Sengende Hitze, kein Regen: Hunderte Fische verenden in München

Keine Planschbecken, keine private Autowäsche, kein Rasensprengen: Angesichts der großen Hitze gelten in München noch immer klare Regeln in Sachen Wasserverbrauch, Münchner Brauereien sollen ihre Brunnen stilllegen, die Stadt leidet unter Niedrigwasser. Der Grundwasserspiegel sinkt also, und das macht sich an Bächen, Weihern und Tümpeln bemerkbar. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) macht auf das Fischsterben am Hüllgraben aufmerksam – am einzigen oberirdischen Fließgewässer im Münchner Nordosten östlich der Isar.
Hüllgraben in Daglfing: Auch das noch stehende Wasser droht zu verdunsten
Viel Sonne, hohe Temperaturen und kaum Regen: Der Hüllgraben ist laut LBV ausgetrocknet. Anstatt sprudelnden Wassers finden sich dort tote Fische auf trockenem Grund – ein schlimmer Anblick für Anwohner und Besucher des Hüllgrabens in Daglfing. Ein Anblick, den sie laut LBV dort so noch nicht erlebt haben.

Hunderte Fische, Amphibien und andere Wasserorganismen seien im ausgetrockneten Wasserlauf verendet, der einst künstlich angelegte Bach sei "trocken gefallen". Stellenweise stehe noch etwas Wasser, aber auch das werde in den kommenden heißen Tagen verdunsten. Lediglich ein kleiner Abschnitt sei dank eines Biberbaus noch ausreichend befüllt.

Grundwasserspiegel auf einem historischen Tiefstand
Der LBV schlägt Alarm. "Jetzt sind verschiedene Maßnahmen notwendig, um kleine Gewässer und Fließgewässer mit ihren wertvollen Ökosystemen zu schützen", sagt Geschäftsführer Heinz Sedlmeier vom LBV München. Die Witterung könne man zwar nicht beeinflussen, "wohl aber die Wassersituation in Stadt und Landkreis".
Verschiedene Laichgewässer für Amphibien müssen künstlich aufgefüllt werden
Das kleine Fließgewässer in Daglfing speist sich vornehmlich aus Grundwasser, Regenwasser und Wasser aus Drainagen, das ebenfalls vom Grundwasser abhängt, heißt es beim LBV. Da es bereits seit dem Winter viel zu wenig geregnet habe und sich der Grundwasserspiegel auf einem historischen Tiefstand befinde, sei der Bach ausgetrocknet.

"Starke Hitze gepaart mit lang anhaltender Trockenheit macht kleinen Gewässern und Fließgewässern in und um die Landeshauptstadt zunehmend zu schaffen", sagt Sedlmeier. So müssen auf vom LBV betreuten Biotopflächen verschiedene Laichgewässer für Amphibien, wie die in Bayern vom Aussterben bedrohte Wechselkröte, künstlich aufgefüllt werden – und das nicht erst seit diesem Jahr.
Veränderte klimatische Bedingungen: Es gibt Möglichkeiten, Gewässer trotzdem zu erhalten
Sedlmeier: "Solche Gewässer sind ökologisch besonders wertvoll und bieten einer teilweise einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt Lebensraum. Seltene Libellen, Köcherfliegen, Brutvögel, Muscheln, Fische und viele andere Organismen sind hier zu Hause."
LBV-Geschäftsführer Sedlmeier: "Unsere Münchner Quellen brauchen Schutzstatus"
Doch auch wenn immer mehr Tümpel, Weiher und Bäche verlanden – es gebe Möglichkeiten, die Gewässer trotz veränderter klimatischer Bedingungen zu erhalten, so der LBV in seiner Mitteilung.
"Das Schwammstadt-Prinzip München mit möglichst vielen unversiegelten Flächen muss konsequent umgesetzt werden, um den Wasserrückhalt zu maximieren", betont Heinz Sedlmeier. Seine Warnung: Die Entwässerung der großen Moosgebiete Erdinger und Dachauer Moos für Landwirtschaft, Siedlungsbau und Infrastruktur muss verringert oder am besten ganz gestoppt werden.
"Und ganz wichtig: Unsere Münchner Quellen brauchen Schutzstatus, um bedrohte Quellbiotope und Bäche im Raum München intakt zu halten." Kombiniert wirken sich die Maßnahmen positiv auf den Grundwasserspiegel aus, der seit Jahren rückläufig ist", ergänzt Sedlmeier.