bestehenden Angebot." Und das nicht nur für Menschen, die sich nachhaltig verhalten wollten – sondern eben auch für Menschen, die keinen eigenen Pkw haben.

"Stark ansteigenden Freizeitbedarf"

Grünen-Stadträtin Julia Post sagte, die öffentlichen Verkehrsmittel müssten nicht nur den Berufspendlern angepasst werden, sondern auch dem "stark ansteigenden Freizeitbedarf".

Die Menschen im Alpenvorland wehrten sich "völlig zu Recht gegen die endlosen Autoströme am Wochenende". Busfahrten aus München in die Berge seien "ein Beitrag zur Verkehrsvermeidung, zum Umwelt- und Klimaschutz – und auch zu mehr Entspannung am Wochenende". SPD-Stadträtin Kathrin Abele schwärmte von einem "wichtigen Beitrag zum Schutz der Natur".

Kathrin Abele (SPD).
Kathrin Abele (SPD). © SPD

Jetzt soll alles ganz schnell gehen. Die Koalition hofft, dass schon in den nächsten Wochen die ersten Busse starten können. Die Kosten solle der DAV tragen, Unterstützung gibt es von der Stadt, die auch die MVG-Busse stellen soll. Wenn die Münchner das Angebot gut annehmen, geht es 2021 weiter.

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Preise und Ziele, die AZ gibt einen Überblick über derzeitige Angebote:

Der Alpenverein versucht, seine Mitglieder dazu zu bewegen, mit den Öffentlichen zum Bergsteigen zu fahren. Die Busse gehören zum Netz des Regio Bus Bayern und können mit dem Bayernticket genutzt werden. Eine Ausnahme ist der Bergsteigerbus in die Eng.

Ein Wanderbus in Kreuth.
Ein Wanderbus in Kreuth. © DAV/Hans Herbig

Als Angebot gibt es die Bergsteigerbusse in verschiedenen Regionen:

  • Eng/Karwendel: Der Bergsteigerbus fährt noch bis 11. Oktober siebenmal täglich an den Wochenenden und Feiertagen und zusätzlich zweimal an den Wochentagen von Lenggries in die Eng/Tirol. Mo-Fr fährt der erste Bus ab Bad Tölz um 9.50 Uhr, ab Lenggries um 10.17 Uhr via Sylvensteinspeicher in die Eng (an 11.19). An Wochenenden/Feiertagen fahren Busse ab 7.50 Uhr (Tölz). Die letzte Rückfahrt ab Eng ist um 16.35 Uhr bzw. 18.35 Uhr (Wochenende/Feiertag).
    Preise: Ab München (Anfahrt mit der BOB) 31 Euro/Person, ab Tölz (Bus) 18 Euro.
  • Kreuth: Der Bergsteigerbus fährt in der Regel stündlich vom Tegernsee bis nach Stuben, manche Verbindungen gehen bis zum Achensee. Der erste Bus startet um 6.20 Uhr, am Wochenende/Feiertag um 8.17 Uhr. Der letzte Bus ab Pertisau Karwendellift startet immer um 17.01 Uhr. Fahrzeit: 2 Stunden (ab München).
  • Spitzingsee: Der erste von München mit dem Zug erreichbare Bus fährt von Schliersee um 7.59 Uhr, die letzte Rückfahrt vom Spitzingsee ist um 18.20 Uhr. Fahrzeit ab München: Eine Stunde und 20 Minuten.
  • Sachrang und Kampenwand: Ab dem Bahnhof Bernau fährt der erste Bus um 9.19 (wochentags), bzw. um 9.43 (samstags/sonntags). Letzter Bus von Sachrang 18.25 Uhr (wochentags) bzw. 18.59 Uhr (Wochenende). Fahrzeit: zirka eine halbe Stunde.
  • Bergsteigerdorf Schleching: Erster mit dem Zug aus München erreichbarer Bus um 8.05 Uhr (wochentags), an Wochenenden um 9.05 Uhr. Letzter Bus zurück ab Schleching um 18.12 Uhr unter der Woche, am Wochenende keine Abendfahrt zurück. Fahrzeit ab München: zwei Stunden.
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